„Radfahren senkt Herzinfarkt-Risiko um 50 Prozent“

Jürgen Overkott
Einweihung des Ruhr-Lenne-Achters: Bei der Premiere war das Wetter spätwinterlich, doch an diesem langen Wochen gibt’s Frühling pur.
Einweihung des Ruhr-Lenne-Achters: Bei der Premiere war das Wetter spätwinterlich, doch an diesem langen Wochen gibt’s Frühling pur.
Foto: WP
Langes Wochenende – und Frühling satt: Für Dr. Günther Reichle ist das perfekt für eine Radtour. Warum Radeln gesund ist, sagt er im Interview.

Menden.  Ein langes Wochenende mit warmem, sonnigen Frühlingswetter: Für Dr. Günther Reichle sind das perfekte Voraussetzungen für eine Radtour. Warum, erläutert der Lungenfacharzt im Gespräch mit Jürgen Overkott.

Manche Rad-Profis glauben, Sie könnten ihre Leistung nur als „radelnde Apotheke“ erbringen. Ist Radfahren wirklich gesund?

Dr. Günther Reichle: Auf jeden Fall, bezogen auf das Radfahren im Alltag und in der Freizeit. Zur sinnvollen Vorsorge empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, WHO, fünfmal in der Woche 30 Minuten Bewegung. Es geht dabei nicht um sportliche Hochleistungen, sondern um das Motto „mäßig, aber regelmäßig“. Bei Radlern sinkt das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls um bis zu 50 Prozent.

Welche gesundheitsfördenden Wirkungen hat Radfahren?

...oder erweiternd gesagt: aktive Bewegung, Laufen, forciertes Wandern, Schwimmen. Sport kann Lungenschäden vorbeugen. Das ist auch meine eigene Erfahrung. Sportliche Bewegung hilft mir, mich fitzuhalten. Ich habe mich sportlich betätigt von klein auf.

Womit haben Sie angefangen?

Mit dem Roller. Dann kam das Radfahren. Ich glaube, mit sechs habe ich mein erstes Fahrrad bekommen, vom Vater, der damals gerade aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam. Parallel dazu kam Turnen. Meine Mutter litt an schwerem Asthma, was mich befeuert hat, aktiv zu sein. Wahrscheinlich hat das später auch meine Berufswahl beeinflusst.

Gut, Radfahren hilft der Lunge...

...dazu beugt aktive Bewegung Herz- und Gefäßerkrankungen vor. Das sind nach wie vor die häufigsten Erkrankungen. Der Herzinfarkt gilt immer noch als häufigste Todesursache. Die gesicherten Risikofaktoren, Fehlernährung, Übergewicht und subjektiver Stress sind durch das Verhalten des Einzelnen zu 80 Prozent beeinflussbar.

80 Prozent?

Manche Erkrankung ist genetisch bedingt. Eltern mit Myokardinfarkt geben das Risiko weiter an Sohn oder Tochter. Aber wir können auch ein genetisches Risiko durch aktives Verhalten verringern.

Sie haben gerade das Stichwort Stress genannt. Sport kann Anspannung in Entspannung verwandeln.

Das kann ich sehr unterstreichen – auch aus eigener Erfahrung. Es ist nichts günstiger, als den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause mit dem Rad zurückzulegen.

Geht das auch in Menden?

Ja. Man kann beim Radfahren inzwischen auf Motor-Unterstützung zurückgreifen: beim E-Bike.

Wie halten Sie’s selbst?

Ich fahre kein E-Bike, sehe aber Vorteile insbesondere für ältere Radfahrer und im bergigen Gelände.

Sie setzen auf die gute, alte Muskelkraft...

...auch wenn ich merke, dass meine Gelenke nicht mehr ganz so fit sind wie früher. Aber das Radfahren hilft, dass sich ihr Zustand nicht weiter verschlechtert.

Gehen wir von der primären Prävention zur sekundären Prävention: Kann man Radfahren auch Reha-Patienten empfehlen?

Aus langjähriger Erfahrung als Lungenfacharzt und aus der Fachliteratur weiß ich: Radfahren – erweitert: jede Form von moderater körperlicher Bewegung – ist dabei sehr hilfreich. Es gibt keinen Zweifel, dass das Radfahren auch nach einer durchgemachten oder mit einer chronischen Erkrankung helfen kann und die ärztliche Behandlung wesentlich unterstützt.

Uneingeschränkt?

Nein, mit einer wichtigen Einschränkung: Ich würde die Aktivitäten immer nur in Rücksprache mit und unter Kontrolle meines Arztes durchführen. Das gilt für alle Erkrankungen, auch für unsere Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen.

Lohnt sich Freizeit-Sport auch für die Gesellschaft?

Körperliche Aktivität hilft dem Einzelnen und führt nebenbei zu jährlichen Einsparungen für die Gesellschaft von mehr als 1000 Euro pro Aktivem.