Prozess um 625 Cannabis-Pflanzen auf Mendener Dachboden

Dieses Polizeifoto vom 7. Mai 2015 zeigt die Cannabis-Pflanzen auf dem Dachboden. Das Bauamt entdeckte die Plantage bei einer Kontrolle.
Dieses Polizeifoto vom 7. Mai 2015 zeigt die Cannabis-Pflanzen auf dem Dachboden. Das Bauamt entdeckte die Plantage bei einer Kontrolle.
Foto: Polizei
  • Prozess um eine aufgeflogene Haschplantage an der Iserlohner Landstraße
  • 625 Cannabis-Pflanzen bringen Vermieter vor Gericht
  • Sechs Monate Haft auf Bewährung und 120 Sozialstunden für 35-Jährigen

Menden.. Es hätte für die Drogenzüchter das ganz große Ding werden können. Doch dann schimmerte ausgerechnet bei der Bauabnahme Licht durch eine schlecht gemauerte Wand. Wenig später rückte die Polizei an und nahm in der alten Fabrikhalle an der Iserlohner Landstraße eine Haschplantage mit 625 Cannabis-Pflanzen hoch. Für den Vermieter bedeutete es das Ende eines Lebenstraums.

Wie ein Häufchen Elend

Der 35-Jährige sitzt zeitweise wie ein Häufchen Elend auf der Anklagebank im Amtsgericht. Er weint. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum unerlaubten Anbau von Betäubungsmitteln vor. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Angeklagte genau gewusst hat, was da in der Halle vor sich ging.

Das will der Angeklagte nicht abstreiten. Der Mendener hatte sich die Halle 2007 als Altersvorsorge gekauft. Die Vermietung an Schrauber lief mehr schlecht als recht. Er habe die Halle umbauen wollen, um die Vermietungschancen zu verbessern. Die Bank habe sein Konzept unterstützt. Ein „alter Bekannter“ sei dann mit Freunden auf ihn zugekommen. „Die wollten eine Zweigstelle aufmachen. Das habe ich geglaubt.“

"Das war keine Hobbykultur"

Er habe dann irgendwann die Pflanzen entdeckt und festgestellt, dass das Trio ganz offensichtlich nicht nur Legales vorhatten. „Das war keine Hobbykultur. Das waren drei Profis aus den Niederlanden“, sagt Richter André Wefers.

Die Drogenzüchter sollen dem Vermieter 13.000 Euro geboten haben, damit er weiter stillhält. Diese Summe sei ihm sehr willkommen gewesen, weil ihm die Bank im Nacken saß. Das Geld habe er letztlich nie gesehen, auch nicht die 500 Euro Miete monatlich.

Halle wird zwangsversteigert

Am 7. Mai 2015 stand dann das Bauamt vor der Tür. „Ich habe die sogar selbst eingeladen“, sagt der Angeklagte. Schließlich habe er Umbauten im Erdgeschoss abnehmen wollen. Dann habe die Beamtin aus dem Rathaus auch das Obergeschoss der Halle sehen wollen. „Ihr ist sofort die Abtrennung aufgefallen“, sagt der 35-Jährige.

Die Polizei zählte auf dem taghell ausgeleuchteten Dachboden 625 Pflanzen. Nach der Ernte hätte die Zucht auf dem Schwarzmarkt mutmaßlich mehrere 100.000 Euro eingebracht. Die Züchter erwartet selbst ein weiteres Verfahren vor Gericht. Auf Bestreben der Gläubiger wurde die Halle zwangsversteigert.

Kein unbeschriebenes Blatt

Staatsanwaltschaft und Gericht rechnen dem Angeklagten seine Offenheit hoch an. Viele Details wären ihm ohne Geständnis nicht nachzuweisen gewesen. Allerdings gilt der Familienvater nicht gerade als Unbekannter. Sein Zentralregisterauszug führt zahlreiche Verkehrsdelikte auf, Körperverletzung und Hausfriedensbruch, auch Drogensachen.

Richter André Wefers verurteilt den 35-Jährigen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Während der dreijährigen Bewährungszeit darf er keine Drogen konsumieren. Er muss 120 Sozialstunden leisten. Wefers betonte, dass die Bewährungszeit, für den gescheiterten Immobilienbesitzer auch Gelegenheit sein soll, sein Leben wieder in den geregelte Bahnen zu lenken.

 
 

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