Polizisten umgefahren: 21-Jähriger zur Haftstrafe verurteilt

Urteil am Amtsgericht Menden: der 21-jährige Autofahrer muss für 20 Monate ins Gefängnis.
Urteil am Amtsgericht Menden: der 21-jährige Autofahrer muss für 20 Monate ins Gefängnis.
Foto: dpa
Für ein Jahr und acht Monate muss ein 21-jähriger Autofahrer aus Menden in Haft, der Mitte Mai einen Motorradpolizisten umgefahren und über die Straße geschoben hatte.

Menden. Der Fahrer wollte sich seinerzeit einer Polizeikontrolle entziehen. Die Version des Angeklagten, er habe in Panik Kupplung und Gaspedal verwechselt, glaubte das Mendener Schöffengericht nicht. Der Polizist ist bis heute nicht wieder im Dienst.

Unter Motorrad eingeklemmt

Über den grundsätzlichen Hergang am 19. Mai bestand Einigkeit. Der Angeklagte sollte gegen Mittag auf der Carl-Benz-Straße von dem Polizeibeamten angehalten werden, da er nicht angeschnallt war. Mit seinem Motorrad hatte der Polizist das Cabrio überholt. Nach dem Stopp setzte sich der Pkw aber wieder in Bewegung, brachte den Polizisten samt Motorrad zu Fall und schob ihn dann noch, eingeklemmt unter der Maschine, gut vier Meter vor sich her. Anschließend flüchtete der Beschuldigte vom Tatort und ließ den Familienvater in Uniform verletzt zurück.

Den Vorsatz bestritt der 21-Jährige, er will Gas und Kupplung verwechselt haben. Dieser Einlassung folgte das Gericht in der Urteilsbegründung aber nicht. Vielmehr hielt es für plausibel, dass der 21-Jährige ohne Führerschein in dem nicht angemeldeten Auto nicht erwischt werden wollte. Im Folgenden war er mit hoher Geschwindigkeit über die Fröndenberger Straße davongefahren und hatte sich erst Stunden später, als er schon durch eine Großfahndung unter anderem mit einem Hubschrauber gesucht wurde, der Polizei gestellt.

Rücksichtsloses Verhalten des Angeklagten

„Dieses Verhalten spricht nicht für ein Versehen und für Reue des Angeklagten“, begründete das Schöffengericht. Auch die auf der Fahrbahn gesicherten Kratzspuren zeigen, dass es nicht nur ein versehentlicher „Schubser“ mit dem Pkw gegen das Krad gewesen sein kann. Genau das hatte der Angeklagte aber nur zugegeben und sein Verhalten mit Panik begründet. Außerdem soll ihn sein Beifahrer, ein Schulkamerad, den er kaum kannte, „verrückt gemacht“ haben, da dieser nicht in diese Angelegenheit hineingezogen werden wollte.

Polizeibeamter nach Trauma noch nicht wieder im Dienst 

Der 50-jährige Polizeibeamte, der auch als Nebenkläger auftrat, erlitt eine schwere Knieverletzung und war in Traumabehandlung, er ist bis heute nicht wieder diensttauglich. Seine gesundheitlichen wie beruflichen Aussichten stehen in den Sternen. „Dieser Tag hat mein Leben auf den Kopf gestellt, und meine Familie muss damit klarkommen“, berichtete er gestern.

Sein Rechtsanwalt sprach im Plädoyer davon, dass der Angeklagte noch von Glück reden könne, dass es letztendlich recht glimpflich ausging. Nur durch Zufall stehe hier kein Tötungsdelikt zur Verhandlung.

Während die Verteidigung die Absicht nicht als erwiesen sah und auf eine Bewährungsstrafe plädierte, folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und acht Monate Haft – unter anderem für die gefährliche Körperverletzung. Für eine Bewährung wurde keine Veranlassung gesehen, vor allem wegen der bis zum Schluss nicht erkennbaren Reue.

Nur eine Belastungszeugin glaubwürdig

Der Gesamtkomplex umfasste auch eine mitverurteilte versuchte Nötigung. Denn der Angeklagte hatte einigen Klassenkameraden, die seine Tat zumindest mittelbar mitbekommen und ihn darauf angesprochen hatten, mit körperlicher Gewalt gedroht, falls sie ihn verpfeifen sollten. Hier erwies sich indes nur eine Belastungszeugin als glaubwürdig, während andere ab den wirklich interessanten Momenten erstaunliche Erinnerungslücken preisgaben – oder so schnell wie möglich der Situation entkommen wollten.

 
 

EURE FAVORITEN