Pioniere am Herd und

Der 1. Mendener Männer-Kochclub: Vor 20 Jahren noch Pioniere am Herd.
Der 1. Mendener Männer-Kochclub: Vor 20 Jahren noch Pioniere am Herd.
Foto: WP

Menden.. Sie waren Pioniere, als Kochen noch kein Medienereignis war. Mitunter milde belächelt und bestaunt. Elf Männer hatten sich vor 20 Jahren zum ersten Mendener Männer-Kochclub zusammengeschlossen. Die WP durfte beim Jubiläums-Gala-Menü mit am Tisch sitzen.

Unter dem Dach des Deutschen Hausfrauenbundes war es vor zwei Jahrzehnten in Menden eine Selbstverständlichkeit: Zahlreiche Mendenerinnen gehörten Kochgruppen an. Die damalige Lehrküche der Stadtwerke bot ideale Bedingungen.

Ott-Heinrich Plote, seinerzeit Stadtwerke-Geschäftsführer, erinnert sich: „Einige Männer hatten den Wunsch geäußert, ebenfalls in der Gruppe ihre Fertigkeiten am Herd zu verbessern.“ Das war die Geburtsstunde, denn auch Plote fand Gefallen an der Idee: „Da mache ich auch mit.“

Es sind in der Tat Freunde fürs Leben geworden, die durch Dick und Dünn gehen. Ott-Heinrich Plote: „Es gab in all den Jahren bei uns nur zwei Austritte und im Gegenzug drei Aufnahmen mit jüngeren Mitgliedern.“ Wie sehr sich alle verankert fühlen, das zeigt sich an Klaus Schulte. Er wohnt seit geraumer Zeit in Gütersloh, kommt aber immer noch regelmäßig. Obwohl ab ca 19 Uhr gekocht wird, kann er frühestens die Heimreise nach Mitternacht antreten.

Vielleicht war es eine Art Vorsehung: Die Männer entschieden noch vor der offiziellen Gründung: „Wir benötigen eine Fachkraft, die uns auf die Beine hilft.“ Doch was als

Episode geplant war, sollte Bestand haben. Christel Diener, gelernte Hauswirtschaftsmeisterin, machte es Spaß, den Männern regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Es wurde irgendwann zur Selbstverständlichkeit, dass ich dazugehöre.“ Und so hat sie zwei Jahrzehnte „ihre Jungs“ begleitet. Und die Jungs schlossen sie wie eine Adoptivschwester schnell ins Herz.

Von Anfang galt: „Kochen ist ein Lehrberuf. Wir geben unser Bestes. In einer Profiküche hätten wir jedoch sicherlich unsere Schwierigkeiten.“ Worte zwischen Realismus und Understatement. Denn im Laufe der Jahre kochten sich die Männer zwar nicht geradewegs in den Sterne-Olymp. Sie erfüllen aber längst auch gehobene Ansprüche.

„Wir legen größten Wert auf frische Produkte. Nach Möglichkeit aus der Region“, heißt es übereinstimmend. Der Einkauf wird größtenteils in Menden erledigt. „Bei Fisch ist es jedoch nicht ganz einfach“, orientieren sich die Männer dann schon mal Richtung Dortmund.

Jeweils ein Gruppenmitglied übernimmt an den monatlichen Club-Abenden die Regie. Hartmut Korten hat für das Jubiläumsessen die Verantwortung. Und das heißt: Er bestimmt, was kredenzt wird, besorgt Rezepte und Zutaten und ist dann als Chefkoch derjenige, der klare Ansagen in der Küche macht. Da sträubt sich auch niemand, die eher niederen Arbeiten zu übernehmen. So steht beim Jubiläumsabend Heinrich Rosier mit großer Selbstverständlichkeit und Freude seinen Mann an der Spüle. Der Menden-á-la-Carte-Cheforganisator also auch mal in einer ganz anderen Rolle.

Jeweils am vierten Donnerstag eines Monats ist Clubtreffen in der Stadtwerke-Lehrküche. Ein Privileg. „Wir sind dem heimischen Unternehmen dankbar, dass wir die Infrastruktur nutzen dürfen“, freuen sich die Männer, die ganz ohne die Hilfe ihrer Frauen doch nicht auskommen. „Die haben nun mal ein besseres Händchen für die Deko.“

Die Geburtstagsgäste – in diesem Fall heimische Journalisten – sind ebenso beeindruckt wie Wolfgang Tabel. Der ehemalige Chefkoch des Hauses Ellebrecht-Wilms in Iserlohn Letmathe hat die Männer immer mal wieder begleitet und lobt: „Hut ab. Das ist schon mehr als einfache Lehrlingsarbeit, was hier abgeliefert worden ist.“ Der Profi hat für die WP mal durchkalkuliert: „Für ein solches Menü müsste man als Gastronom sicher um die 70 Euro vom Gast verlangen.“ Nur für das Essen, Weine und andere Getränke nicht inbegriffen.

Die Männer bekochen sich und sind zugleich Service-Personal. Samt und sonders mit weißem Hemd und Fliege gewandet. Im Laufe des Abends kommt durchaus der ein oder andere Schmutzfleck von der Küchenarbeit hinzu.

Die Journalisten haben an diesem Abend mit ihren Gastgebern ein wenig gegessen wie Gott in Frankreich. Weit nach Mitternacht wird der Nachtisch gereicht. Alle sind zufrieden und rechtschaffen müde. Für wenige Minuten wird sogar das strenge Rauchverbot aufgehoben. Drei Männer greifen zur Zigarre und rauchen genussvoll. Wenige Minuten schließt diese so besondere Männerwirtschaft ihre Pforten.

 

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