Nur drei Prozent nutzen das Rad

Fröndenberg.  Elf Prozent der Fröndenberger steigen regelmäßig in Bus oder Bahn. Zehn Prozent gehen öfter mal zu Fuß, 76 Prozent ziehen das Auto vor. Und ganze drei Prozent schwingen sich aufs Rad.

Zwischenbilanz

Dass die Ruhrstadt auf dem Weg zum Drahtesel-Dorado noch Berge von Arbeit abtragen muss, bewies ihr das Büro „Planersocietät“ aus Dortmund am Dienstagabend in der Gesamtschulaula mit ernüchternden Zahlen aus der Mobilitätsbefragung 2013. Seit sechs Monaten erarbeitet das Fachbüro im Auftrag der Stadt einen neuen Verkehrsentwicklungsplan für Fröndenberg. Eine erste Zwischen­bilanz und auch Bestandsaufnahme erfolgte am Dienstag im Rahmen einer Bürgerversammlung. Die Sorge, die Politik werde wieder einmal unter sich bleiben, verflog bereits eine Viertelstunde vor Beginn, wobei die meisten Besucher indes ganz konkrete Anliegen mitbrachten. „Die Verkehrssituation in Ardey und Langschede mit dem vielen Schwerlastverkehr ist eine Katastrophe“, kritisierte etwa ein älterer Bewohner aus Ardey. Altendorf – „der wilde Westen Fröndenbergs“, beschwerten sich hingegen Anita Hensel und Hans Honerkamp: „Im ganzen Ort ist kein Gehweg, geschweige denn ein Radweg. Wir haben nichts!“

Mit Radwegen ist Fröndenberg ohnehin sehr sparsam bestückt, stellte Jan Diesfeld vom Planungsbüro fest. Schutzstreifen – gestrichelte Markierungen neben der Fahrbahn – gibt es stadtweit überhaupt nicht. Das alles führt zu überdurchschnittlich vielen Unfällen, an denen Radler beteiligt sind und bei denen Radler verletzt werden. Obgleich nur ein ganz geringer Prozentsatz der Fröndenberger überhaupt aufs Fahrrad steigt.

Dabei geht der bundesweite Trend seit Jahren stark hin zum Fahrrad. Nicht so in Fröndenberg. Hier ist ganz klar das Auto liebstes Kind der Bürger: 94 Prozent der Haushalte besitzen mindestens eines, die Hälfte sogar zwei oder noch mehr. Der Bundesschnitt liegt mehr als elf Prozent darunter.

Aber nur 75 Prozent der befragten Fröndenberger sind Fahrradeigentümer – gegenüber 83 Prozent bundesweit. Dass letztlich nur drei Prozent ihr Stahlross denn auch für Alltagsfahrten nutzen, trieb den Fachleuten der „Societät“ schon erstaunt die Augenbrauen nach oben. „Das hat uns sehr überrascht“, bekannte Jan Diesner offen.

Wenig überrascht werden sich die Fröndenberger selbst zeigen, die die Topografie ihrer Stadt täglich als Herausforderung vor Augen haben: Hirschberg, Eule sowieso, Tirpitz-Straße... Dort und anderswo, in praktisch jede Richtung türmen sich spätestens nach wenigen Kilometern zwölf, 13, 14 Prozent Steigung vor ambitionierten Radlern.

Allein die gebirgige Beschaffenheit ließ Diesfeld als Ursache für die Fahrradmuffeligkeit aber nicht gelten. Es gebe schließlich Elektroräder, die einen wahren Boom erlebten. „Berge abtragen – Förderprogramme für E-Bikes auflegen“, flachste CDU-Fraktionschef Gerd Greczka.

Lob für Nahverkehr

Es gibt auch Gutes: den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Fröndenberg besitzt sehr direkte und regelmäßige Zugverbindungen mit modernen Fahrzeugen. Auch das Straßennetz ist überdurchschnittlich gut ausgebaut, lobte Jan Diesfeld, stauträchtige Knoten gibt es praktisch keine – sieht man von Stoßzeiten ab, in denen sich die Verkehrsstauungen an zentralen Kreuzungen aber in der Regel problemlos und zügig auflösen. Eigentlich gibt es nur eine einzige Straße, die die Planer deutlich monieren: Es ist die Allee und mit ihr in Verlängerung die Westicker Straße. Mit 7000 bis 8500 Fahrzeugen pro 24 Stunden massiv befahren – noch mehr Verkehr brandet nur auf der B 233 mit bis zu 20 000 Kfz am Tag, davon zehn Prozent Schwerlastverkehr. Die Allee, zählte Jan Diesfeld die Kritikpunkte auf, sei teilweise überbreit, biete zu wenig Überquerungshilfen sowie – wie so oft in Fröndenberg – keinen Radweg. Überdies lebten die Fußgänger gefährlich, dank äußerst mangelhafter Gehwege: „Wir haben ein Teilstück fotografiert, an dem der Bürgersteig so schmal ist, dass eine Passantin auf die Fahrbahn auswich“, mahnte der Verkehrsplaner mit entsprechend deutlichen Fotos.

30-Zonen beschildern

Positiv schlagen die vielen Tempo 30- und verkehrsberuhigten Zonen zu Buche, wobei auch hier Verbesserungsbedarf besteht: Wenn, wie am Mühlenberg, „weit und breit kein Schild steht und gar nicht ersichtlich wird, dass man dort nur Tempo 30 fahren darf.“

 
 

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