Nachbarn fürchten tödliche Unfälle in stillgelegtem Steinbruch

Der Steinbruch ist mit einem stabilen Zaun und Warnschildern gesichert.
Der Steinbruch ist mit einem stabilen Zaun und Warnschildern gesichert.
Foto: Arne Poll
Der stillgelegte Steinbruch Becke-Oese ist ein magischer Anziehungspunkt für Mendener Jugendliche. Nach dem schweren Unfall fürchten Nachbarn noch Schlimmeres.

Becke/Oese..  Gerade erst ist wieder eine Steilwand abgerutscht. Hunderte Kubikmeter Gestein sind ins Tal gedonnert. Wer in dem brachliegenden Steinbruch in solch eine Lawine hineingerät, hätte wohl keine Überlebenschance. Da sind sich nicht nur die Nachbarn sicher. Sie fürchten: „Hier kann es noch Tote geben.“ Denn auch nach dem schweren Unfall aus der vergangenen Woche ist der stillgelegte Steinbruch Becke-Oese ein magischer Anziehungspunkt – vor allem für Mendener Jugendliche.

Eine Nachbarin zählte am Wochenende 15 Jugendliche, die den halsbrecherischen Weg bis an den Rand des Sees hinuntergeklettert waren. „Manchmal sind es auch 20. Sie sitzen ganz oft da unten und lassen sogar Boote zu Wasser.“ Auch am Montagnachmittag sind vom Rand des riesigen Kraters zwei stecknadelkopfgroße Personen zu erkennen. Zu sehen ist auch ein großes Grafitti auf einer Felswand.

Die Idylle des bläulich-schimmernden Sees trügt: Von einem Vorsprung auf der anderen Seite des Sees war eine 18-jährige Mendenerin am vergangenen Mittwoch in den See gesprungen und auf einen Felsen geprallt. Die junge Frau hatte Glück im Unglück und ist außer Lebensgefahr.

Das Gelände steht seit 2007 unter Schutz. Bis zur Stilllegung im Jahr 2004 gehörte der Steinbruch der „Basalt-Aktien-Gesellschaft Bergisch-Märkische Steinindustrie Gummersbach“. Das Unternehmen baute dort Kulmplattenkalke aus dem Unterkarbon ab. Für Geologen ist das Gelände wegen der Aussicht auf seltene Fossilien- und Mineral-Funde eine Schatzgrube.

Doppelt mit Zäunen abgesichert

Das Sammeln von Fossilien ist mittlerweile streng verboten, genauso wie das Betreten. Das Gelände ist gleich mehrfach eingezäunt. Massive Zäune mit großen Warnschildern sollen Besucher abhalten. „Ein vierdrähtiger Stacheldrahtzaun ist Vorschrift“, sagt eine Nachbarin, die ein Auge auf das Gelände hält und anonym bleiben will, um weitere illegale Besucher abzuhalten. Am Kraterrand steht noch ein zweiter Zaun, freiwillig aufgestellt von einem Privatmann aus Soest, dem das Grundstück mittlerweile gehört. Mehr Absperrung ist eigentlich kaum möglich.

„Wir können nur an jeden appellieren, die Absperrungen zu beachten“, sagt ein Polizeisprecher. Aus Sicht der Polizei gebe es keine Hinweise auf regelmäßige illegale Nutzung. Der Unfall sei ein Einzelfall. Die Polizei weist trotzdem vorsichtshalber darauf hin: „Wer auf das Gelände geht, macht sich wegen Hausfriedensbruchs strafbar.“

Sie habe schon oft die Polizei ­gerufen, sagt eine andere Nachbarin. Auf dem riesigen Gelände seien aber wohl selbst die Polizisten machtlos. Die Anwohner beobachten häufig, wie vor allem Jugendliche über verschlungene Pfade auf das Gelände eindringen nachdem sie die Zäune zerschneiden.

Was besonders tückisch ist: Selbst die ehemaligen Zufahrtswege innerhalb des Steinbruchs sind nicht sicher. Sie liegen unterhalb von abrutschgefährdeten Hängen. Der Boden ist außerdem äußerst porös.

Auch unter Wasser drohen weitere Hangabrutschungen. Der sogenannte Silbersee hat noch nicht seinen höchsten Wasserstand erreicht. Er läuft weiter mit Regenwasser voll.

Die Nachbarinnen zeigen durchaus Verständnis dafür, dass das Gelände Jugendliche anzieht. „Man unterschätzt die Gefahr.“ Sie hoffen aber, dass Mendener Eltern mal kritisch nachfragen, wo ihre Kinder so den Tag verbringen.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel