Mund- und Essstörungen bei Kindern

Referentin Susanne Renk mit Organisatorin Tanja Filthaut.
Referentin Susanne Renk mit Organisatorin Tanja Filthaut.
Foto: WP

Menden..  Drei Tage war die Expertin Susanne Renk von der Kinderklinik Münster zu Gast in der Praxis für Sprachtherapie von Tanja Filthaut und schulte interne und externe Fachkräfte zum Thema Mund- und Essstörungen bei Kindern.

Für die meisten von uns ist Essen gleichzusetzen mit Genuss und Gemütlichkeit. Wenn Essen Stress bereitet, dann nur, weil es uns immer wieder zum Gewicht- und Maßhalten herausfordert. So wird auch die jetzige Adventszeit spätestens nach Neujahr wieder ihren Tribut fordern.

Wenn man von diesen kritischen Aspekten absieht, sind Mahlzeiten alltägliche, hochautomatisierte und eher positiv bewertete Selbstverständlichkeiten, die man gerne mit anderen teilt. Aus diesem Grunde spricht die Fachfrau für Mund- und Esstherapie, Susanne Renk, von der Nahrungsaufnahme auch als eine „soziale Handlung“. Essen sei Kommunikation. Was aber ist zu tun, wenn die Kommunikation gestört ist? Was, wenn Kinder nicht essen wollen, weil sie Angst haben, sich zu verschlucken?

Psychologische Probleme

Zunächst einmal konstatiert Renk, dass nicht jedes Kind, das ein „schwieriger Esser“ sei, auch eine Essstörung habe. Vor allem Kleinkinder, die despotisch nur „Hähnchen in Gockelform“ und „Wurst in Bärchenformat“ fordern, haben keine Essstörung. Sie seien so genannte „Picky eater“.


Nicht organische oder psychologische Probleme belasten in diesen Fällen die Mahlzeiten, sondern noch nicht gelöste pädagogische Herausforderungen zwischen Kind und Erwachsenen. Hier gilt es, die kleinen „Kostverächter“ durch Erziehungsmaßnahmen wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Kinder mit Mund- und Essstörungen haben grundsätzliche organische oder funktionelle Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Diese Probleme können sehr vielschichtig sein. So kann zum Beispiel einem neugeborenen Frühchen schlichtweg die Kraft zum Saugen fehlen. Es ermüdet schnell, muss immer wieder zum Trinken ermutigt werden - vielleicht ist der Saugreflex auch nicht ausreichend ausgebildet.

Meist ist es aber nicht nur die fehlende Kraft sondern die Überforderung der Koordinations- und Wahrnehmungskompetenzen, die ein angemessenes Essen und Trinken vereiteln.

So kommt vor allem der Zunge eine besondere Funktion zu. Sie ortet die Nahrung und hilft grundlegend beim sicheren Transport in die Speiseröhre. Kann die Zunge nicht oder nicht schnell genug agieren, dann läuft Flüssiges in den Rachen und damit auch in die Luftröhre. Dieses Verschlucken ist eine große Gefahr. Denn so gelangen Fremdstoffe in die Atemwege. Luftnot und gefährliche Entzündungen können die Folge sein. Auch wenn Essen und Trinken von uns als simple Funktionen erlebt werden, so handelt es sich doch um hochkomplexe Meisterleistungen - allein am Schluckvorgang sind ungefähr 50 Muskeln beteiligt.

Wenn also die Mahlzeiten nicht bewältigt, der Hunger nicht gestillt und das Gewicht nicht gehalten bzw. gesteigert werden kann, dann sind Kind und Eltern schnell in einem Teufelskreis. Hinzu kommt das leidige Verschlucken, das mit Atemnot verbunden ist und somit eine stressfreie Nahrungsaufnahme unmöglich macht.

So weit so gut oder vielmehr so schlecht! Was aber rät Frau Renk bei auftreten Essenstörungen infolge einer Beeinträchtigung der Mundfunktionen?

Eltern brauchen in jedem Fall professionelle Hilfe im Sinne von Diagnostik, Beratung und Anleitung. Zum einen geht es um Hilfsmittel, mit denen Kindern das Essen erleichtert und auch „schmackhaft“ gemacht werden kann. Hier muss individuell geschaut werden, welcher Löffel, welcher Sauger oder Becher eine Hilfestellung ermöglicht. Zum anderen wird besprochen in welcher Haltung ein Kind optimal „gefüttert“ werden soll.

Kinder nicht zum Essen zwingen

Kinder mit Schluckstörungen sollen grundsätzlich nie im Liegen trinken oder essen. Eine Mahlzeit dürfe zudem nicht länger als 30 Minuten dauern. Ein Kind dürfe nicht zum Essen gezwungen werden.

Diese scheinbar banalen Faktoren sind für eine gelungene Nahrungsaufnahme entscheidend - ebenso wie viel Zeit. Da das Essen eine so zentrale Rolle in unserem Leben spielt, ist das Nicht-Essen ein hochsensibles Thema, dem medizinisch aber auch pädagogisch begegnet werden muss.

 
 

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