Missbrauchsopfer verlangt Entschuldigung von Orden

An seine Zeit im Internat des Heilig-Geist-Gymnasiums denkt Thomas Schulte mit  Wut zurück.
An seine Zeit im Internat des Heilig-Geist-Gymnasiums denkt Thomas Schulte mit Wut zurück.
Foto: WP

Menden.. Es war wohl die schlimmste Zeit seines Lebens. Ein Jahr lang hat Thomas Schulte im damaligen Internat des Heilig-Geist-Gymnasiums gelebt und wurde, so erinnert er sich, dort immer wieder von Patres geschlagen und gedemütigt. Das, was er 1961 als Zehnjähriger erlebt hat, beschäftigt den heute 60-Jährigen immer noch. Um seine Vergangenheit aufzuarbeiten, hat er sich auf die Suche nach jemandem begeben, der die Verantwortung für die Taten übernimmt. Mit enttäuschendem Ergebnis.

Im Frühling vergangenen Jahres hatte die WP über den Fall von Thomas Schulte berichtet. Viele Zeitzeugen waren längst verstorben oder konnten sich nicht mehr an die damalige Zeit erinnern. Auch die beiden Patres, von denen Thomas Schulte berichtet, dass sie ihn und andere Jungen misshandelt haben, leben nicht mehr. Thomas Schulte, der seit vielen Jahren in Hattingen wohnt, war aber sehr daran gelegen, dass jemand Verantwortung übernimmt: „Meine Intention war, jemanden zu finden, der – stellvertretend – sich verantwortlich fühlt für die grauseligen Dinge, die nachweislich geschehen sind.“

Warten auf Stellungnahme

Nach dem WP-Bericht vom vergangenen Frühjahr haben sich, so berichtet Thomas Schulte, „drei weitere Missbrauchsopfer bei mir gemeldet“, die damals ebenfalls mit ihm im Internat, das vom Orden der Spiritaner betrieben wurde, gelebt haben.

Im Mai vergangenen Jahres wandte sich Thomas Schulte an die Hotline für Missbrauchsopfer der Deutschen Bischofs-Konferenz. Eine dort tätige Psychologin kümmerte sich daraufhin intensiv um sein Anliegen, bat mehrfach den heute Verantwortlichen des Spiritaner-Ordens um eine Stellungnahme. Vergeblich, so berichtet Thomas Schulte.

Zwar habe sich der zuständige Pater bei ihm telefonisch gemeldet. „Er hat aber überhaupt nicht verstehen können, was ich von ihm wollte“, erinnert sich Thomas Schulte. „Ich hätte mir eine Entschuldigung und etwas Mitgefühl gewünscht. Aber meine Geschichte hat keinerlei Reaktion ausgelöst.“

Lange keine Entschuldigung

Auch nach weiteren Interventionen beim Spiritaner-Orden sei lange Zeit keine Entschuldigung erfolgt. Schließlich schaltete sich auch Heribert Böller, Generalassistent der Deutschen Ordensobernkonferenz, ein. Die Deutsche Ordensobernkonferenz ist der Dachverband für gut 400 Ordensgemeinschaften in Deutschland. „Unsere Bemühungen sind davon geleitet, die Opferperspektive in den Blick zu nehmen und – wenn die Opfer das wünschen – auf diese zuzugehen“, erklärt Heribert Böller gegenüber der WP. Die Kirche insgesamt bemühe sich darum, „diese Dinge – soweit das menschlich möglich ist – aufzuarbeiten und den Opfern gerecht zu werden“.

Nachdem sich Heribert Böller eingeschaltet hatte, hat Thomas Schulte nun endlich vom ehemaligen Provinzial der Spiritaner einen Brief erhalten. Dieser entschuldigt sich dafür, „dass es bis jetzt seitens des Ordens nicht gelungen ist, die richtigen Schritte zu machen oder wenigstens die Worte zu finden, um Ihnen in Ihrer Situation zu helfen“. Er erkenne an, „dass auch in Menden Übergriffe stattgefunden haben, körperliche, wohl auch seelische, die zu traumatischen Verwundungen und zu Spätfolgen geführt haben und will hiermit in aller Form um Verzeihung bitten“.

Welchen Wert hat diese späte Entschuldigung für Thomas Schulte? „Ich erkenne die Entschuldigung an“, sagt der 60-Jährige. „Aber gleichzeitig bleibt bei mir extreme Wut zurück.“ Auch wenn Thomas Schulte versucht, nun einen Schlussstrich zu ziehen, so werden ihn die Erlebnisse aus Menden wohl für den Rest seines Lebens begleiten.

 
 

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