Mendenerin gründet Online-Scheidungsportal

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Menden..  Scheidung per Mausklick? Nein, ganz so leicht ist es dann doch noch nicht. Die Mendener Rechtsanwältin Miriam Vietzke baut im Internet ein Scheidungsportal auf. Und will für ihre Mandanten im Web ein Rundum-Trennungspaket schnüren. Motto: „Einfach scheiden lassen.“ Fast alles läuft dabei online.

Vor eineinhalb Jahren machte sich die 33-jährige Juristin selbstständig und eröffnete ihr Büro in der Kanzlei Steinhauer & Günther an der Märkischen Straße. Zuvor hatte sie als angestellte Rechtsanwältin gearbeitet. Vor gut einem Jahr hob die Fachanwältin für Familienrecht dann den Online-Auftritt „scheidungsportal24.de“ aus der Taufe.

Scheidungen boomen doch, braucht man da tatsächlich eine neue Geschäftsidee? „Ja“, sagt Miriam Vietzke. „Denn die Konkurrenz ist trotzdem sehr groß.“ Also nahm die gebürtige Mendenerin die Gewohnheiten vieler Menschen zum Vorbild, die ihre Bankgeschäfte online erledigen, Kleidung im Internet kaufen, Alltagsgegenstände im Web bestellen und Freunde in sozialen Netzwerken treffen. Warum also nicht auch Scheidungen online abwickeln? „Ich glaube, das ist der nächste Schritt, wenn man sich die Entwicklung der Gesellschaft anschaut.“ Einige vergleichbare Portale gab es bereits im Internet, „aber ich wollte es besser machen“, berichtet Miriam Vietzke.

Kontakt über E-Mail und Skype

Ihre Zielgruppe als potenzielle Mandanten sind Scheidungswillige aus ganz Deutschland. Denn ein Besuch in der Kanzlei in Menden ist nicht notwendig. Fast alles läuft per E-Mail oder auch über den Video-Telefondienst Skype. Im Extremfall sehen sich Anwältin und Mandant erst am Ende des Scheidungsverfahrens vor Gericht für wenige Minuten, bis beide Ehepartner dort ihr Einverständnis zur Scheidung erklärt haben.

Eine Voraussetzung sollte möglichst erfüllt sein, betont Miriam Vietzke: „Es sollte keine Rosenkrieg-Scheidung werden.“ Wenn sich die Ehepartner in den meisten Punkten einig sind und es nur noch um den Versorgungsausgleich geht, läuft die Scheidungsvorbereitung online problemlos. Wenn allerdings heftige Auseinandersetzungen zwischen den einst Liebenden über das Sorgerecht für Kinder oder Unterhaltszahlungen zu erwarten sind, ist der persönliche Kontakt zur Anwältin ratsamer, so Miriam Vietzke.

Informationen auf einen Blick

Was ist denn der Vorteil für eine Scheidung per Web? „Es ist anonymer, es gibt keine Berührungsängste“, sagt Miriam Vietzke. Für Menschen, die ohnehin viel online erledigen, offenbar der nächste logische Schritt. Auch wenn heutzutage kein Trennungsgrund mehr angegeben werden muss, da das Schuldprinzip nicht mehr gilt, „wählen viele den Weg übers Internet, weil sie hier auf einen Blick sehen, welche Informationen sie angeben müssen“, erklärt Miriam Vietzke. Darüber hinaus sei es so möglich, den Mandanten schnell zu informieren – und auch schnell auf Anfragen zu antworten: „Bei uns bleibt keine Post länger als einen Tag liegen.“

Verführt das Scheidungsportal auch dazu, nach einem Streit mit dem Angetrauten in der ersten Wut den Scheidungsauftrag auszufüllen und abzuschicken – und später diesen Schritt zu bereuen? „Ja, das hatten wir auch schon“, berichtet Miriam Vietzke. „Aber dass jemand sich plötzlich doch nicht mehr scheiden lassen will, passiert sogar manchmal noch quasi in letzter Minute im Gerichtssaal.“

 
 

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