Mendener Karneval für Anfänger

MKG Damensitzung auf der Wilhelmshöhe.
MKG Damensitzung auf der Wilhelmshöhe.
Foto: WP

Menden. Wer oder was ist der Hoppeditz?

Der Hoppeditz ist die Symbolfigur des Mendener Karnevals. Sie wird am 11. November zum Leben erweckt und zieht unter dem Jubel der Karnevalisten in den Teufelsturm ein. Von dort begleitet der Hoppeditz die Karnevalisten die ganze Session hindurch, bevor er am Veilchendienstag verbrannt wird. Mit dem Verbrennen des Hoppeditz wird deutlich, dass nicht nur sein „Leben“ jetzt zu Ende ist, sondern auch die Karnevalssession. Im Gegensatz zu vielen anderen „Events“ hat unser Brauchtum einen Anfang und ein Ende.

Seinen Ursprung hat die Figur des Hoppeditz in den Vorläufern der Fastnacht, dem heidnischen Winteraustreiben. Hier verbrannten unsere Vorfahren zum Beginn des Frühlings die tyrannischen Herrscher des Winters, die nicht nur Kälte, sondern auch Hunger, Krankheiten oder sogar den Tod brachten, in Form der Strohfigur

Seit wann wird in Menden Karneval gefeiert?

Die ersten urkundlichen Belege zur Mendener Fastnacht finden sich im Stadtarchiv. In den Ratsprotokollen der Jahre 1733 bis 1735 ist die Klage der Witwe von Wiedenbruck gegen Herrn Rosier unter anderem wegen ungebührlichen Unfugs zur Fastnacht enthalten.

Sicherlich ist die Fastnacht in Menden weitaus älter, was allerdings kaum mehr nachweisbar sein wird, da viele Dokumente bei den verheerenden Stadtbränden vernichtet worden sind.

Das Fastnachtstreiben, also die Bräuche, die sich nach Einsetzen der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern gebildet hatten (Heischeumgänge, Fastnachtsmahl, teils ungezügeltes Saufen und Fressen, Schwerttänzermummerei) wurden in Menden dann um 1870 durch den aus dem Kölnischen kommenden, stärker organisierten Karneval abgelöst. Erste karnevalistische Sitzungen wurden zu dieser Zeit bereits vom Mendener Turnverein organisiert. Später kamen dann auch die im Sauerland viel verbreiteten „karnevalistischen Lustspiele“ hinzu, die unter anderem von der Theatergruppe der Kolpingsfamilie Menden im Kolpinghaus aufgeführt wurden.

Seit wann gibt es die Mendener Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau?

Die Mendener Karnevalsgesellschaft wurde kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges im Jahr 1948 gegründet und ist aus der „Sängervereinigung 1866“ – einem Gemeinschaftschor aus Mitgliedern der katholischen Mannesjugend St. Vinzenz und der Kolpingsfamilie – hervorgegangen.

Warum heißt sie eigentlich Kornblumenblau?

Über die Gründe für diesen Namen kann man nur spekulieren. Einerseits mag der 1937 von Gerhard Jussenhoven geschriebene Karnevalsschlager „Kornblumenblau ist der Himmel am herrlichen Rheine...“, der zu jener Zeit schon der Karnevalshit schlechthin war, zur Namensfindung beigetragen haben. Andererseits darf man den Gründervätern aber durchaus eine gewollte Zweideutigkeit unterstellen.

Warum heißt es hier „Menden Helau“ und nicht „Menden Alaaf“?

Darüber kann man wohl nur spekulieren. Es ist eine Tatsache, dass es der politischen Zugehörigkeit des Herzogtums Westfalen zu Kurköln zu verdanken ist, dass sich der Karneval in Menden etablieren konnte. Schließlich gab es die Fastenzeit und damit das Bedürfnis, Fastnacht zu feiern, nur in katholisch geprägten Gebieten. In den protestantisch geprägten Fürstentümern gab es keine Fastenzeit und damit auch keine Fastnacht.

Das heißt aber nicht, dass auch der Kölner Schlachtruf „Alaaf“ übernommen worden wäre. Das mag daran liegen, dass „Alaaf“ nur in Köln und im Aachener Raum verbreitet ist und damit regional sehr beschränkt ist.

Eine Verbreitung dieses Schlachtrufes über die Medien, wie sie heute praktiziert wird, gab es zu der Zeit nicht, als sich der Karneval in Menden etablierte. „Helau“ hingegen wird in weit mehr Regionen verwendet und war wohl der bekanntere Karnevalsschlachtruf. Vielleicht aber gefiel dem derben Sauerländer auch einfach dieses butterweiche „Alaaf“ nicht.

Was ist der Gockel?

Im Tierreich ist der Gockel ein Federvieh, das hoch oben auf dem Misthaufen steht und für alle vernehmlich kräht. Und so verhält es sich auch im Karneval. Zum Gockel wird ernannt, wer sich besonders bemerkbar gemacht hat. Das muss nicht immer nur durch Worte geschehen, es können auch Taten sein, mit denen jemand auf sich aufmerksam macht.

Um diese Auszeichnung kann man sich nicht bewerben, man muss sich dafür „empfehlen“. Und im Gegensatz zum Tierreich geht es bei dem karnevalistischen Gockel auch nicht nur darum, möglichst viel Krach zu machen. Dieser Krach sollte schon auch Substanz haben.

Welche Bedeutung hat der Teufelsturm für den Karneval?

Der Teufelsturm ist wohl das schönste aller Vereinsheime, das sich eine Karnevalsgesellschaft wünschen kann. Hier wird Karneval gefeiert und gearbeitet. Darüber hinaus hat der Teufelsturm als „Heim der Westfälischen Fastnacht“ Bedeutung für ganz Westfalen.

Es ist das offizielle Karnevalsmuseum vom Bund Westfälischer Karneval. Hier kann man alles über die Entstehung und Entwicklung des Karnevals und der Fastnacht in Westfalen erfahren. Ein Brauchtumsworkshop im Teufelsturm gehört zum festen Bestandteil der Jugendleiterausbildung des Bundes Westfälischer Karneval, damit auch künftige Generationen nicht nur wissen, wie Karneval gefeiert wird, sondern auch warum.

Warum findet der Umzug am Tulpensonntag und nicht am Rosenmontag statt?

Der Umzug hat in früheren Jahren tatsächlich am Rosenmontag stattgefunden. Mit wenigen Wagen und Gruppen zogen die Kornblumenblauen durch die Stadt zum Rathaus, dem heutigen „Alten Rathaus“. Von den Kirchentreppen aus „feierten“ die Karnevalisten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung – und hier insbesondere der Schüler, die eigens schulfrei bekommen hatten – das Rathaus sturmreif. Nach der Schlüsselübergabe zogen das Prinzenpaar und sein Anhang in das Rathaus ein und übernahmen den Vorsitz der närrischen Ratssitzung. Diese in Westfalen einzigartige Ratssitzung hat sich bis heute gehalten und ist jedes Jahr am Rosenmontag ein Sessionshighlight.

Allerdings hatte die „Begeisterung“ für den Rathaussturm im Laufe der Jahre Formen angenommen, die den Verantwortlichen nicht mehr beherrschbar erschienen. Ein mit Glasscherben übersäter Rathausplatz barg zu viele Risiken.

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung suchten die Verantwortlichen nach Auswegen. Hier war es der damalige Erste Beigeordnete der Stadt Menden, Rudolf Nussen, der den Vorschlag machte, den Karnevalsumzug am Sonntag zu veranstalten. Das hätte den Vorteil, dass viele, insbesondere jugendliche Narren, aktiv am Umzug teilnehmen könnten und ihren Feierdrang so auf andere Art ausleben könnten. Dass Rudolf Nussen seinerzeit Recht hatte, können wir heute noch Jahr für Jahr feststellen. Der erste Sonntagsumzug fand übrigens im Jahr 1983 statt -- also vor genau 30 Jahren.

 
 

EURE FAVORITEN