Max Otte in Menden: Ein streitbarer Krisenprophet

Prof. Dr. Max Otte sprach auf Einladung des IMW auf der Mendener Wilhelmshöhe. 380 Interessierte waren gekommen. Foto: Pia Maranca
Prof. Dr. Max Otte sprach auf Einladung des IMW auf der Mendener Wilhelmshöhe. 380 Interessierte waren gekommen. Foto: Pia Maranca
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Menden.. Seit er im Jahr 2006 das Buch „Der Crash kommt“ veröffentlicht hat, gilt Max Otte als Deutschlands Krisenprophet. Auf Einladung des Initiativkreises Mendener Wirtschaft (IMW) war der Hochschul-Professor am Dienstagabend auf die Wilhelmshöhe gekommen. Und 380 Interessierte hörten ihm gebannt zu.

Ottes frei gesprochener Vortrag ist klar strukturiert und anschaulich. Hier spricht niemand ausschließlich für die Finanz-Fachwelt, sondern ebenso für den interessierten Laien. Otte vermag es, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge präzise und einprägsam zusammenzufassen, mit mitunter provokanten Thesen: „Die Finanzkrise war mitnichten nicht vorhersehbar, sie hat sich in den vergangenen 30 Jahren angekündigt.“

Die Immobilienkredit-Vergabe in den USA nennt er „ein System aus Lug und Betrug“. Längst hätten Ratingagenturen und Investmentbanken – Otte nennt sie die „Finanzoligarchie“ – das Ruder übernommen. Dieses Machtgeflecht habe die Politik gekapert.

Der Volkswirtschaftler hält weiter ein Plädoyer für die regional verwurzelten Banken, genossenschaftliche Institute ebenso wie die Sparkassen: Sie machten genau das, was eine Bank machen solle: „Sie nehmen das Spargeld und reichen es als Kredit weiter.“

Dann folgt eine durchaus unkonventionelle These: Die Euro-Zone stehe mit einem Staatsdefizit von 4,4 Prozent des Inlandsproduktes „relativ gut“ da, Japan habe ein Defizit von 10,0 Prozent, die USA eins von 10,8 Prozent. Und was wird nun aus dem Euro? „Der Euro hält, zumindest die nächsten drei Jahre. Danach müssen Sie mich wieder einladen, um eine Prognose abzugeben.“

Dann macht Otte einen kleinen Ausflug in die Anlage-Beratung. Was nun machen in Krisenzeiten mit dem Geld? Vor einer Investition in eine Immobilie rät der Experte zur Umsicht: „Es gibt einen großen Wohnungsbestand, eine abnehmende Bevölkerung, sinkende Mietmoral. Setzen Sie auf Qualität und Lage“. Bei Aktien gebe es nichts Sichereres als Henkel oder Beiersdorf.

Am Ende dürfen die Zuschauer fragen. Ob die Politiker denn überhaupt wüssten, worüber sie entschieden, will jemand wissen. Viele seien keine Ökonomen, sagt Otte. Am Ende bekommt der hochdotierte, aber durchaus streitbare Experte viel Applaus. Und die Zuschauer haben verschmerzt, dass er wegen eines Staus eine halbe Stunde zu spät angekommen war.

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