Marihuana kaum rauschtauglich

Heinz-Jürgen Czerwinski
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Menden.  Bei Nichtgefallen Ware zurück. Das kann sogar für 720 Gramm Marihuana mit niedriger Wirkstoffkonzentration von gerade einmal 2,8 Prozent gelten. Gestern ging es vor dem Schöffengericht auch um Ganovenehre.

Als der Mendener D. im Jahr 2010 groß ins Drogengeschäft einstieg und daheim an der Fröndenberger Straße sogar eine Marihuana-Plantage aufbaute, geriet er schnell ins Visier der Polizei. Die Beamten observierten gründlich. In der Folge gab und gibt es eine Fülle von Verfahren mit zahlreichen Beschuldigten. Zu ihnen gehörte auch jener Mann, der dem Mendener D. 720 Gramm Marihuana zum Preis von vier Euro pro Gramm zum Weiterverkauf anbot.

Ein Kunde dafür stand für die avisierte Menge bereits erwartungsvoll in den Startlöchern. Die Übergabe erfolgte prompt. Zufriedenheit stellte sich indes nicht ein, denn es mangelte an berauschender Wirkung. Der Mann reklamierte. Mit Erfolg. Die Beteiligten einigten sich auf Rückabwicklung des Geschäftes. Die Polizei bekam alles mit, weil die Beamten das Telefon des heimischen Drogenhändlers überwacht hatten. Als der gestern Angeklagte E. den wirkstoffarmen Großkauf wieder in der Wohnung des Mendener Dealers abliefern und Ersatz mitnehmen wollte, erwischte sie ihn und einen Helfer. Das Ende einer speziellen Kurierfahrt.

Amtsgerichtsdirektor Festersen ist im Gesamtkomplex längst zum Aktenfresser geworden. Oberstaatsanwalt Hempelmann nicht minder. Beide hatten sich auf einen langen Verhandlungstag samt stundenlanger Beweisaufnahme eingestellt. Die nicht einschlägig in Erscheinung getretenen Beschuldigten machten es jedoch dem Schöffengericht einfach. Sie gestanden vorbehaltlos. Doch auch damit war unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge nicht aus der Welt zu schaffen.

Urteil: Ein Jahr Freiheitsstrafe für den Hauptbeschuldigten, acht Monate für den Helfer. In beiden Fällen erfolgt eine Aussetzung auf zwei Jahre zur Bewährung. Justitia hatte zuvor allen im Gerichtssaal zugezwinkert. Die Rückabwicklung des Drogendeals hätte ja nicht zwingend erfolgen müssen. Doch wie, so der versammelte Sachverstand, sollte sich das bloß auswirken: straferhöhend oder strafmildernd? Ins Urteil war diese Betrachtung nicht eingeflossen.