Madame lädt ein ins Modehaus des 18. Jahrhunderts

Alessandra Reeves (links) und Sabine Schierhoff tragen klassische Kleidung. Schierhoff entsprechend der Inhaberin der Modehandlung, Reeves als Lehrmädchen.
Alessandra Reeves (links) und Sabine Schierhoff tragen klassische Kleidung. Schierhoff entsprechend der Inhaberin der Modehandlung, Reeves als Lehrmädchen.
Foto: Tobias Schad
Für einen Tag reiste das Schmarotzerhaus 200 Jahre in die Vergangenheit. Dort angekommen präsentierte Sabine Schierhoff traditionelle Kleidung aus der Zeit um 1800: Keine Massenware, sondern jedes Stück eine wertvolle Maßanfertigung.

Menden.. Nur ein Schritt über die Türschwelle und schon fand man sich 200 Jahre zurückversetzt. Das Schmarotzerhaus verwandelte sich am Samstag in die „Putz- und Modehandlung Mme Bettinger“ aus der Zeit um 1800.

Das T-Shirt für drei Euro aus Massenherstellung von asiatischen Fließbändern gab es bei der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert natürlich noch nicht. „Selbst Schnittmuster als Vorlage waren eher selten so dass jedes Kleidungsstück im Grunde eine Maßanfertigung war“, erzählt Alessandra Reeves.

Ihr Akzent verrät sie recht schnell als Schweizerin und was sie in die Hönnestadt verschlagen hatte war das ungewöhnliche Projekt der Mendenerin Sabine Schierhoff. Wobei unter diesen Namen keine von beiden den Tag über im Schmarotzerhaus an der alten Stadtmauer auftrat.

Ältester Hof der Stadt

Schierhoff war Madame Bettinger und Inhaberin der gleichnamigen „Putz- und Modehandlung“ und Reeves ihr Lehrmädchen Friederike. Im Erdgeschoss des Schmarotzerhauses, fand am Samstag die Vermessung der Herren und Damen statt, von dort wanderten die Maße nach oben in den ersten Stock wo dann mit Nadel, Faden und Stoff die Kleider entstanden. Auch hier saßen emsige Damen, die, wenn auch nicht ganz aus aller Herren Ländern, aber zumindest aus den Niederlanden oder Passau in Richtung Menden aufgebrochen waren um sich an der historischen Darbietung zu beteiligen.

Sonja Schulte aus Hohenlimburg hatte es da nicht so weit. Unter dem Namen Rosa Schulte-Mencken, eine ihrer Vorfahrinnen vor gut 200 Jahren und Bewohnerin auf dem ältesten Hof der Stadt Hohenlimburg, verrichtete neben einigen Näh- und Strickarbeiten das, was für eine Dame der etwas höheren Schichten eine übliche Freizeitbeschäftigung war: sie gestaltete mit Wasserfarbe Postkarten. „Diese Tätigkeit war da durchaus eine gute Erwerbsmöglichkeit wenn man alleine für seinen Lebensunterhalt zu sorgen hatte“, erzählte sie.

Paris ist das Nonplusultra

Kleidung hatte einen anderen Wert in der Zeit um 1800. Wie schon angesprochen, waren es größtenteils Maßanfertigungen, die man auch wechselnden Trends anpassen konnte anstatt wegzuschmeißen.

Nonplusultra als Modestadt war damals wie heute übrigens Paris. Die insgesamt acht beteiligten Damen hat es diese Zeit angetan. Durch das Internet fand man zueinander und trifft sich nun quer durch die Republik wie nun in Menden oder für historische Darbietungen ähnlicher Art in Freilichtmuseen. „Wir sind auch extra dafür schon für nur ein Wochenende nach Italien gefahren“, bürgerlich Hildegund Bemmann und in Passau wohnend, am Samstag aber Karoline Holpriger. So entstand in der Gruppe auch die Idee zu der Darstellung in Menden. Der ein oder andere interessierte Besucher fand dazu auch am Samstag den Weg in das Schmarotzerhaus, ungefähr zur Halbzeit am frühen Nachmittag resümierte aber Initiatorin Sabine Schierhoff: „Ein paar mehr hätten es schon sein dürfen.“

- Sabine Schierhoff nähte schon vor vier Jahren im Rahmen einer Ausstellung im Schmarotzerhaus historische Kleidung.

- Ihr Hauptinteresse gilt vor allem der Zeit 1795 bis 1820.

- Ihr Internet-Blog: www.kleidungum1800.blogspot.com

EURE FAVORITEN