Landen im Acker ist Segelfliegern erlaubt

Barge/Oesbern..  Für unbeteiligte Zeugen wirkt es immer wie ein Drama, wenn vor ihren Augen ein Segelflugzeug auf einem Acker zu landen versucht: Rasch ist von „Absturz“ und „Notlandung“ die Rede. So war es auch am Sonntag, als eine 17-jährige Pilotin des Aeroclubs Hagen mangels Aufwind auf einem Feld in Oesbern niederging, statt wieder zum Startort, dem Flugplatz in Sümmern, zurückzukehren. Wie berichtet, blieb sie unverletzt, ihr Flugzeug und zwei Weidenzäune wurden bei der Bruchlandung aber beschädigt. Grundsätzlich sind „Außenlandungen“, also vorzeitiges Niedergehen außerhalb von Flugplätzen, für Segelflieger nicht ungewöhnlich, weiß Theorielehrer Björn Feldmann.

Feldmann gehört zur Luftsportgruppe Menden und kennt sich im Flugrecht bestens aus. Deshalb meldete er sich sofort bei der WP, als in ersten Online-Meldungen davon die Rede war, dass die Pilotin in Oesbern eine Notlandung vollführt habe und für die Polizei somit eine Ordnungswidrigkeit vorliege.

„Prinzipiell sind Landungen außerhalb von Flugplätzen oder deren Betriebszeiten zwar genehmigungspflichtig“, sagt Feldmann. Für Segelflieger sehe das Luftverkehrsgesetz allerdings eine Ausnahme vor. Demnach gilt der Flugplatzzwang nicht, „wenn der Ort der Landung infolge der Eigenschaften des Luftfahrzeugs nicht vorausbestimmbar ist“, zitiert Feldmann den Gesetzestext. Das gelte für Segelflieger sogar ausdrücklich.

2015 eine Außenlandung

Die Barger Gruppe mit ihren 85 Aktiven habe in diesem Jahr eine einzige Außenlandung im Acker zu verzeichnen gehabt. Die sei völlig unspektakulär und vorschriftsmäßig verlaufen, betont Feldmann. Das bedeutet, dass sich der Pilot wegen möglicher Flurschäden auf dem Feld beim Landwirt melden und seine Personalien angeben muss. Jedes einzelne Segelflugzeug, von denen die heimischen Luftsportler elf an der Zahl plus einen Motorsegler besitzen, sei auch gegen Schäden versichert, die Dritten damit zugefügt werden. „Anschließend lässt man sich mit dem Segelflug-Anhänger abholen. Dafür hat ein Kumpel vor dem Start schon den Autoschlüssel bekommen.“

Zu den erlaubten Niedergängen zähle auch die „Sicherheitslandung“, wenn ein Pilot unter sich eine Notsituation erkennt, etwa ein verunfalltes Auto ohne Helfer. Dies gelte unabhängig vom Flugzeugtyp.

„Notlandung“ nur nach Defekt

Unplanmäßige Landungen gehören laut Feldmann als Eventualität zur Vorbereitung jedes Fluges, der nicht nur eine Runde über dem Barger Flugfeld werden soll. „Wir sind ja auch schon Dreiecke von 800 Kilometern nonstop geflogen.“ Da sei es schon ein Glück, immer genug Aufwind unter den Flügeln zu haben.

Von einer Notlandung spricht man dagegen nur, wenn ein Defekt vorliegt oder das Flugzeug ein Hindernis berührt hat. „Auch wenn Piloten den Flug abbrechen, weil sie oder ein Passagier gesundheitliche Probleme haben, ist das eine Notlandung“, erläutert Björn Feldmann. Doch bei aller Korrektheit in den Begriffen: Nach jeder Außenlandung sollte man als Zeuge sichergehen, dass der Pilot unverletzt ist. Auch wenn sie nicht so danebengeht wie am Sonntag in Oesbern.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen