Konflikt mit Denkmalschutz

Foto: WP

Menden.. Es ist ein markantes Gebäude in Menden und formt quasi die berühmte „Pinkelgasse“. Doch ist das Haus Gerberstraße 6 wirklich noch zu erhalten oder muss es abgerissen werden? Der Bauausschuss hat gestern in Sachen Abriss zunächst auf die Bremse getreten. Ein Konflikt zwischen Denkmalschutz und Bezahlbarkeit.

Dass sie kein Herz für alte Häuser haben, kann man Andreas und Simone Schenck sicherlich nicht unterstellen: Sie wohnen direkt nebenan, in der Gerberstraße 4. Und hier haben sie das Elternhaus von Andreas Schenck, das ungefähr gleich alt sein dürfte wie die im 19. Jahrhundert erbaute Hausnummer 6, liebevoll restauriert. „Das befand sich damals aber in einem deutlich besseren Zustand – und hat uns trotzdem schon die Grenzen der Wirtschaftlichkeit aufgezeigt“, so Simone Schenck.

Als es vor einiger Zeit das Nachbarhaus mit der Hausnummer 6 gekauft hatte, da war dem Paar nicht bewusst, wie schlecht der Zustand tatsächlich ist. Einige Jahre wohnte darin noch eine alte Mieterin, die dort ihren Lebensabend verbringen wollte.

Jetzt habe sich aber herausgestellt, dass falsche Sanierungsmaßnahmen, vor allem aber ein Wasserschaden im Erdgeschoss, bei dem mehr als 500 000 Liter ausgeflossen seien, das Haus grundlegend geschädigt hätten. Man sei inzwischen mehrfach mit Gutachtern und Architekten durch das Haus gegangen: „Und alle haben festgestellt, dass es wirtschaftlich nicht mehr zu retten ist.“ Selbst wenn man das Haus nach einer Sanierung vermieten könne, müsse man 800 bis 1800 Euro in jedem Monat oben drauf legen.

Auch dem Denkmalschutz könne man bei einer Sanierung nicht mehr Genüge tun: Die Blechfassade, die die Denkmalschützer erhalten sehen wollen, lasse sich aufgrund der komplett maroden Grundstruktur nicht retten. „Überdies würden am Haus so viel Teile erneut, dass vom Ursprung so gut wie nichts mehr erhalten bleibt.“

Das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ist anderer Meinung: Aus den Unterlagen lasse sich nicht schließen, dass das Gebäude nicht wirtschaftlich zu sanieren sei. Und bei einem Ortstermin mit den LWL-Denkmalschützern wurden die Schencks sogar darauf hingewiesen, dass sie dann doch lieber das Haus verkaufen sollten. Gerichte hätten entschieden: Handele es sich um ein reines Investitionsobjekt, könne das verlangt werden.

Doch verkaufen will das Ehepaar Schenck nicht – schon wegen der Nähe zum eigenen Haus: „Wir haben aber gleich angeboten, zu prüfen, ob das neue Haus nicht ähnlich gebaut werden kann, wie das jetzt bestehende.“

Der Bauausschuss hat sich gestern vor Ort selbst ein Bild gemacht: In der anschließenden Diskussion ergab sich ein einstimmiger Beschluss: Es wird nunmehr formalrechtlich ein Anhörungsverfahren eingeleitet werden. Dabei werden in Gesprächen zwischen Stadt und Eigentümer zunächst Punkte wie unabdingbare Ausgaben und Renovierungen geklärt.

 
 

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