Klettern ist plötzlich total verboten

Klettern im Hönnetal: Die Bezirksregierung will das totale Verbot jetzt durchsetzen. Foto: T. Schad
Klettern im Hönnetal: Die Bezirksregierung will das totale Verbot jetzt durchsetzen. Foto: T. Schad
Foto: Tobias Schad

Menden/Balve.. Die Volkshochschule hat noch Kletterkurse im Angebot. Treffpunkt am 29. April an der B 515 im Hönnetal. Fakt ist jedoch: Das Klettern im Hönnetal ist ausnahmslos verboten. Aus Naturschutzgründen. Die Bezirksregierung Arnsberg will dieses Verbot nun durchsetzen. Im Lager der Kletterbegeisterten schlägt die Empörung hoch.

Dass sogar die VHS hochoffiziell Kletterkurse durchführt, zeigt das Dilemma: In der Öffentlichkeit war das totale Kletterverbot an den Hönnefelsen bislang nicht bekannt. Anfänger und Einsteiger kraxelten immer wieder am „Gnom“, „Bärenstein“, „Hausstadtfelsen“ oder „Waldstein“ hoch, geführt oder auf eigene Faust. Noch im vergangenen Jahr haben Kletterer die Routen mit neuen Bohrhaken ausgestattet. Sogar aus dem Ruhrgebiet kamen die Klettersportler ins Hönnetal. Niemand kontrollierte das Kletterverbot. Sanktionen für „Wildkletterer“ gab es ebenfalls nicht.

Doch damit ist nun Schluss, wenn es nach der Bezirksregierung geht. Weil das Hönnetal ein FFH-Naturschutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) ist und in diesen Gebieten generell ein absolutes Kletterverbot herrscht. „Das ist ein Schutzgebiet von europäischer Bedeutung“, erklärt Dr. Christian Chmel, Pressesprecher der Bezirksregierung. Gegenüber der EU sei man in der Pflicht, die Rechtslage umzusetzen.

Die Bezirksregierung hat bedeutende Kletterverbände, den Deutschen Alpenverein und die IG Klettern, am 13. Februar darauf hingewiesen. Man werde „mit geeigneten Maßnahmen kontrollieren, ob weiterhin im Hönnetal geklettert wird und es ggf. ahnden“, heißt es in dem Schreiben. Noch konkreter wird der Naturschutzbrief Januar 2012 der Bezirksregierung: Wer sich den Kletterverboten widersetze, habe mit „Ordnungswidrigkeitsverfahren und Regressansprüchen zu rechnen“.

Auf ihren Internetseiten geben die Kletterverbände nun explizit das Verbot bekannt. In den Diskussionsforen zeigt die Klettergemeinde aber wenig Verständnis für die knallharte Linie. Es sei doch nur an wenigen Felsen geklettert worden, argumentieren sie. Ob in den Behörden eine Abneigung gegen Kletterer bestehe, fragt sich ein Kommentator. „Dann fahren wir halt mit den Autos aus Protest das Hönnetal rauf und runter. Denn Straßen und Wege sind im Schutzgebiet ja erlaubt. Was schadet der Natur wohl mehr?“, schreibt ein weiterer Kletterfan.

„Das ist ein klassischer Interessenkonflikt“, sagt Dr. Chmel. Er verweist darauf, dass es bei dem Verbot nicht um das reine Klettern geht, sondern auch um die „Begleiterscheinungen. „Müll, Lagerfeuer und Anreise“ nennt er Beispiele. Das habe ein Ortstermin 2011 gezeigt.

Allerdings besteht für die Klettergemeinde noch Hoffnung: Noch in diesem Jahr soll eine Umweltverträglichkeitsstudie klären, ob das Klettern nicht doch an einzelnen Standorten im Hönnetal umweltverträglich sein kann. Die Bezirksregierung bietet ferner an, weitere Klettergebiete zu erschließen, die dem Naturschutz Rechnung tragen.

Möglicherweise muss dann auch die Hönnetal-Touristik ihre Werbung für das Hönnetal nicht „abschalten“. Auf der Homepage stand gestern noch zu lesen: „Bei wahrscheinlich keiner anderen Sportart kann man seinen Körper so direkt erleben wie beim Klettern. Unter Berücksichtigung des Umweltschutzes sind einige Kletterfelsen freigegeben. Zu den offenen Felsen zählt der Waldstein im Hönnetal.“

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