Kein Klettern wegen Euro-Norm

Foto: Martina Dinslage
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Die Stangen für die Klimmzüge stehen nicht mehr, die Stützen zum Stützen sind demontiert und am Pendel hat es sich ausgeschwungen: Der Forstbetrieb hat drei Stationen des Waldsportpfades abgebaut. Grund: Sie entsprechen nicht mehr der europäischen Spielplatznorm.

Menden.. Die Stangen für die Klimmzüge stehen nicht mehr, die Stützen zum Stützeln sind demontiert und am Pendel hat es sich ausgeschwungen: Der Forstbetrieb hat drei Stationen des Waldsportpfades abgebaut. Grund: Sie entsprechen nicht mehr der europäischen Spielplatznorm.

„Die Ringe und Ketten beim Pendelschwingen dürfen nicht mehr verwendet werden“, erklärt Stadtförster Dirk Basse, der mit seiner Abteilung für den Waldsportpfad zuständig ist. Man könne sich die Finger klemmen. Noch größeres Manko ist der fehlende Fallschutz.

Basses Mitarbeiter Markus Hempelmann kann sich nicht daran erinnern, dass auf dem Waldsportpfad jemals etwas passiert wäre. Aber ob den Kollegen aus dem Stadtforst oder den Mendenern die Vorschriften der DIN-Norm plausibel erscheinen, interessiert nicht. „Wir machen uns schadensersatzpflichtig, wenn die Geräte nicht den Normen entsprechen“, sagt Basse. Heißt: Wenn etwas passiert, müsste die Stadt Menden zahlen.

Verärgert und mit Unverständnis auf den Abbau der Stationen reagieren die Fans des Trimmpfades. Und die sind durchaus zahlreich, weiß Angelika Bönnen. Sie selbst ist mindestens einmal in der Woche im Wald zwischen Antoniuskapelle und Hexenteich sportlich unterwegs. Der Waldsportpfad sei die perfekte Ergänzung zum Laufen, denn an den Stationen lasse sich der ganze Körper bestens trainieren. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, reagiert sie auf den Abbau der Geräte, „man kann sich eher an der Wurzel eines Baumes den Fuß umknicken als dass da etwas passiert.“ Wenn jetzt etwas locker wäre oder beschädigt, findet die Mendenerin, dann wäre es ja gerechtfertigt, Geräte abzubauen. Aber so?

Bönnen leitet eine Leichtathletik-Gruppe beim SV Menden. „Für die Kinder ist es immer das Höchste, im Wald ihre Kräfte zu erproben. Wie sollen Kinder denn Selbstbewusstsein entwickeln können, wenn sie nicht klettern dürfen?“ Sie beobachtet an Wochenenden auch Familien, die spazieren gehen, und bei denen die Kinder sich die Zeit an den Stationen vertreiben. Bönnen ärgert sich besonders darüber, dass der Abbau einfach unangekündigt vollzogen wurde.

Für die abgebauten Stationen wird es keinen Ersatz geben - außer, man findet Sponsoren

Unterdessen leistet Forstwirtschaftsmeister Markus Hempelmann Aufbauarbeit. Er sorgt dafür, dass die verbliebenen Trimmpfad-Stationen fit für das Sommer-Halbjahr werden. Immerhin können die Sportler ihre Kräfte noch an 17 Geräten messen. Alle Stationen wurden untersucht, jetzt muss die Mängelliste abgearbeitet werden. Verfaulte Hölzer werden ersetzt, an einigen Stationen des Waldsportpfades muss auch noch betoniert werden.

Spätestens Mitte Mai soll der Pfad wieder zu absolvieren sein. Für die abgebauten Stationen allerdings wird es keinen Ersatz geben. Der städtische Haushalt gibt das nicht her. Dirk Basse: „Aber wenn sich Sponsoren finden...“

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