Ist Kreuztracht wie Karneval?

Ratsmitglieder bei Kreuztracht. Liebe Prozessionsteilnehmer! Seit heute wissen wir es nun genau: Die Mendener Kreuztracht ist eine „katholische Folkloreveranstaltung“ für Heuchler, von denen nicht einmal sieben Prozent in den sonntäglichen Gottesdiensten zu sehen sind. Dies behauptet der SPD-Ratsherr Kruschinski, der sich genötigt sah, seine Erkenntnisse in einem fünfspaltigen Zeitungsartikel kund zu tun. Sehen die Bürger unserer Stadt das auch so? Wenn nicht, dann sollten Sie Herrn Kruschinski einmal mitteilen, was Sie persönlich mit der Mendener Kreuztracht verbindet.

Herr Kruschinski versäumt es auch nicht, dem Leser zu sagen, dass seine Auffassung von Religionsausübung, im Gegensatz zu der „katholischen Folkloreveranstaltung“, die er mit Karneval und Schützenfesten gleich setzt, das ehrlichere Bekenntnis zum Christentum darstellt. Vielleicht hat Herr Kruschinski dabei übersehen, dass „Veranstaltungen“ wie die Mendener Kreuztracht in den über drei Jahrhunderten ihres Bestehens den Menschen auch in Zeiten des Krieges und der Not einen Teil der Hoffnung gaben, die ihnen das Überleben ermöglichte. Aber welchen Wert haben schon Traditionen? Vor allem, wenn es sich um solche handelt, die als Ausdruck unserer christlich-jüdischen Kultur auch nach außen sichtbar werden?

Da Herr Kruschinski seine Ansichten ausdrücklich auch in seiner Eigenschaft als SPD-Ratsherr äußert, wäre es für die Meinungsbildung im Vorfeld zukünftiger Wahlen interessant, zu erfahren, wie sich die SPD-Fraktion zu diesem Thema positioniert. Eine Podiumsdiskussion unter Einbeziehung anderer politischer Parteien und Vertretern von Kirchen und Vereinen wäre für die Bürger unserer Stadt sicher sehr hilfreich.

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