Gewalt-Ritual unter Schülern in Menden - 16 Sekunden Prügel zum 16. Geburtstag

Thorsten Bottin
Grausiges Gewalt-Ritual: In Menden haben drei Mitschülern einen 16-Jährigen an seinem Geburtstag verprügelt. Symbol-Foto: WAZ
Grausiges Gewalt-Ritual: In Menden haben drei Mitschülern einen 16-Jährigen an seinem Geburtstag verprügelt. Symbol-Foto: WAZ
Mit einem äußerst bedenklichen „Ritual“ haben drei Jugendliche einem Mitschüler an einer Mendener Hauptschule zum Geburtstag gratuliert: Nach Angaben der Polizei prügelten die drei Tatverdächtigen (14 und 15 Jahre alt) am Mittwoch vor einem Klassenraum 16 Sekunden auf einen 16-jährigen Jungen ein. Er klagte anschließend über starke Schmerzen.

Menden. Die Jugendlichen schlugen ihn und traten offenbar auch auf den am Boden liegenden Jungen ein. Wie das Schlägertrio den Ermittlern erklärte, handelte es sich um ein Geburtstags-Ritual, bei dem das „Geburtstagskind“ so viele Sekunden verprügelt wird, wie es an Jahren alt ist.

„Da fehlen einem die Worte“, kommentierte Dietmar Boronowski, Pressesprecher der Kreispolizei, den Vorfall. Es habe sich auch nicht um zaghafte, scherzhafte Schläge gehandelt, sondern der 16-Jährige ist offenbar mit voller Wucht geschlagen worden. Die drei Jugendlichen hätten die Tat mit eigenen Worten als Ritual bezeichnet. Sie seien nicht selber auf diese Idee gekommen. Doch bislang ist nicht bekannt, woher sie das menschenunwürdige Ritual kennen.

Mit entsprechenden Suchbegriffen sind im Internet allerdings ähnliche Fälle aus anderen Städten in den vergangenen Jahren zu finden. Darunter ein Serie von 80 Taten, begangen von 65 Jugendlichen im niedersächsischen Stadthagen im Jahr 2002 und jüngst Anfang November 2012 ein Fall in Neukölln in Berlin.

Staatsanwaltschaft Arnsberg überrascht dieses Gewaltdelikt

Die Staatsanwaltschaft in Arnsberg, die auch Gewaltdelikte jenseits der Kreisgrenzen bearbeitet, kennt solche Geburtstagsrituale in der Region nicht. „Wir bekommen viel auf den Tisch, aber von so etwas habe ich auch nicht gehört“, erklärte Oberstaatsanwalt Werner Wolff gegenüber der WAZ-Mediengruppe.

Dem Geburtstagskind in Menden bekam das „Geschenk“ im Übrigen überhaupt nicht gut. Der 16-Jährige klagte anschließend über starke Schmerzen, teilte die Polizei mit, und sei mit seiner Mutter zum Arzt gefahren, wo er ambulant behandelt wurde.

Ermittlungen wegen Körperverletzung gegen gewaltbereite Schüler

Die Mutter war es auch, die bei der Polizei Strafanzeige gegen die drei Schläger stellte. Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung gegen die gewaltbereiten Schüler. Möglicherweise wird sogar eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung aus dem Vorfall, falls die Beschuldigten tatsächlich mit „beschuhten“ Füßen auf das Opfer eingetreten haben.