Gefahr durch Gasförderung?

Die Linien umschließen das Gebiet, das für Gasbohrungen in Frage kommt.
Die Linien umschließen das Gebiet, das für Gasbohrungen in Frage kommt.
Foto: WP

Menden.. Die Möglichkeit, dass in Menden nach Erdgas gebohrt werden könnte, führt bereits im Vorfeld zu Diskussionen.

Fressen sich bald gewaltige Bohrmaschinen auf der Suche nach Erdgas 1500 Meter tief in den Mendener Boden? Im Gestein unter der Stadt sollen sich Erdgasvorkommen befinden. Die heimischen Grünen warnen schon jetzt vor Gefahren für die Trinkwasserversorgung durch die Gasgewinnung. Beim Wasserversorger Stadtwerke bleibt man gelassen.

Die Nachricht von den Gasvorkommen, die möglicherweise in der Region im Boden schlummern, überraschte Ende 2010 die Städte im Nordkreis und die Kreisverwaltung. Menden, Hemer, Iserlohn und Balve gehören zum so genannten „Erlaubnisfeld Ruhr“. Für diesen Bereich hat sich die BASF-Tochter Wintershall Erkundungsrechte gesichert.

Dies garantiert dem Unternehmen eines: dass kein anderes Unternehmen in diesem Aufsuchungsfeld irgendwelche Aktivitäten entwickeln darf. Ein zeitlich befristetes Privileg. In NRW gibt es verschiedene Aufsuchungsfelder, die von der Bezirksregierung Arnsberg verschiedenen Unternehmen für eine befristete Zeit nach Antrag zugesprochen wurden.

Wintershall hat laut Bezirksregierung noch keineErlaubnis, im Stadtgebiet Menden Probebohrungen durchführen und später exklusiv Erdgas fördern zu können.

Sollte sich das Unternehmen Wintershall entschließen, Erkundungsbohrungen durchführen zu wollen, muss das Unternehmen diese Erkundungsbohrungen zuvor bei der Abteilung Bergbau und Energie der Bezirksregierung Arnsberg beantragen und genehmigt bekommen. Im konkreten Fall gibt es aber noch keinen Antrag der Firma Wintershall, Erkundungsbohrungen durchzuführen.

Gefahr für das Trinkwasser befürchtet

Die Mendener Grünen warnen aber schon jetzt vor möglichen Probebohrungen vor „erheblichen Umweltauswirkungen“ der Erdgasförderung. Ingrid Ketzscher, Ortsvorsitzende der Grünen, sieht vor allem die Trinkwasserversorgung gefährdet. Denn das begehrte Erdgas findet sich in unserer Region nicht in einem großen unterirdischen Hohlraum. Es ist im Gestein gebunden. Um dieses „Unkonventionelle Erdgas“ aus dem Gestein zu lösen, werden auch teils wassergefährdende Chemikalien ins Bohrloch gepumpt. „Zu befürchten ist, dass Chemikalien in Grund- und Trinkwasser gelangen“, erklärt Ingrid Ketzscher und verweist auf Erfahrungen aus den USA. Weil Erdgaserkundung dem Bundesbergbaugesetz unterliegt, sind in Deutschland die Beteiligungsrechte eingeschränkt. Die Erkundungspläne müssen nicht öffentlich gemacht werden. Ketzscher fordert deshalb: „Die betroffenen Städte und Wasserversorger müssen sich zusammenschließen, um eine Beteiligung einzufordern.“

Für die Mendener Stadtverwaltung kommt dieser Appell zu früh. „Die Fragestellung ist hier im Hause noch nicht bekannt“, teilte Stadtpressesprecher Manfred Bardtke mit und verwies an die Stadtwerke als heimischem Wasserversorger.

Deren Geschäftsführer Helmut Heidenbluth sieht allerdings keine Entwicklung, „die uns Sorgen machen müsste“. Er stehe über die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr in Kontakt mit der Genehmigungsbehörde. „Man hat uns zugesichert, dass die Trinkwasserversorgung einen hohen Stellenwert habe“, berichtet er. Das gelte insbesondere für die Ruhr und ihr Einzugsgebiet. „Da hängen schließlich Millionen Menschen dran.“

EURE FAVORITEN