Ganz viel Europa und dazwischen funkt die Liebe

Rebecca Engelbert
Europäisches Jugendparlament: Abschlussveranstaltung mit Abstimmung per HandzeichenFoto: Martina Dinslage
Europäisches Jugendparlament: Abschlussveranstaltung mit Abstimmung per HandzeichenFoto: Martina Dinslage
Foto: WP

Menden.  Sie haben es mit emotionalen Worten versucht – doch sie scheitern trotzdem. Die zwei Jugendlichen, die am Rednerpult des alten Ratssaals stehen, wollten die anderen Delegierte überzeugen, ihr Konzept zum Thema Integration anzunehmen. Doch die Vollversammlung des Europäischen Jugendparlaments lehnt mehrheitlich ab. Auch das ist Demokratie, und auch das ist Europa. Und dann ist erst einmal Kaffeepause.

Die Szene spielt sich am Samstag im ehrwürdigen alten Ratssaal ab, in einer ganz besondere Atmosphäre. Ganz leise ist es, nur vereinzelt wird etwas getuschelt. Die Männer in Anzügen mit Krawatte, die Frauen in schicken Kleidern und hohen Schuhen. Vorne sitzt die Präsidentin und die Vizepräsidenten des Europäischen Jugendparlamentes.

Den ganzen Samstag über tagt dort die Europäische Vollversammlung des Jugendparlamentes. In insgesamt acht Debatten stellen die Jugendlichen ihre Lösungsvorschläge zu Themen wie Integration, Wirtschaft und Umwelt vor, die sie in der vergangenen Woche erarbeitet haben.

Eine ganze Woche lang haben die Teilnehmer an ihren Konzepten gearbeitet, verschiedenen regionale Firmen besucht und jede Menge zusammen erlebt. „Man ist schon etwas traurig, wenn dann die Abschlussveranstaltung auf dem Programm steht. Schließlich hatte man die ganze Woche über 100 Jugendliche um sich herum. Es gibt bei uns die sogenannte „PED“, dass ist die Depression nach einer Sitzung. Und die trifft wohl auch bei uns zu“, sagt Max Kiehn.

Drei Stunden ohne Toilette

Über 5000 Tassen Kaffee, jede Menge Bier und Kuchen haben die Jugendlichen in dieser Woche verzehrt. Und jede Menge Spaß gehabt: „Plötzlich mussten letzte Woche für drei Stunden sämtliche Toiletten in der Schule gesperrt werden, weil das Wasser abgestellt wurde, und dann war es schon ein Highlight als wir den 115 Jugendlichen verkünden konnten, dass sie endlich wieder zum WC dürfen“, erzählt Kiehn lachend.

Und auch Zwischenmenschliches ergibt sich in solch einer Woche: Europäische Pärchen haben sich gebildet. „Es kommt häufig vor, dass es auf den Sitzungen unter den Teilnehmer funkt“, berichtet Alexandra Kotthaus, Mitglied des Organisationsteams.

„Es war zwar zum Teil eine anstrengende Woche, aber trotzdem nimmt jeder Jugendliche jedes Mal nach einer Sitzung etwas persönliches für sich mit. Und das ist für mich schön zu sehen, wenn die Teilnehmer zu mir kommen und sagen, dass es eine tolle Veranstaltung war. Das ist für mich dann der Dank für die ganze Arbeit“, sagt Hauptorganisator Max Kiehn abschließend.

Dann ist die Kaffeepause um und die Delegierten beraten weiter über die Resolutionen.