Gäste müssen Strafe für Essensreste gar nicht zahlen

Dieses Schild sorgte für viel Diskussionsstoff in den sozialen Netzwerken.
Dieses Schild sorgte für viel Diskussionsstoff in den sozialen Netzwerken.
Foto: Arne Poll
Das Asia-Restaurant Himalaya in Menden will zwei Euro extra, wenn zu viel Essen auf dem Teller bleibt. Der WP-Test zeigt: Das ist nur eine Drohung.

Menden.. Die acht Kostbarkeiten türmen sich zu einem kleinen Berg. Daneben Bratnudeln und ein paar Kroketten. Die 100-Gramm-Grenze dürfte weit überschritten sein. Müssen wir tatsächlich zwei Euro zahlen, wenn wir den Teller so in die Küche zurückgehen lassen? Die Kellnerin muss lachen. Seit die Androhung des Mendener Restaurants die Runde machte, machen sich viele Kunden den Spaß und lassen es mal darauf ankommen. Das Ergebnis ist ziemlich überraschend.

Es ist Freitagmittag. Im Himalaya an der Fröndenberger Straße sind etwa zehn Tische besetzt. Das Restaurant bietet Mittagsbuffet an. Das Futtern ohne Ende kostet 7,50 Euro. Direkt am Eingang weist ein Schild darauf hin, dass Buffet-Gäste auf jeden Fall ein Getränk bestellen müssen. Auf dem Schild steht auch, dass für Essensreste ab 100 Gramm jeweils ein Aufpreis von zwei Euro berechnet wird. Ähnliche Schilder stehen auch gut sichtbar auf jedem Tisch. Es kann sich jedenfalls niemand beschweren, von der Regel nichts gewusst zu haben.

"Wir wollen, dass jeder Kunde gleich Bescheid weiß"

Wir nehmen Platz und bestellen Getränke. Ausnahmsweise sagen wir nicht, dass wir von der Presse kommen. Schließlich soll man uns wie ganz normale Kunden behandeln. Ob wir Buffet wollen? Die Kellnerin weist darauf hin, dass wir schon etwas spät dran sind. Um 14.30 Uhr werde abgeräumt. Nur noch 45 Minuten Zeit. Die Frau lächelt freundlich und sagt: „Wir wollen, dass jeder Kunde gleich Bescheid weiß.“

Also schnell. Der Kollege geht ganze acht Mal zum Buffet: Sushi, Suppe, Salat, Shrimps, Sushi, Nudeln, Ente und dann noch Süßes. In der Edelstahlschüssel am Buffet herrscht nach unserem Besuch akuter Shrimpsmangel. Die Kellnerin lächelt uns trotzdem weiter an. Mit echten Vielfraßen scheint man hier jedenfalls kein Problem zu haben.

Wie soll das mit der Strafe für übriggebliebenes Essen tatsächlich funktionieren? Wir suchen den Hintergrund des Buffets ab. Steht irgendwo eine Waage, um die 100 Gramm nachzumessen? Was ist eigentlich, wenn uns das Essen auf Teufel komm’ raus nicht schmeckt? Müssen meine Erben die Strafe zahlen, wenn ich schon am ersten Bissen ersticke?

Das sind tatsächlich Fragen, die die Internetgemeinde in den vergangenen Tagen heiß diskutierte. Nachdem ein Gast ein Foto des Hinweisschildes bei Facebook veröffentlichte, interessierten sich auch bundesweit Medien für den Fall.

Gutes Auge für die Grammzahl

Sie verstehe die Aufregung überhaupt nicht, sagt die Kellnerin. „Das ist doch üblich.“ In einem Dortmunder Restaurant werde das genauso gemacht. Und auch in Asien werde mit der Strafe für zu viel Liegengelassenes gedroht. Man wolle eben keine Verschwendung teurer Zutaten.

Und was ist jetzt mit unserem Rest? Das wären wohl tatsächlich mehr als 100 Gramm, sagt die Kellnerin. Dafür habe man ein ganz gutes Auge entwickelt. Wir wollen wissen, ob wir wirklich zwei Euro zahlen müssten, wenn der volle Teller zurück in die Küche geht. Die Kellnerin zögert etwas und überrascht uns mit ihrer Auskunft: Nein, erklärt sie schließlich. Man müsse die Aufforderung eher als Appell ans gute Gewissen sehen.

Hat jemals jemand die Strafe zahlen müssen? „Nein.“ Es habe aber auch niemand unnötig große Mengen zurückgehen lassen, seit die Schilder aufgestellt wurden.

Die Kellnerin bringt die Rechnung. Zum Buffetpreis kommt das Pflichtgetränk. Macht in der Summe pro Person 11,20 Euro für einen wirklich vollen Magen. Wir haben nämlich aufgegessen.

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