Für Pendler topp, aber für Erholungssuchende ein Flop

Menden.  Der Rollstuhlfahrer drückt auf seine Hupe. Mensch, da stehen die Radfahrer aber auch wirklich ungünstig im schmalen Zugang auf den Radweg am Felsenkeller. ‘Tschuldigung! Der Mann regt sich schon längst nicht mehr auf. „Läuft gut“, ruft er und zeigt auf seine Räder. Sein modernes Gefährt rollt weiter Richtung Obsthof. Kilometer 0.

Recht hat er. Dieser Asphalt ist ein Radfahrertraum. Die Räder gleiten sanft wie auf Schienen über den sporthallenglatten Boden. Nach ein paar Pedaltritten haben wir schon die ersten Autos links an der Bundesstraße hinter uns gelassen. Die Autos warten an der roten Ampel. Wir haben freie Fahrt. Herrlich, wie schnell das rollt. Kurz aufgepasst an der Kreuzung Overhuesstraße, schon geht’s weiter. Kilometer 1. Ein Radler im Anzug kommt uns entgegen, ein anderer überholt uns. Dieser Radweg lädt Berufspendler zum Umstieg vom Auto aufs Rad ein. Ein klarer Gewinn für die Infrastruktur.

Von oben sieht der Hang am Has-senbruch gar nicht ganz so steil aus. Trotzdem: Hier fehlt noch ein Zaun. Links zieht ein Auto nach dem anderen vorbei. Was für ein Lärm. Die Mitfahrerin muss brüllen. Wir zucken zusammen. Ein Lkw hupt. Es stinkt nach Abgasen. Schon jetzt zeigt sich: Dieser Weg ist nichts für Erholungssuchende. Wer gerne an Autobahnen spazieren geht, der wird aber auch diese Strecke lieben.

Vorbei am Grohe-Werk. Kilometer 2. Der Weg biegt ein Stück nach rechts ab. Es geht in den Tunnel unter der Kreuzung an der Edelburg. Das Ding ist knapp 100 Meter lang. Links und rechts sind Graffiti an den Wänden. Das Licht reicht kaum aus. Wir stoßen fast mit einer Fußgängerin zusammen. Ein klassischer Angstraum.

So langsam merkt man die leichte aber beständige Steigung in den Beinen. Kilometer 3. Die Lkw donnern jetzt auf der anderen Seite vorbei. Sie sind ganz nah am Weg. Die Windböe drückt uns zur Seite. Spaß sieht anders aus. Schnell über die einzige Ampel am Real-Markt. Kilometer 4.

Hinter dem Real-Markt verlässt der Weg die Bundesstraße. Unter der Brücke plätschert die Oese. Im Hintergrund stehen Wohnhäuser. Grün rechts und links. Dieser Abschnitt ist ein echter Gewinn für Hemer. Jetzt mag man ein bisschen verstehen, warum Bürgermeister Esken so um den Bau gekämpft hat. Kilometer 5. Der Weg ist die kürzeste Verbindung zwischen Hemeraner Stadtmitte und Real-Markt. Schön, grün und praktisch. Zwei Minuten weiter erreichen wir die gefährlichste Kreuzung an der Strecke. Aufgepasst! An der Bräuckerstraße kommt der Verkehr aus drei Richtungen.

Endspurt. Drei Halbstarke lachen über das Klapprad. Ey! Das Ding hat immerhin drei Gänge. Wir schalten ganz herunter. Jetzt kommt das steilste Streckenstück. Kilometer 5,6. Geschafft! Im Hintergrund winkt ein Burger-Bräter mit einem Pausensnack. Wir verzichten und blicken auf die Uhr: genau 22 Minuten vom Felsenkeller bis hierhin. Das ist ordentlich. Mit dem Elektro-Bike ginge es noch schneller.

Aber: Was will man denn eigentlich in Hemer? Wir drehen um. Das Rad rollt fast von alleine. An der Bräucker Straße hätten wir fast das Auto von rechts übersehen. Autsch. Vorsicht bitte. Die moderne Real-Ampel bremst das Rad nur kurz aus. Rechts eröffnet Samstag übrigens eine E-Bike-Ladestation. Nur 14 Minuten bis zum Felsenkeller. Wow. Das ging schnell. Kilometer 11,2.

Bis zur Redaktion aber weitere zehn Minuten. Viele Treppen, viele Kanten, kein Radweg. Da ist Nachbesserungsbedarf. Zurück daheim.

 
 

EURE FAVORITEN