„Euro steht über allem: Ohne Moos nichts los“

Menden..  Ein in Menden bekanntes Gesicht tritt als Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) an: Sebastian Schulze. Früher war er Betreiber des Tiefenrausch. Sein Lieblingsplatz ist allerdings kein Club, sondern ein Feldweg oberhalb der Sternwarte mit tollem Blick über Menden. „Hierher komme ich zum Nachdenken“, sagt Schulze. „Ich mag Weitsicht.“


Frage: Gibt es eigentlich Parallelen zwischen dem Betreiben eines Clubs und dem Politikgeschäft?
Sebastian Schulze: Beides macht sehr viel Spaß und man kommt mit Menschen zusammen. Aber ich sage den Leuten, die mich fragen, wie ich aus dem Tiefenrausch in die Politik gekommen bin: Wir haben zu lange gefeiert, zu lange weggeschaut und uns zu lange auf die Politikdarsteller und Abnicker aus dem Bundestag verlassen.


Das müssen Sie erklären.
Was die Politikdarsteller uns erzählen und was hinterher passiert, das passte nie, wird aber immer schlimmer. Ich habe das Radio und den Fernseher ausgeschaltet, weil ich diese Inhaltsleere nicht mehr hören konnte. Ich war vor kurzem bei einer Veranstaltung der Grünen. Und ich habe den Eindruck, die Grünen glauben mittlerweile, das Geld wachse auf Bäumen. Aber auch die CDU und SPD schaffen es, zwei Stunden zu reden, ohne die Europroblematik anzusprechen. Ignoranter geht es nicht. Dann habe ich von der Bürgerbewegung AfD gelesen und mich sofort angemeldet. Es ist Zeit, dass wieder Bürger in den Bundestag kommen.


Die AfD steht vor allem für eine scharfe Kritik am Euro. Warum muss der Euro aus Ihrer Sicht abgeschafft werden?
Der Euro spaltet Europa. Wichtig, ist, dass die Südländer wieder abwerten können, um wettbewerbsfähig zu werden. Das können sie aber mit dem Euro nicht. Der geordnete Austritt der Südländer sollte der erste Schritt sein. Wir sagen aber auch: Die D-Mark darf kein Tabu sein. Bereits 1998 haben 155 Ökonomen die Bundesregierung in einem offenen Brief davor gewarnt, dass der Euro scheitern wird. Sie wurden überhört. Die gleichen Ökonomen warnen heute vor Chaos in Europa. Sie sind heute in der AfD versammelt und dürfen nicht noch einmal überhört werden.


Haben Sie das vor 15 Jahren auch schon so kritisch gesehen?
Da war ich am Anfang meines BWL-Studiums, da habe ich mich mit diesem Thema noch nicht so ausführlich befasst. Aber mit der Euro-Einführung habe ich der D-Mark nachgetrauert. Ich rechne heute noch um und bin entsetzt, wie teuer alles ist.


Haben Sie noch ein paar D-Mark-Münzen als Erinnerung?
Neulich habe ich ein Fünf-Mark-Stück gefunden, das halte ich in Ehren.


Was ist das Schlimme am Euro?
Wichtig ist zu erkennen: Die Euro-Rettung führt zu einem massiven Demokratieabbau. In den Maastrichter EU-Verträgen steht eindeutig: „No Bail-out“, also kein Rauskauf von Schulden anderer Länder. Dieser Vertrag ist gebrochen. Wir sind von einer Währungsunion in eine Schuldenunion gerutscht. Der Euro ist also schon gescheitert. Was gerade passiert, ist Insolvenzverschleppung. Dafür geht man als Bürger in den Knast. Viel wichtiger noch ist das eigentlich geltende Subsidiaritätsprinzip. Bedeutet: Die Macht wird auf das Volk heruntergebrochen. Jetzt erleben wir genau das Gegenteil: Die Macht konzentriert sich wie ein Laserstrahl in der Troika, einem nicht demokratisch gewählten Dreigestirn aus EZB, IWF und EU-Kommission. Dagegen protestiert die AfD.


Jetzt haben wir uns schon sehr lange mit Währungsfragen befasst. Welche weiteren politischen Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Ganz klar ist für mich, dass der Staatsapparat und die Verwaltungen abgebaut werden müssen. Wenn Sie heute sehen, wie sich diese Verwaltungsmonster Deutschland und Brüssel verselbstständigt haben, das muss eingedämmt werden. Die Verwaltungen holen sich das Geld von den Bürgern – allein, um sich selbst am Leben zu halten. In Brüssel gibt es 11.000 EU-Beamte, 20.000 Lobbyisten. Außerdem ist mir die Rentenpolitik wichtig. Eine Rentenerhöhung von 0,25 Prozent ist ein Schlag ins Gesicht für die Rentner. Hierzu zwei Zahlen: Die Summe der letzten Rentenerhöhung hat den Staat ca. 1. Milliarde Euro gekostet. Die letzte Griechenlandhilfe lag bei 95 Milliarden Euro. Die Relationen passen nicht mehr.


Damit sind wir schon wieder beim Euro, Herr Schulze.
Der Euro ist nun mal das zentrale Thema, an dem alles hängt, Familien-, Renten- und Bildungspolitik. Der Euro steht über allem, ohne Moos nichts los.


Lassen Sie uns auf Themen eingehen, die Menden betreffen. Wie stehen Sie zur A 46?
Das ist eine Frage, über die ich mir bislang wenig Gedanken gemacht habe. Mobilität ist eine Sache, die nicht zu unterschätzen ist. Aber es gibt auch Gegner. Die einen sind dafür, die anderen dagegen – das ist wie bei einer Party: Dem einen gefällt der DJ, dem andern nicht. Persönlich freue ich mich, wenn ich schnell von A nach B Komme.


Wie stehen Sie zum Fracking?
Ich bin absolut dagegen. Wir brauchen es nicht. Die Umweltfolgen sind nicht ansatzweise absehbar.


Was wollen Sie tun, um die Kommunen mit besseren finanziellen Mitteln auszustatten?
Geordnete Strukturen in Europa schaffen. Wenn dieser hemmungslose Abfluss deutscher Steuergelder und diese hemmungslosen Bürgschaften gestoppt sind, wird automatisch mehr Geld in den Kassen sein, das an die Kommunen verteilt werden kann.


Macht die AfD nicht eine auf den Euro beschränkte Schmalspur-Politik?
Nein. Wir sind die Themen-Partei. Ein großer Schwerpunkt liegt auf dem Steuersystem. Wir sind die einzige Partei, die das Kirchhof’sche Steuermodell im Programm hat. Ebenso fordern wir ein Ende dieser Energiepolitik. Die Einspeisepreise für Strom sinken und trotzdem zahlen wir alle mehr? Was passiert da? Wir erklären es den Bürgern. Die Altparteien verschleiern.
Warum sollten die Wählerinnen und Wähler Ihnen am 22. September die Stimme geben?
Wichtig ist, dass die Zweitstimme der AfD gegeben wird. Am besten natürlich beide! Nichts gegen die Lehrer und Sozialpädagogen die aktuell hauptsächlich im Bundestag sind, aber die haben meist kein Ahnung von ökonomischen Zusammenhängen. Das ist nicht böse gemeint. Denn wenn Sie Zahnschmerzen haben, dann gehen Sie zum Zahnarzt. Wenn Sie Hunger haben, gehen Sie zum Metzger. Wir haben ein ökonomisches Problem und da sagt mir der gesunde Menschenverstand, wir brauchen Leute, die sich damit auskennen. Die Volkswirtschaftler der AfD machen Politik fürs Volk und nicht für Lobbyverbände oder Großkonzerne.

 
 

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