Entwürdigende

Am Amtsgericht Menden verhandelt: Bei Steuerfahndung Kinderpornographie entdeckt.
Am Amtsgericht Menden verhandelt: Bei Steuerfahndung Kinderpornographie entdeckt.
Foto: WP

Menden.. Es war nach einem Verdacht eine Maßnahme der Steuerfahndung, bei der Rechner, Festplatte und Laptop beschlagnahmt wurden. Entsetzen dann beim Auswerten der umfangreichen Daten: Ein Mendener hatte mehr als 300 Bilder und Videos mit kinderpornographischen Inhalten aufgespielt und anderen frei zugänglich gemacht.

Staatsanwaltschaft und Gericht gaben sich gestern erst gar nicht die Mühe, ihre Abscheu zu verbergen. Sogar der Kripobeamte, der im Zuge der Ermittlungen die Inhalte gesichtet hatte, bekannte: „Solch eine Arbeit kann man nicht den ganzen Tag machen.“

Es ging bei den Bildern und Videos um mehr als nur das Streicheln von Kindern. Amtsgerichtsdirektor Festersen: „Es sind Sauköpfe, die Kinder so vor die Kameras zerren. Viele Mädchen und Jungen sind daraufhin für den Rest des Lebens traumatisiert.“

Der angeklagte Mendener – verheiratet, keine Kinder – war ohne Verteidiger erschienen. Er gestand gleich zu Beginn der Verhandlung. Doch warum dann Datenmengen in dieser großen Anzahl? „Es war der Reiz am Verbotenen“, sagte er. Die angelegte Sammlung war nicht einmal rein privat. Über ein spezielles Netzwerk waren die Bilder auch weiteren Nutzern zugänglich. Richter Festersen, sichtlich um Fassung bemüht, gegenüber dem Angeklagten: „Jeder, der so handelt wie Sie, schmiert diesen üblen Markt auch noch.“

Der Mann war in den Vorjahren bereits wegen leichterer Vergehen aufgefallen. Nach Steuerdelikten, aber auch Kindesmissbrauch kam er seinerzeit an den Amtsgerichten Altena und Hagen mit Geldstrafen davon.

Gestern gab es für den Mendener die letzte Warnung vor einem längeren Gefängnisaufenthalt: Sechs Monate Strafe werden auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem bleiben Rechner und Laptop im Besitz des Staates.

Angeklagter und Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel. Richter Festersen legte dem Verurteilten nach der Verhandlung dringend nahe, sich um therapeutische Hilfe zu bemühen.

 

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