Einer der größten Mangelverwalter

Ernst Hamer
Ernst Hamer
Foto: WP
Ernst Hamer, Kämmerer und seit 24 Jahren Beigeordneter der Stadt Menden, hat heute seinen letzten Arbeitstag.

Menden..  Er ist das letzte höchst einflussreiche Bindeglied der alten Mendener Stadtverwaltung zur neuen unter SPD-Bürgermeister Volker Fleige. Ernst Hamer, Kämmerer und seit 24 Jahren Beigeordneter der Stadt Menden, hat heute seinen letzten Arbeitstag.

Etliche Tage Resturlaub verschenkt der gebürtige Mendener und Ex-HGG-Schüler einfach so. Es passt ins Bild eines Mannes, der als Kämmerer der Stadt Menden – ungewollt – zu einem der größten Mangelverwalter im Lande NRW geworden ist. Sogar von seiner Frau hat er sich schon mal verbale Rüffel eingefangen, weil sie mit seinem Kurs zu einer möglichen Bücherei-Schließung in Lendringsen haderte. „Das tut natürlich weh“, hatte Hamer doch nur pflichtbewusst in die Öffentlichkeit transportiert, was er der Politik zumindest als Option zur Haushaltsentlastung an die Hand geben wollte.

Mit einem Kraftakt ohnegleichen hat Hamer zuletzt viele Monate vor allem hinter den Kulissen mit der Kommunalaufsicht gerungen, damit Menden finanziell wieder handlungsfähig werden kann. So schloss sich in unzähligen Gesprächen mit führenden Beamten der Bezirksregierung gewissermaßen ein Kreis. Denn der gelernte Wirtschaftswissenschaftler war einst mit 25 Jahren der jüngste Dezernent einer Bezirksregierung im Lande. 13 Jahre wirkte er als Oberregierungsrat in Arnsberg, bis ihn vor allem der Ruf der Mendener CDU ereilte.

Er kam vor 24 Jahren nicht nur als Kämmerer, sondern gleich auch als Beigeordneter. Damit gehörte er stets zu den drei einflussreichsten Persönlichkeiten im Mendener Rathaus. Dreimal schenkte ihm die Politik bei einer Wahl bzw. Wiederwahl das Vertrauen.

Fürchten mussten seine Mitarbeiter sich in all den Jahren nie vor ihm: „Jedem können Fehler unterlaufen, das ist nur zu menschlich. Probleme gibt’s nur, wenn mir verschwiegen wird, dass Fehler gemacht worden sind.“ Der Chef sozusagen als Ruhepol: Es ist keineswegs Legendenbildung. Richtig böse und laut
gegenüber seinen Mitarbeitern ist er nur einmal geworden. Da hat er sich „Ruhe jetzt“ ausbedungen.

Es sollte nicht einmal fünf Jahre nach seinem Dienstantritt dauern, dass Menden immer mehr in eine finanzielle Schieflage geriet. Die Muster waren wiederkehrend: Immer mehr Belastungen durch Landes- und Bundesgesetze. Die Mendener Politik gab zudem Geld mit vollen Händen aus, wenn auch wohlmeinend, als sie auch Stadtteile mit immer mehr Infrastruktur ausstattete. Hamer musste daraufhin irgendwie den Laden zusammenhalten. Noch gab es ja ein wenig Tafelsilber, das sich im Besitz der Stadt befand....

Eindringlich gemahnt

Häufig genug war es in den 1990er Jahren nach drei Sitzungen im Finanzausschuss an drei aufeinander folgenden Abenden die schiere Ratlosigkeit der Politik bei den Haushaltsplanberatungen: „Herr Hamer, geht da noch irgendwas?“

Was soll ein Mann, der in seinen Grundfesten extrem hilfsbereit ist, da schon machen? Hamer mahnte und mahnte eindringlich, aber stets präsentierte er Lösungen. Und so verprasste die Politik regelrecht auch noch das letzte verbliebene Stück Tafelsilber.

Die Fraktionen – allen voran die CDU – konnte so auch noch ihre eigene Ratlosigkeit feiern und in Erfolge ummünzen. Was dauerhaft nicht gut gehen konnte. Ab dem Jahr 1995 steckte die Stadt im Schlamassel des Haushaltssicherungskonzeptes und sollte nicht einmal sechs Jahre später zu den mittlerweile 34 ärmsten Städten in NRW gehören.

„Als Kämmerer ist man eigentlich immer in der Zwickmühle“, hat Ernst Hamer stets ge-
sagt. „Ich hatte ja Verständnis für die vielen Wünsche und Vorhaben der Fachbereiche.“ Der Kämmerer sagte jedoch in den vergangenen Jahren immer häufiger „Nein“. Selbst dann, wenn er genau das eigentlich nicht wollte.

Was dabei ungemein geholfen hat, ist seine Gabe, selbst komplizierteste Sachverhalte auf einen einfachen Nenner zu bringen. So machte er plastisch Zusammenhänge klar. Wer verstehen wollte, konnte verstehen. Aber nicht alle wollten.

Mit Engelsgeduld arbeitete er am liebsten fernab großer Öffentlichkeit. So trugen etwa die Verträge zur DHL-Ansiedlung und -Vergrößerung seine Handschrift. Ebenso jene zum Hämmer-Gewerbegebiet.

Feuerwehr und Sportbereich mussten unter seiner Ägide lange Zeit keine materielle Not leiden. Sogar mit der Kultur hat er mittlerweile seinen Frieden gemacht.

„Ich sehe Menden mit dem großen Sparpaket auf einem gutem Weg“, kann er sich im Rathaus Donnerstag und Freitag in aller Ruhe verabschieden und ein wenig in die Zukunft schauen.

„Ich biete meinem Nachfolger bei der Einarbeitung jede Hilfe an, die er von mir haben möchte.“ Ein Versprechen, das Ernst Hamer vielleicht nicht immer wird halten können.

„Ich sehne herbei, dass ich nicht mehr so oft von einem erdrückenden Terminkalender fremdbestimmt arbeiten werde.“ Was im Gegenzug bedeutet: „Ich freue mich unendlich darauf, wenn das Wetter schön ist, einfach mit meiner Frau verreisen zu können. Wann immer ich will.“ Der Resturlaub-Verschenker hat bereits viele schöne Reiseziele vor Augen. Doch erst einmal heißt es: Gute Reise in den Ruhestand.

 
 

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