Eine Stunde im Mendener Bürgerbus

Manfred Maikowski, WP-Redakteur Heinz-Jürgen Czerwinski: Eine Stunde mit dem Bürgerbus unterwegs.
Manfred Maikowski, WP-Redakteur Heinz-Jürgen Czerwinski: Eine Stunde mit dem Bürgerbus unterwegs.
Foto: WP
Eine zentrale Säule lokaler Infrastruktur ist im 15. Jahr des Bestehens lebendiger denn je. Der Bürgerbusverein sorgt dafür, dass Mendener auch ohne eigenen Wagen im Stadtgebiet mobil sein können. Der Blick hinter die Kulissen eines spannenden Ehrenamts.

Menden.. Mit 14.500 Kunden ist im Durchschnitt jeder vierte Mendener im vergangenen Jahr als zahlender Gast in den Bürgerbus eingestiegen. Was für viele jedoch ganz selbstverständlich ist, scheint für andere nach wie vor eine Art Mysterium zu sein.

Manfred Maikowski weiß es als Vorsitzender des Bürgerbusvereins nur zu gut: „Eigentlich sind wir so etwas wie eine kleine Schwester der MVG mit ihren Busangeboten. Jeder kann mitfahren. Nach wie vor verwechseln uns viele jedoch mit einem Taxiunternehmen oder sie denken, dass man unseren Bus einfach für eine Privatfahrt mieten kann.“

Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Streng genommen sind sie einzig und allein Fahrer. In der Realität jedoch weitaus mehr. Ein bisschen Sozial- oder Seelsorgerarbeit ist immer dabei. Das gilt auch für Karl-Heinz-Krause. Er hat sich im Spätherbst vergangenen Jahres dafür entschieden, Fahrer im Verein zu werden. „Es macht einfach großen Spaß“, bilanziert er gegenüber der WP.

Flexibel reagieren

Es gehört seit den Anfangstagen zum Selbstverständnis: Der Bürgerbus fährt vor allem jene Bereiche im Stadtgebiet an, die von der MVG nicht bedient werden und reagiert dabei auch flexibel auf Wünsche für die Streckenführung.

Die wichtigste Linie ist erst kürzlich aktualisiert worden. Somit gibt es eine durchgehende Verbindung zwischen der Jochen-Klepper-Altenwohnanlage und dem Vincenz-Krankenhaus. Die WP fuhr eine Stunde mit und erlebte bei dieser nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Nachmittagstour prompt eine Art Vorführeffekt.

„Ich habe schon so eine Vorahnung“, meinte Karl-Heinz Krause. „Es könnte sein, dass nachher niemand mitfährt.“ Es gehört zu den Erfahrungswerten, so Manfred Maikowski: „Im Frühjahr sind viele unserer älteren Fahrgäste lieber im eigenen Garten tätig. Unser Angebot nutzen sie dann eher vormittags.“

Start am Westwall

Die neue Route ist letztlich das Ergebnis aus Machbarem und vorliegenden Wünschen. Manfred Maikowski: „Es ist für viele Bürger wichtig, dass sie mit uns direkt das Vincenz-Krankenhaus erreichen können. Die MVG kann das auf Grund der Verkehrsführung ja nicht leisten.“

Start ist am Westwall. Es geht weiter zum Krankenhaus, dann durch die Innenstadt und Heimkerweg zum Stadtteil Platte Heide. Manfred Maikowski. „In diesem Bereich fahren wir eine Art ,Acht’, um möglichst viele Straßen und natürlich das Jochen-Klepper-Haus und die Heide-Apotheke zu erreichen.“

Karl-Heinz Krause fährt routiniert. Als überzeugter Ehrenamtler – auch für Feuerwehr und die Partnerschaft Bösperde Maroeuil engagiert er sich – hat er in gut vier Monaten bereits viele Stammkunden kennengelernt: „Hier vermisse ich jemanden an der Haltestelle. Da scheint einer krank geworden zu sein.“

Kaum Gespräche bei der Übergabe

Der Vorführeffekt schlägt zu. Es steigen zwar tatsächlich zwei Gäste ein. Aber die möchten sich partout nicht für die Zeitung fotografieren und zitieren lassen, obwohl sie sich lobend äußern. Der Zufall will es, dass bereits eine Tour später der Bus mehrfach mit der Höchstzahl von acht Kunden besetzt ist.

„In Hemer und Balve sind unsere Schwestervereine derzeit nicht ganz so gut aufgestellt. Ich bin als Vorsitzender natürlich glücklich, dass uns 20 Frauen und Männer als Fahrer zur Verfügung stehen“, muss Manfred Maikowski zumindest derzeit nicht bitten und betteln. Das kann sich aber jederzeit ändern. „Zuletzt gab es einfach immer schnell Ersatz, wenn jemand mal ausgeschieden ist.“

Im Alltag gibt es zwischen den Fahrern kaum Gespräche bei der Übergabe. Schließlich muss der Plan eingehalten werden. An jedem letzten Mittwoch im Monat ist jedoch zentrales Treffen in der Turmschänke. „Da kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz“, hat Karl-Heinz Krause bereits mitbekommen.

Regelmäßiges Sicherheitstraining

Zu den größeren Aktivitäten im Jahreskreis gehören auch die regelmäßig von der MVG angebotenen Sicherheitstrainings. „Das bringt viel. Auch für das private Fahren.“ Bei diesen besonderen Terminen dürfen die Fahrer auch schon mal am Steuer der großen MVG-Gelenkbusse sitzen. „Das ist eine Herausforderung“, sagen alle Bürgerbusfahrer. Und auch das: „Diese Erfahrung hat uns Respekt vor dem eingeflößt, was die Profi-Fahrer Tag für Tag leisten.“

 

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