Ein Zug von Bösperde bis zum Kapellenberg

Die Magdalenenprozession Börsperde mit Erzbischof Becker am Kapellenberg. Foto: Jutta Lülff
Die Magdalenenprozession Börsperde mit Erzbischof Becker am Kapellenberg. Foto: Jutta Lülff
Foto: WP

Bösperde..  „Wegen eines Toten, der lebt, sind wir hier“. Mit diesem kurzen Satz brachte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker auf den Punkt, was für viele Gläubige der Beweggrund war. Wie schon vor 315 Jahren hatten sie sich auf den Weg von Bösperde zum Kapellenberg gemacht, um zu Ehren ihrer Patronin eine Heilige Messe zu feiern.

Morgens um sieben Uhr begann die immer länger werdende Prozession an der Magdalenenkirche, und an der Antoniuskapelle waren es nicht nur Bösperder, die gespannt darauf warteten, was der Festprediger ihnen zu sagen hatte. Zum Jubiläum des 100-jährigen Bestehens der Gemeinde bot sich dem Beobachter ein imposantes Bild: viele Gläubige, Fahnenabordnungen der dörflichen Vereine, Musikkapelle, (später böllerschießende) Schützen, Priester, Diakone, Messdiener, und auch vorbeikommende Wanderer…

„Ihre Patronin Maria aus Magdala war die erste, die den auferstandenen Herrn am Ostermorgen gesehen hat. Sie war es, die diese frohe Nachricht den Aposteln gebracht hat“, betonte der Erzbischof, und stellte sich damit gegen den derzeitigen Trend, die Situation der Kirche immer zu beklagen. „Ich weiß, dass gemeinsames Jammern – wenn auch auf hohem Niveau – gesellig macht. Aber brauchen wir eine solche Form der Geselligkeit?“

Natürlich könne man die Zeiten von vor 315 Jahren, als die erste Magdalenenprozession von Bösperde nach Menden ging, von vor 100 Jahren, als zum ersten Mal ein Ewiges Licht in einer Behelfskirche in Bösperde entzündet wurde, von vor neunzig Jahren, als die Pfarrkirche gebaut wurde, nicht mit heute vergleichen. Aber die Vorfahren hätten sich auf ihren Gott, auf ihre Kirche, auf ihre Tradition verlassen, deshalb sei es sehr gut und richtig, auch heute noch diese Tradition aufrecht zu erhalten. Allerdings müsse man sich heute fragen, wo denn im alltäglichen Leben noch Gott vorkomme.

Mit Madeleine Delbrel, der großen Seelsorgerin der Großstadtstraßen, stellte Erzbischof Becker fest: „Alles schweigt auf der ganzen Linie von Gott.“ Zugleich aber forderte er, dass alle Gläubigen, vor allem auch die Laien ohne Amt und Würden, wie Magdalena sich zu ihrem Glauben bekennen. „Diese Messe unter sauerländischen Bäumen ist durchaus auch ein Bekenntnis zu unserem Gott“.

Nach der Liturgiefeier im Wald zog die Prozession mit dem Allerheiligsten unter dem Tragebaldachin zur Vincenzkirche, wo der sakramentale Segen gespendet wurde. Ein kräftiges Frühstück baute die Pilger wieder auf für die letzte Etappe nach Bösperde.

Dass die Bösperder gut und kräftig singen können, ist bekannt. Aber „dass nach dieser Pilgerstrapaze das Tedeum so überzeugend klang, ist erwähnenswert“, resümierte ein Beobachter in hohen Tönen.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen