Ein Süchtiger kämpft für die städtische Drogenberatung in Menden

Das Schild der  Drogenberatungsstelle.
Das Schild der Drogenberatungsstelle.
Foto: WP
Er kämpft für die Sache. Deshalb verlässt Jörg König nach hartem Ringen in diesen Tagen bewusst die Anonymität: „Ja, ich bin drogenkrank, habe alle Tiefen erlebt. Und ich sage: Wenn die Mendener Politik die Drogenberatungsstelle halbiert, wird das eine Katastrophe für hunderte Suchtkranke in Menden werden.“

Menden.. Es ist mehrfach als Teil des Sparpaketes diskutiert worden. Am 19. Mai liegt für den Kinder- und Jugendhilfeausschuss die Empfehlung auf dem Tisch, das Personal der Drogenberatungsstelle am Westwall durchaus umverteilen zu können. Übrig bliebe einzig eine feste Stelle. Jörg König: „Wenn das passiert, werden viele Süchtige total zum Scheitern verurteilt sein. Die blenden das jedoch im Moment aus.“

Gespräch mit Bürgermeister

Der 40-jährige Familienvater („Mit 14 Jahren hatte ich erste Berührungen mit Hasch“) konnte zuletzt sogar Bürgermeister Volker Fleige seinen Standpunkt schildern: „Ich bin dankbar dafür, dass ich überhaupt einen Termin bekommen habe, bezweifele jedoch, dass es in der Sache viel gebracht hat.“

In schlechten Jahren – und davon gab es für Jörg König einige – war die Drogenberatungsstelle nicht nur mit ihren speziellen Therapieangeboten so etwas wie ein Rettungsanker. Jörg König: „Drogensüchtige haben meistens kein Geld. Nicht mal für das Telefonieren. Nicht nur ich war froh, wenn ich in der Drogenberatung mit meinem Anwalt sprechen oder einfach mal duschen durfte. Vielen anderen ging es doch ebenso.“

Eine erkennbar offene Drogenszene gibt es seit Jahren in Menden nicht. Gleichwohl, so Fachleute, eine Zahl in mittlerer dreistelliger Höhe von Betroffenen. Die Drogenberatungsstelle ist vielfach der erste Anlaufpunkt, wenn der Suchtdruck derart groß geworden ist, dass Junkies sich stellen wollen. Jörg König: „Die offenen Treffs in den Räumen mit anderen Betroffenen sind unglaublich wichtig. Bei einer Stellenstreichung müsste das Treff-Angebot entfallen. Es gäbe allenfalls noch eine Grundversorgung.“

Jörg König hat zum Gespräch in der WP-Redaktion einen Bekannten mitgebracht. Alexander D. (Name geändert) möchte jedoch nicht öffentlich genannt werden: „Heroinabhängige sind diejenigen, die überhaupt keine Lobby mehr haben. Wir sind so ziemlich der letzte Dreck für viele.“

Start in ein neues Leben

Für Jörg König und Alexander D. war die Drogenberatungsstelle zumindest Ausgangspunkt für ein teilweise neues Leben. Zwar gelang es erst nach mehreren Anläufen. „Aber vom eigentlichen Stoff sind wir runter. Es gibt keine Sorge, wie wir an Nachschub gelangen könnten.“ Beide sind Teilnehmer im Methadon-Programm geworden. Ein Mediziner in der Nachbarstadt betreut sie, gibt ihnen den synthetischen Ersatzstoff Methadon. Das Präparat muss täglich eingenommen werden. Parallel müssen zwingend und regelmäßig Gespräche mit den Therapeuten der Drogenberatungsstelle geführt werden. Jörg König: „Wenn aber nur noch eine Fachkraft da ist, was wir dann aus uns?“

Ohnehin sei das Leben auch mit Methadon alles andere als ein Zuckerschlecken. Alexander D: „Das ist wie eine medizinische Fußfessel. Du hast das Gefühl, davon kommst Du Dein Leben lang nicht mehr los. Wer einmal einen Methadon-Entzug erlebt hat, der weiß, dass das vielfach schlimmer ist als der Entzug von Heroin. Es ist die Hölle.“

Warum gelingt es Jörg König und Alexander D. nicht, Mitstreiter für ihre Sache zu finden? „Das hat mit der Krankheit zu tun. Süchtige denken für die nächsten Stunden, vielleicht noch für den nächsten Tag. Die anderen gehen davon aus, dass es schon nicht noch schlimmer werden wird.“ Das jedoch könnte ein Trugschluss sein.

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