„Ein Engel

Schwester Germanas Grab in Rüthen. Das Grabfeld erinnert an verstorbene Vincentinerinnen.
Schwester Germanas Grab in Rüthen. Das Grabfeld erinnert an verstorbene Vincentinerinnen.
Foto: WP

Menden.. Gerade erst ist vom Varnhagen-Kolleg ein Antrag gestellt worden, mit einer Mahntafel an das Schicksal von Sinti und Roma während der NS-Zeit zu erinnern, da dämmert es älteren Lendringsern. Ordensschwester Germana Gabriel galt mit ihrem Handeln einst in Hamm als „Engel der Sinti und Roma“.

Vom 10. Januar 1949 bis 28. Januar 1955 wirkte sie als Seelsorgehelferin in Lendringsen.

Die Nationalsozialisten hatten nicht nur Juden das Leben zur Hölle gemacht. Sinti und Roma gehörten ebenso zu den Verfolgten, Drangsalierten, Deportierten und Ermordeten. Es gab kaum Freiräume. Ein wenig Heimat, Schutz und Hilfe konnte Kirche bieten. In Hamm waren das vor allem Bonifatiuskirche und Bonifatiushaus.

Zeitzeugen erinnern sich: Schwester Germana tat alles, was in ihrer Macht stand, um den Verfolgten zumindest ein klein wenig Halt und Heimat zu geben. Dabei war selbst das für katholische Priester und Ordensleute ein schwieriges Unterfangen. Denn auch sie wurden überaus kritisch beäugt und liefen selbst Gefahr, verhaftet zu werden.

Schwester Germana wurde in den Kriegsjahren bei ihrer Seelsorgearbeit in Hamm mit schier unvorstellbarer Not konfrontiert. Bis heute existieren Quellen, die beschreiben, was einst vor allem im Hafengebiet von Hamm geschah.

Antonius Fricke gehört dem Lendringser Kommunionjahrgang 1952 an. Er war im Zusammenhang mit der aktuellen Rathaus-Ausstellung mit Werken von Otto Pankok zum Thema Sinti und Roma auf Zusammenhänge gestoßen.

Mit Hingebung

Der Wahrheitsgehalt ließ sich zwar nie mit letzter Sicherheit herausfinden, aber früher muss es in Lendringsen häufig geheißen haben: „Schwester Germana musste weg aus Hamm.“ Fricke betont jedoch: „Das kann ich geschichtlich nicht belegen. Ich weiß nicht, ob es da einen direkten Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit gab.“

Gleichwohl war manchem Lendringser bewusst, dass Schwester Germana sich hingebungsvoll den Sinti und Roma zugewandt hatte, um die schlimmsten Folgen des ihnen angetanen Leides zu mindern. Vor allem Kindern gegenüber. Einige von ihnen, die sie mit Lebensmitteln versorgt hatte, wurden Messdiener.

Antonius Fricke hatte zuletzt regelmäßig Kontakt zum Orden der Barmherzigen Schwestern in Paderborn (Vincentinerinnen), die auch Jahrzehnte in Menden im Krankenhaus und Altenheim gewirkt hatten. „Generalsekretärin Michaelis Bruch hat mich dankenswerterweise unterstützt.“

Biografie der Schwester

Somit können – dank Frickes Nachforschungen – viele Lendringser im Nachhinein ein wenig mehr über die Biografie ihrer Schwester Germana erfahren.

Schwester Germana Maria Gabriel wurde im Jahr 1900 geboren und am 15. Oktober 1920 eingekleidet. Die Ewigen Gelübde legte sie im Jahr 1928 ab.

Vom 31. Oktober 1940 an war sie in Hamm vor allem im Bonifiatiushaus tätig. Sie verstarb am 16. Juli 1985 in der Schwestern-Krankenstation des St.-Vincenz-Krankenhauses Paderborn und ist in Rüthen beerdigt worden.

Nicht nur Antonius Fricke hat zwischen Schwester Germana und Kardinal Graf von Galen Gemeinsamkeiten ausgemacht: „Beide waren enorm mutige Christen, die sich nicht haben verbiegen lassen.“

 
 

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