Dr. Matthias Thöns übt scharfe Kritik an Standeskollegen

Im alten Ratssaal kam es am Donnerstagabend, bevor Dr. Matthias Thöns aus seinem Buch vorlesen konnte, schon zu einer ausgiebigen Diskussion.
Im alten Ratssaal kam es am Donnerstagabend, bevor Dr. Matthias Thöns aus seinem Buch vorlesen konnte, schon zu einer ausgiebigen Diskussion.
Foto: Peter Müller
Das Interesse war riesig, als Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns sein Buch „Patient ohne Verfügung – das Geschäft mit dem Lebensende“ vorstellte.

Menden..  Das Interesse war riesig, als am Donnerstagabend im alten Ratssaal der Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns auf Einladung der Buchhandlung Daub sein Buch „Patient ohne Verfügung – das Geschäft mit dem Lebensende“ vorstellte. Seine These: In deutschen Kliniken wird operiert, katheterisiert, bestrahlt, beatmet und mit Chemotherapien gearbeitet, was die Gebührenordnung hergibt. Dies sei bei beispielsweise 1600 Euro Tagespauschale für die stationäre Beatmung ein sehr rentables Geschäft für die Kliniken.

Anhand von Fallbeispielen berichtete Dr. Matthias Thöns aus seiner jahrelangen Erfahrung und von zahlreichen Fällen, in denen alte, schwerkranke Menschen mit der Apparatemedizin behandelt worden seien, obwohl kein Therapieerfolg und keine Heilung mehr zu erwarten waren. „Nicht die Linderung von Leid und Schmerz, sondern der finanzielle Profit steht im Fokus des Interesses vieler Ärzte und Kliniken. Deshalb werden auch am Lebensende noch möglichst viele aufwändige Eingriffe durchgeführt“, so der Palliativmediziner. Für ihn ist vieles, was in dem Bereich gemacht wird, Übertherapie.

Ausgiebige Diskussionen

Schnell waren die Besucherinnen und Besucher emotional stark beteiligt. Es kam, bevor der Mediziner aus seinem Buch vorlesen konnte, schon zu einer ausgiebigen Diskussion. „Sterbende haben keine Lobby, und auch Patientenverfügungen werden sehr häufig ignoriert“, berichtete Dr. Thöns. Er wolle auch keine einzelnen schwarzen Schafe aufzeigen. Die Herde der schwarzen Schafe sei dafür viel zu groß. Die einzelnen weißen Schafe ließen sich da schon besser zählen. Bedrückend war das Szenario, das er schilderte: Die Chemotherapie würde den Menschen als rettender Strohhalm angedient, obwohl sie in den meisten Fällen zu keiner Verbesserung der Lebensqualität oder einer Verlängerung der Lebenszeit führen würde.

Inzwischen hat Dr. Matthias Thöns viele Berufskollegen gegen sich aufgebracht, die ihn als Nestbeschmutzer betrachten. Auch ein Arzt im Publikum verteidigte viele Kollegen, die gute Arbeit leisten und durch solche Thesen in ein schlechtes Licht gerückt würden. Thöns wiederholte dann immer wieder, dass es sicherlich sehr gute Ärzte gebe, die das Leiden ihrer Patienten ernst nähmen und sie mit Palliativmedizin versorgten.

Zum Ende der Veranstaltung hin schilderte er den Fall eines alten Mannes, der durch die begleitenden palliativen Maßnahmen noch einmal mobilisiert wurde und so seine demente Frau, die er schon wochenlang nicht mehr gesehen hatte, im Pflegeheim besuchen konnte, um das Weihnachtsfest mit ihr zu feiern. In seinem Buch geht Dr. Matthias Thöns außerdem ausführlich auf die Patientenverfügung und andere rechtliche Probleme ein. Es ist ihm ein Anliegen, dass Menschen ihr Leben in Würde beschließen können: „Ich möchte, dass die Menschen sterben können, wie sie gelebt haben!“

 
 

EURE FAVORITEN