Der zehnjährige Simon aus Menden hofft auf Lebensretter

Der 10-jährige Simon leidet an einer Störung der Blutbildung. Seine Tante Sabine Sinemus (l.) organisiert mit weiteren Helfern eine Typisierungsaktion, um für ihn einen Knochenmarkspender zu finden. Seine Eltern Claudia und Thorsten Schmitz hoffen auf die Unterstützung vieler Mendener.
Der 10-jährige Simon leidet an einer Störung der Blutbildung. Seine Tante Sabine Sinemus (l.) organisiert mit weiteren Helfern eine Typisierungsaktion, um für ihn einen Knochenmarkspender zu finden. Seine Eltern Claudia und Thorsten Schmitz hoffen auf die Unterstützung vieler Mendener.
Foto: WP
Die ersten zehn Jahre seines Lebens war Simon ein kerngesunder Junge, spielte gerne Fußball bei der DJK Bösperde und lernte Schlagzeug. Sein Leben änderte sich vor wenigen Wochen schlagartig - Ärzte diagnostizierten einen Gendefekt. Jetzt braucht Simon dringend einen Knochenmarkspender.

Menden.. Eigentlich war es ein Zufall. Simons Großeltern hatten bemerkt, dass der Zehnjährige vergleichsweise blass war. In der Woche von Weihnachten ließen Simons Eltern ihn beim Kinderarzt untersuchen. „Morgens wurde ihm Blut abgenommen, mittags rief der Arzt an und teilte uns mit, dass er in der Uni-Klinik Münster schon ein Bett für Simon reserviert hatte“, erinnert sich Simons Mutter Claudia Schmitz. Nun hofft Simon bei einer großen Typisierungsaktion (nicht nur) auf die Hilfe der Mendener Bevölkerung.

Knochenmark stellt kein Blut her

Der ursprüngliche Verdacht des Kinderarztes, dass Simon an Leukämie erkrankt sein könnte, bestätigte sich nicht. Aber damit ging die Suche nach der Ursache für seine schlechten Blutwerte los. Nach Knochenmarkspunktionen stand schließlich am 13. Januar fest, dass Simon an einem Gendefekt leidet. „Sein Knochenmark stellt kein Blut her“, erläutert sein Vater Thorsten Schmitz die Diagnose, die „Myelodysplastisches Syndrom“ lautete.

„Ich habe zum Beispiel nur 5000 Thrombozyten“, sagt Simon mit einer Selbstverständlichkeit, die staunen lässt. „Normalerweise müsse ich so etwa 130.000 haben.“ Auch alle anderen Blutwerte rattert der Zehnjährige locker herunter. Zweimal wöchentlich muss der Platte Heider Junge nun in die Klinik in Münster, wo er – je nach Bedarf – Infusionen bekommt. Dazu wurde ihm mittlerweile ein dauerhafter Zugang – ein so genannter Broviac-Katheter – gelegt.

Schnupfen kann für Immunsystem fatal sein

Bis Anfang Februar besuchte Simon noch regelmäßig die 5. Klasse des Heilig-Geist-Gymnasiums. Doch mittlerweile ist das Risiko, dass er einen Infekt bekommt, zu groß. Schon ein für andere Menschen harmloser Schnupfen kann für Simons geschwächtes Immunsystem fatal sein. Wenn Simon das Haus verlässt, trägt er bei größeren Menschenansammlungen einen Mundschutz.

Große Aktion in der HBL-Halle in Bösperde

Medikamente können Simon nicht helfen. Seine einzige Chance auf ein Leben mit mehr Lebensqualität ist eine Knochenmark- oder Stammzellspende. „Wenn wir einen passenden Spender für ihn finden würden, hat er sehr gute Heilungschancen“, erläutert sein Vater.

Sowohl Simon als auch seine Eltern versuchen, den Alltag – soweit wie möglich – beizubehalten. „Natürlich nimmt man sich mehr Zeit zum Spielen mit ihm, als man das sonst vielleicht getan hat“, sagen Thorsten und Claudia Schmitz. Die Prioritäten verschieben sich. „Aber wir überhäufen Simon jetzt nicht plötzlich mit Geschenken.“ Der Alltag, der Versuch der Normalität, gibt der Familie Halt. „Er ist schon ein tapferer Kerl“, sagt Simons Tante Sabine Sinemus. „Wenn ich sehe, wie mein Neffe mit seiner Krankheit umgeht, da kann ich nur den Hut ziehen.“

Immer wieder sind die Schmitz‘ bewegt, wie sehr andere Menschen ihnen helfen möchten. Auch die jeweiligen Arbeitgeber des Versicherungskaufmannes und der Bürokauffrau haben Unterstützung signalisiert. Ob Nachbarn, Freunde oder Bekannte: „Es gibt unglaublich viele Menschen, die zu einem stehen. Das ist erschütternd schön“, sagt Thorsten Schmitz. „Man glaubt ja immer, andere kriegen Krebs, andere werden krank, andere fahren mit dem Auto vor die Wand. So haben wir ja selbst immer gedacht. Und dann passiert es einem doch selbst.“

 
 

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