Der Märkische Kreis ist mit Naturschätzen ausgestattet

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Menden. Michael Bußmann ist Biologe bei der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises. Im Interview erzählt er, warum sich der Märkische Kreis nicht zu verstecken braucht und warum gerade die politischen Vertreter in Menden ein deutliches Zeichen setzen müssen.

Seit 24 Jahren befasst sich Michael Bußmann als Biologe bei der Unteren Landschaftsbehörde mit den derzeit 127 Naturschutzgebieten im Märkischen Kreis. Die Quintessenz seiner Arbeit hat der 52-Jährige in dem kürzlich erschienen Buch „Die Naturschutzgebiete im Märkischen Kreis” zusammengesfasst. Für Menden sind vier Gebiete ausgewiesen. „Es gäbe aber durchaus noch mehr Potenzial”, sagt der Biologe.

Sie begeben sich in Ihrem Buch auf einen Streifzug durch die Naturschutzgebiete im Märkischen Kreis. Was hat unsere Region zu bieten?

Michael Bussmann: Der Märkische Kreis braucht sich insgesamt nicht zu verstecken. Als Teil des südwestfälischen Berglandes sind wir mit Naturschätzen bestens ausgestattet und sehr vielfältig. Hier findet man Wacholder-Bergheiden ebenso wie orchideenreiche Wiesentäler oder natürliche Hangmoore im Ebbegebirge.

Für Menden nennen Sie in Ihrem Buch vier Naturschutzgebiet-Anteile. Was gibt es dort zu entdecken?

Bussmann: Das älteste Naturschutzgebiet in Menden ist „Auf dem Stein” in Schwitten. Das Gewässer dort wird im Volksmund „Ententeich” genannt. Professor Feldmann hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass es 1960 per Verordnung der Bezirksregierung Arnsberg ausgewiesen wurde. Später, im Jahr 1978, kam das Naturschutzgebiet Rothenberg hinzu, 2004 wurden die Flora-Fauna-Habitat-Gebiete „Abbabach” und „Lüerwald und Bieberbach” ebenfalls als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im Rothenberg kann man zum Beispiel Bunt- und Grünsprecht entdecken. Und auch der seltene Hirschkäfer wurde dort nachgewiesen.

Gibt es für Spaziergänger und Wanderer in Naturschutzgebieten denn besondere Verhaltensregeln?

Bussmann: Es ist ja nicht so, dass über diese Gebiete eine Käseglocke gestülpt wäre. Es gibt lediglich Betretungsregeln, die zu beachten sind, zum Beispiel die bestehenden Wege nicht zu verlassen.

Ein Spaziergang ist sicher eine gute Möglichkeit, den Naturschutzgedanken wieder mehr in den Blick zu rücken...

Bussmann: Der Naturschutzgedanke war Anfang der 80er Jahre in Politik und Gesellschaft sehr präsent. Mittlerweile hat er einen geringeren Stellenwert, weil Probleme wie die Wirtschaftskrise in den Vordergrund rücken. Die vielen Kleinodien, die es in den Naturschutzgebieten zu entdecken gibt, können für Bürger ein Anreiz sein, sich mit der Frage nach der Schutzwürdigkeit unserer Natur zu befassen.

Sehen Sie in Menden noch weiteres Schutz-Potenzial?

Bussmann: Auf jeden Fall. Menden ist jedoch eine der Kommunen im Märkischen Kreis, die über keinen Landschaftsplan verfügt. Dieser Plan betrachtet den Naturraum einer Gemeinde gesamtheitlich und zeigt einen naturschutzfachlichen Handlungsrahmen auf. Auch Naturschutzgebiete werden darin festgelegt. Deshalb ist die Zahl der Naturschutzgebiete in Städten mit einem rechtskräftigen Landschaftsplan wie Iserlohn wesentlich größer. Dort gibt es zum Beispiel 17 Naturschutzgebiete.

Und warum gibt es für Menden keinen solchen Landschaftsplan?

Bussmann: Wir haben schon vor Jahren den Entwurf für einen Landschaftsplan vorbereitet. Was wir brauchen, ist ganz klar der politische Auftrag. Die politschen Vertreter in Menden müssten ein deutliches Zeichen setzen. Dann ließen sich sicher noch einige weitere Naturschutzgebiete ausweisen. Der zweite Weg — die Verordnung über die Bezirksregierung Arnsberg — wäre dagegen sehr mühselig und viel zu langwierig.

Mit Michael Bußmann sprach Thekla Hanke.

 
 

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