Der erste Krimi-Roman, der in Menden spielt

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Menden..  Mit „Das vermisste Mädchen“ hat die Mendenerin Bettina Lausen ihren ersten Roman veröffentlicht. Im WP-Interview spricht sie über ihre Liebe zum Menden-Detail und die Ähnlichkeiten zwischen ihr und ihrer Ermittlerin.

Frage: Ihre Ermittlerin ist Detektivin: Warum haben Sie sich nicht für eine Polizistin entscheiden?

Bettina Lausen: Für mich war von Anfang an klar, dass ich den Roman aus der Ich-Perspektive erzählen würde. Vor der Polizeiarbeit hatte ich großen Respekt. Als ich bereits am Krimi-Projekt gearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass ein Detektiv mit ähnlich vielen Recherchen zu tun hat wie ein Polizist. Und bei einer Detektivin bin ich geblieben.

Helena Briest ist aus Düsseldorf nach Menden gezogen, sie lebt mit ihrem Mann zusammen, sie boxt: Wie viel von Ihnen steckt in Helena?

Helena ist eine fiktive Figur, die gar nicht so viel mit mir gemeinsam hat. Die einzige Ähnlichkeit zwischen uns ist eigentlich, dass mein Mann wie Helenas in der IT-Branche arbeitet. Außerdem bin ich sehr sportlich, boxe nicht, sondern spiele Handball.

Im Krimi muss sich Helena auch gegen Rechtsradikale in Menden zur Wehr setzen. Was hat sie dazu bewogen, dieses „heiße Eisen“ anzupacken?

Das Thema Ausländerfeindlichkeit war kein Thema, von dem ich von Anfang an gedacht hatte, dass es mich interessiert. Beim Schreiben habe ich zunächst überlegt, über was für eine Tat ich schreiben wollte, dann habe ich mir das Motiv gesucht und dann die Figuren. Als die Figuren feststanden, hat sich das Thema dann von selbst ergeben.

Die Familie des verschwundenen Mädchens kommt aus Afrika: Wieso spielt das Land mit seinen Traditionen ein so großes Thema in Ihrem ersten Roman?

In erster Linie, weil mich der afrikanische Kontinent interessiert. Während meiner Recherche habe ich ihn noch besser kennen gelernt. Wenn man sich mit einem Thema befasst, dann ist es gut, dass Herzblut drinsteckt. Bei meiner Arbeit als Bankkaufrau habe ich mich außerdem auch häufiger mit einer damalige Kundin darüber unterhalten, wie ist es, wenn man aus Kongo kommt, mit welchen Problemen man dann im Alltag zu kämpfen hat.

Jeder Mendener wird beim Lesen viele Details aus seiner Heimatstadt entdecken: Warum ist es Ihnen wichtig, dass Menden so erkennbar ist?

Mir war es wichtig, über etwas zu schreiben, das ich kenne. Für mich war klar, das wird Menden, der Ort, indem ich seit meiner Kindheit lebe. Ich mag es, wenn ich Bücher lese und darin Dinge wieder erkenne. Generell bin ich ein sehr visueller Mensch, gehe Orte ab, mache Fotos und möchte Bilder bei meinen Lesern erzeugen. Das ist natürlich eine Gratwanderung: Manche Hausnummern habe ich erfunden, manche Häuser anders beschrieben, damit kein Bezug zu lebenden Personen geschaffen werden kann.

Soll Helena Briest wieder ermitteln?

Ja, ich arbeite derzeit an meinem zweiten Roman. Wenn der Verlag es möchte, kann ich mir eine Fortsetzung gut vorstellen: Helena Briest wird mich also noch ein Stück begleiten.

Der Krimi im Überblick

Es ist ein erschreckendes Szenario: In Menden verschwindet am helllichten Tag ein siebenjähriges Mädchen. Die Eltern, Einwanderer aus Afrika, sind verzweifelt, fühlen sich von der Polizei nicht ernst genommen und engagieren die Detektivin Helena Briest.

Die Ermittlerin ist die Hauptdarstellerin in Bettina Lausens erstem Roman. Er ist ein echter Menden-Krimi, mit vielen Hinweisen auf die Stadt. Der Emons-Verlag veröffentlicht das Buch deshalb auch als „Krimi aus dem Sauerland“.

Helena Briest ist aus Düsseldorf nach Menden gezogen, weil ihr Mann hier eine neue Arbeitsstelle gefunden hat. Sie lebt im Lahrweg, hat ihre kleine Detektei jedoch direkt in der Fußgängerzone bezogen. „Die Fachwerkhäuser und die gepflasterte Straße strahlten altertümliches Flair aus. Links von mir lag die Kirche, davor plätscherte ein kleiner Springbrunnen“, lässt Bettina Lausen ihre Ich-Erzählerin berichten. „Obwohl ich einem Umzug erst skeptisch gegenüber gestanden hatte, gefiel mir die Atmosphäre dieser Kleinstadt immer besser.“

Viele Details aus Menden

Die Autorin Lausen lässt immer wieder kleine Details wie diese in ihren Text einfließen. Mal isst Helena Briest einen Döner bei einem bekannten Imbiss, dann wünscht sie sich eine neue Handtasche aus einem Geschäft aus der Hauptstraße. Auch Hinweise auf die WESTFALENPOST, auf die Boxabteilung des SV Menden, die Gaststätte Oberkampf finden sich im Buch. Einen Charakter lässt sie immer wieder das Sauerländer Wörtchen „woll“ benutzen.

Diese Details streicheln das Herz der stolzen Mendener, sie fügen sich gut in die Geschichte ein. Die könnte aber auch in anderen deutschen Kleinstädten spielen. Es geht um überregionale Themen, um die Angst vor rechter Gewalt, um Rituale und um Helenas eigenen düstere Vergangenheit. Für ihren Krimi hat Bettina Lausen gut zum Thema Afrika recherchiert, sie fängt auch die Atmosphäre Mendens gekonnt ein. Mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit packt sie gleichzeitig ein heißes Eisen an, das weit entfernt ist von der lieblichen Romantisierung anderer Heimatkrimis.

Bettina Lausen stellt ihr Buch am Mittwoch, 12. März, ab 19.30 Uhr bei Daub vor. Karten: 3065.

 
 

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