Der erste Fahrradpolizist im Kreis

Bezirksbeamter Raimund Sudhoff ist in Lendringsen dienstlich mit dem Fahrrad unterwegs.
Bezirksbeamter Raimund Sudhoff ist in Lendringsen dienstlich mit dem Fahrrad unterwegs.
Foto: WP

Lendringsen.  Den Arbeitstag im Dienstzimmer verbringen, das ist so gar nichts für Raimund Sudhoff. Viel lieber schwingt sich der 58-Jährige schon frühmorgens aufs Fahrrad. Dienstlich, versteht sich. Der leidenschaftliche Radfahrer ist seit fünfeinhalb Jahren Bezirksbeamter für Lendringsen und der erste Fahrradpolizist in der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis.

Schon kurz nach Dienstbeginn um 7 Uhr ist Raimund Sudhoff in Lendringsen mit dem Fahrrad unterwegs. „Bis acht Uhr mache ich Schulwegsicherung an den Grundschulen.“ Anschließend geht’s auf zur Runde durch die Gemeinde, zum Bieberberg und über den Friedhof. Die Lendringser kennen ihren Bezirksbeamten – und Raimund Sudhoff seine Lendringser: „Ich grüße mittlerweile jeden.“ Auf dem Friedhof spricht der Beamte Besucher an, die bei der Grabpflege ihre Taschen unbeaufsichtigt abgestellt haben. „Ich fahre mit offenen Augen und Ohren durch den Ort“, sagt er. Dabei verteilt er auch schon mal Knöllchen an uneinsichtige Autofahrer, wenn eine mündliche Verwarnung nicht reicht. Beim Spätdienst entdeckt er abends schon mal sperrangelweit geöffnete Fenster. „Dann weise ich die Bewohner darauf hin. Oftmals ist ihnen ihr Leichtsinn gar nicht bewusst.“

4000 Kilometer dienstlich unterwegs

20 bis 30 Kilometer legt Raimund Sudhoff im Laufe eines Dienst-Tages zurück. Regelmäßig besucht er auch die Bergdörfer. Für den früheren Radsportler sind die Steigungen dorthin kein Problem. 4000 Dienst-Kilometer kommen im Jahr zusammen. „In diesem Jahr werden es wohl noch ein paar mehr werden, weil Winter ja kein Winter war“, sagt der Fahrradpolizist mit einem Schmunzeln. Solange kein Schnee liegt, schwingt er sich aufs Rad. Bei Bibber-Temperaturen eben zusätzlich ausgestattet mit Mütze unterm Fahrradhelm und dicken Handschuhen. Raimund Sudhoff ist seit 40 Jahren bei der Polizei. Seit 1981 arbeitet er in Menden, davon elf Jahre lang im Kriminalkommissariat. „Ich kenne in Menden jede Ecke“, sagt der Polizeihauptkommissar.

Raimund Sudhoff musste sich sein privates Fahrrad dienstlich genehmigen lassen. Der Bezirksbeamte hat es komplett nach seinen Bedürfnissen ausgestattet. Der Sattel ist ein altes Schätzchen, bewährt sich aber seit mehr als 30 Jahren: „Früher bin ich damit sogar Rennen gefahren.“ Neben Öldruckbremsen verfügt das Zweirad über ein besonderes Tretlager. In der Packtasche verstaut der Polizist Unterlagen und ein Scheckkarten-Gerät. Die Halterung für sein Funkgerät vorne an der Lenkstange hat er selbst angefertigt.

Stets positive Reaktionen

Die Reaktionen der Lendringser auf ihren Fahrradpolizisten seien in den vergangenen Jahren stets positiv gewesen, berichtet Raimund Sudhoff. Er sieht viele Vorteile im Dienst auf zwei Rädern. „Zu Fuß wäre mein Aktionsradius längst nicht so groß.“ Immer wieder werde er bei seinen Gemeinderunden angesprochen, im Streifenwagen sei das kaum der Fall. Umgekehrt sucht er auch gezielt den Kontakt, geht einfach mal einen Kaffee trinken. Oder er hält in den großen Geschäften Ausschau nach Ladendieben.Im Dienstbüro am Lendringser Platz ist er selten anzutreffen, da er auch über Funk ständig erreichbar ist. Er geht lieber raus zu den Leuten. Oder bessergesagt: Er fährt.

Hintergrund:

In Menden sind sieben Bezirksbeamte in den einzelnen Stadtteilen Ansprechpartner für die Bürger. Morgens treffen sie sich in der Wache an der Kolpingstraße zur Dienstbesprechung. Manchmal arbeiten sie dann auch im Team, zum Beispiel, wenn ein Haftbefehl vollstreckt werden muss.

Das Dienstbüro am Lendringser Platz teilt sich Raimund Sudhoff mit Polizeihauptkommissar Bernd Kluthe, der für den nördlichen Bereich Lendringsen und den Obsthof zuständig ist.

Raimund Sudhoff hat als Fahrradpolizist im Märkischen Kreis sozusagen Pionierarbeit geleistet. Mittlerweile ist in der Kreispolizeibehörde auch einer seiner Kollegen im Bezirk auf zwei Rädern unterwegs. In Großstädten sieht das anders aus. „Es gibt sogar Fahrradbehörden, in Dortmund zum Beispiel und in Köln.“

 
 

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