Carolin Kebekus watscht ab

Carolin Kebekus unterhielt das überwiegend junge Publikum mit ihrem ersten Soloprogramm "Pussy Terror" über mehr als zwei Stunden. Foto: Laura Oswald-Jüttner
Carolin Kebekus unterhielt das überwiegend junge Publikum mit ihrem ersten Soloprogramm "Pussy Terror" über mehr als zwei Stunden. Foto: Laura Oswald-Jüttner

Menden.. (osw) Pöbeln, brüllen, motzen – wer Carolin Kebekus kennt, erwartete vom ersten Soloprogramm der Kölner Comedienne genau das. Bei ihrem Gastspiel in Menden bewies die 32-jährige, dass sie auch anders kann. Charmant und hintersinnig watschte sie Fernsehlandschaft, Politik und Gesellschaft ab.

Das überwiegend junge Publikum erlebte eine gut gelaunte Carolin Kebekus, die ihr Programm „Pussy Terror“ mit einem gleichnamigen Rap eröffnete. Was darauf folgte, wurde dem Namen des Programms kaum gerecht. Natürlich kam die Künstlerin nicht ohne Meckereien aus. Auch fand sie des öfteren sehr drastische Worte, die sie unter anderem gegen Dieter Bohlen abfeuerte. Dessen öffentlich praktizierter Sexismus ist für sie ein rotes Tuch. Doch Carolin Kebekus ist keine Emanze. Die Naivität vieler Geschlechtsgenossinnen geht ihr ebenso auf die Nerven, wie das Macho-Gehabe der Männer.

Carolin Kebekus machte am Mittwochabend auf der Wilhelmshöhe trotzdem keinen Terror. Sie schaffte es, dass auch der jüngste Zuschauer verstand, woran unsere Gesellschaft krankt. Neben der Verdummung des deutschen Fernsehens schoss sie sich auf Thilo Sarrazin ein. Dessen Aussage, Multikulti in Deutschland sei gescheitert, kommentierte sie unter großem Applaus: „Wenn Multikulti gescheitert ist, müsste sich als erstes die Nationalmannschaft auflösen“. Carolin Kebekus wuchs selbst in Köln-Ostheim auf, was als „die Bronx von Köln“ gilt. Daher gehören Menschen mit Migrationshintergrund von Anfang an zu ihrer Entwicklung. „Dummes Gelaber“ wie das von Sarrazin und Neonazis mache sie krank.

Auch zu Stuttgart 21 wusste die Comedienne etwas beizutragen. In Köln wäre ein solches Bauvorhaben wesentlich schneller vonstatten gegangen, da würde schließlich öfter etwas unter Tage verlegt, spielte sie auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs an.

Die klassischen Anekdoten aus dem Privatleben, wie den Einfluss der Oma aus Oberschlesien und die Bewältigung der eigenen Pubertät fanden ebenfalls Platz in Kebekus erstem Soloprogramm. Auch wenn die Künstlerin sich das Pöbeln nicht verkneifen konnte – es gehört schließlich zu ihr – wahrte sie stets das Niveau. So vermochte sie es, ihr Publikum über mehr als zwei Stunden gut zu unterhalten.

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