Bissige Lyrik- und Kurzprosa-Lesung im Scaramouche

Laura Oswald-Jüttner
Scaramouche: Lesung mit Wasserglas.
Scaramouche: Lesung mit Wasserglas.
Foto: WP

Menden.  Ziemlich genau eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Leseabenteuer in Menden kamen Tibor Rácskai und Peter Neuhaus zurück ins Scaramouche. Als „famose fabulöse Freudenspender“ , so die Anmoderation, stellten sie in ihrem Programm aus komischer Lyrik und Kurzprosa am Samstag auch ihr gemeinsames Buch „Gerne wieder!“ vor.

Absurde Alltagssituationen

Bevor die Herren das Publikum mit Geschichten und Gedichten unterhielten, stellte Tibor Rácskai einige Regeln für den Abend auf: „Vor der Lesung ist nach der Lesung, und das Runde hat während einer Lesung nichts im Eckigen zu suchen.“ Und los ging die wilde Fahrt durch absurde Alltagssituationen, Erinnerungen an den nicht existenten Winter 2013/2014 und tagesaktuelle Geschehnisse.

„Wenn Ministranten auf die Walz gehen, dürfen sie sich ihrer Heimatpfarrei bekanntlich nicht weiter als 200 Ave Maria nähern“, hieß es in einem der ersten Texte von Tibor Rácskai. Damit war der Ton klar: ätzend und bissig, manchmal nachdenklich, immer schmerzhaft wahr.

Gedichte von Peter Neuhaus

Besonders interessant waren die Gedichte mit politischen Themen, die Peter Neuhaus vortrug. „Jetzt bloß nicht schwächeln, Wladimir“ und „Freunde fürs Leben“ sponnen die Krim-Krise weiter bis zur totalen Unterwerfung der EU durch Russland. Derweil sitzt Barack Obama im Weißen Haus und weint, weil er keine so tollen Ideen hat wie sein russischer Amtskollege. Da blieb so manchem das Lachen im Halse stecken.

Die Koalitionsverhandlungen nach der letzten Bundestagswahl, der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, die letzte Papstwahl, alles zogen Peter Neuhaus und Tibor Rácskai durch den Kakao.

Über den britischen Prinzen George dichtete Peter Neuhaus, er habe Glück gehabt, weder die Ohren des Großvaters, noch das „grenzdebile Grinsen des Onkels“ geerbt zu haben. Aber da das Baby für Windsor-Verhältnisse schlicht zu hübsch sei, könne eine Vaterschaft Williams durchaus angezweifelt werden.

Es gebe viele gute Gründe, München zu verlassen, Tibor Rácskai sei einer der besten zurückzukehren, hieß es in der Anmoderation. Besonders den Teil mit der Rückkehr begrüßte das Mendener Publikum sehr. Aber bitte nicht nach München, sondern nach Menden.

Die beiden grandiosen Rhetoriker konnten sich vor dem Beifall des Publikums kaum retten. Solche Abende scheinen zu erklären, warum Peter Neuhaus seine Heimat und das Scaramouche wohl nie verlassen hat.