Betroffenheit bei vielen Unternehmern

Menden..  Betroffenheit herrschte gestern unter den rund 50 Gästen des „Business at Lunch“ im neuen Sozialmarkt des SKM an der Fröndenberger Straße. Dass dies kein Unternehmen wie jedes andere ist, dürften alle Gäste aus dem Initiativkreis Mendener Wirtschaft (IMW) bewusst gewesen sein. Dennoch wurde es still im Raum, als der SKM-Vorsitzende Franz Daniel und Geschäftsführerin Marita Hill aus dem Alltag ihrer noch jungen Einrichtung erzählten. Sie vereint seit dem Umzug vom Hofeskamp vor wenigen Wochen den DeCent-Laden, den Möbelladen, den Mittagstisch und den Kleiderladen für Bedürftige in Menden unter einem Dach.

Stichwort Lebensmittel: „Früher gab es mehr als genug, was wir als Restposten aus Supermärkten und Geschäften abholen konnten“, sagte Marita Hill. Dafür gebe es inzwischen ein eigenes Auto. Doch mit Lebensmitteln werde in Märkten heute knapper kalkuliert. „Dass weniger weggeworfen wird, ist ja sogar gut. Für uns gilt das aber nicht. Wir nehmen jetzt auch welke Salate mit; unsere Helfer rupfen die äußeren Blätter dann ab.“

Dass gerade bei den Lebensmitteln die Nachfrage oft größer als das Angebot sei, tue besonders weh. „Aber weil sich die Zahl der Kunden am Tag in kurzer Zeit von 30 auf mehr als 60 verdoppelt hat, haben wir erstmals überhaupt beschließen müssen, 2015 gar keine Einkaufsausweise mehr herauszugeben.“

Diese Ausweise stellt der SKM für ein Jahr aus. Berechtigt ist, wer seine Bedürftigkeit nachweisen kann, also den Bezug von Leistungen aus Hartz IV, Grundsicherung oder Flüchtlingshilfen. Gerade bei den Lebensmitteln würden immer nur zehn Kunden hereingelassen und an die Hand genommen, beschrieb Franz Daniel. Grund: „Wir müssen aufpassen, dass uns die ersten zehn nicht bereits leerkaufen. Draußen warten ja immer mehr andere.“

Für ein Raunen sorgte auch Daniels Anmerkung, dass der SKM inzwischen 7000 Euro im Jahr dafür ausgeben muss, nicht mehr verwertbare Lebensmittel fachgerecht zu entsorgen. „Die Zeiten, als wir das zum Bauern brachten, sind vorbei.“

Stichwort Möbel: Hier erhalten Ausweis-Inhaber starke Abschläge von den ausgezeichneten Preisen. „Wir erzielen unsere besten Einnahmen, wenn Normalverdiener hierherkommen und die regulären Preise für wertvollere Stücke zahlen“, bat Hill ausdrücklich darum, dass auch Gutverdiener zu Kunden an der Fröndenberger Straße werden.

Stichwort Ehrenamt: Erstaunt und erfreut zeigten sich die vom stellvertretenden IMW-Vorsitzenden Martin Weber begrüßten Gäste über die große Zahl der rund 300 ehrenamtlichen Helfer, auf die sich der SKM bei seinen verschiedenen Angeboten verlassen kann. Die Freiwilligen, überwiegend Frauen, stammen aus eigenen Reihen, aber auch aus den Caritaskonferenzen.

Dennoch stoße man auch hier an Grenzen, berichtete Marita Hill. Der zentrale Sozialmarkt sei in den ersten Wochen gut angenommen worden und verzeichne höhere Kundenzahlen als der Hofeskamp. Für die Teams in den Verkaufsschichten würden daher auch weiterhin händeringend freiwillige Helferinnen und Helfer gesucht.

 
 

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