Bauern in Westfalen profitieren von hohen Weltmarktpreisen

Die Bauern in der Region profitieren von den hohen Weltmarktpreisen. Auch Heinz-Josef Scheffer aus Menden ist zufrieden.
Die Bauern in der Region profitieren von den hohen Weltmarktpreisen. Auch Heinz-Josef Scheffer aus Menden ist zufrieden.
Foto: WP
Auch die Bauern in Westfalen sind vom Weltmarkt abhängig. Die Getreide-Börse in den USA gibt den Ton an. Das spüren die heimischen Bauern auch bei der Ernte 2012. Die hohen Preise, die der Dürre in den Vereinigten Staaten geschuldet sind, bescheren ihnen gute Gewinne.

Menden/Wickede. Mit dröhnendem Motor fährt der Mähdrescher über das Feld. Die rotierenden Klingen des Schneidwerks ziehen den Weizen ins Innere der Maschine. Aus dem hinteren Teil spuckt der Mähdrescher Stroh aus. Am Rand des Feldes von Heinz-Josef Scheffer in Wickede an der Ruhr wartet schon der Laster eines Landhandels, um den frisch gedroschenen Weizen abzutransportieren. Die Weizenernte ist aber nicht nur bei dem Mendener Landwirt in vollem Gange, der in der ganzen Region Agrarflächen bewirtschaftet. Überall in Westfalen-Lippe sind zurzeit die Mähdrescher unterwegs, um die Ernte einzufahren.

Auf rund 150.000 Hektar wird in der Region Weizen angebaut. Der Mais folgt mit 100.000 Hektar, Tendenz steigend. Die Bauern profitieren zurzeit von den hohen Weltmarktpreisen. Die Ursache ist die schlimmste Hitzewelle in den Vereinigten Staaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1895. Die Dürre ließ die Preise rapide ansteigen. „Das ist allerdings eine zweiseitige Sache“, sagt Jochen Thierring vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Die Kehrseite der enormen Preissteigerung sind nämlich hohe Kosten für Produktionsmittel wie Dünger.

Globalisierung ist auch in Westfalen angekommen

Der Landwirt Heinz-Josef Scheffer aus Menden spürt beide Entwicklungen. Er baut Backweizen an, der direkt an den Verbraucher geht. Als Mehl wird er abgepackt in den Regalen der Supermärkte stehen oder von Bäckereien weiterverarbeitet. Obwohl sein Weizen in der Region bleibt, konnte er wegen der Dürre in den USA lukrative Geschäfte machen. Auf seinen Feldern in den Kreisen Unna und Soest sowie im Märkischen Kreis ist die Globalisierung längst angekommen. Auf 30 Hektar baut er Mais an und auf 43 Weizen.

Er erzielt in diesem Jahr 1700 Euro Umsatz pro Hektar. „Das ist ein gutes Jahr für uns, aber noch lange kein Spitzenertrag“, sagt er. Obwohl der diesjährige Umsatz weit von Tiefstständen von gerademal 1000 Euro entfernt ist, bleibt am Ende ein Gewinn von 250 Euro pro Hektar übrig.

Weizen und Mais für vorher festgelegten Preis

Der Gewinn hätte noch üppiger ausfallen können. Den Großteil seiner Ernte verkauft Heinz-Josef Scheffer bereits im Vorfeld über sogenannte Kontrakte. Die Vertragspartner vereinbaren hierbei für eine bestimmte Menge Weizen oder Mais einen vorher festgelegten Preis. Der Bauer liefert nach der Ernte. „Ärgerlich ist, dass ich etwas zu früh abgeschlossen habe“, sagt er und ergänzt: „Es wären sicherlich noch sieben Euro mehr drin gewesen.“ Dass die Preise für Weizen weiter steigen würden, das konnte er nicht abesehen. Der Preis für Brotweizen ist in den vergangenen zwei Wochen um rund 40 Euro noch oben geklettert und liegt aktuell nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes bei etwa 240 Euro pro Tonne.

„Solche Kontrakte haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, sagt der Agrarökonom Prof. Marcus Mergenthaler von der Fachhochschule Südwestfalen. Damit reagieren die Landwirte auf starke Preisschankungen. Zwischen 2009 und 2011 schwankte der Preis zwischen 116 und 264 Euro pro Tonne Weizen.

Preis für Dünger nach oben getrieben

Das läge auch daran, dass die Europäische Union nicht mehr so stark mit Mindestpreisen den Binnenmarkt für Agrarprodukte schützt. „So orientieren sich auch die Preise hier an den großen Warenterminbörsen“, erklärt Marcus Mergenthaler. Maßgeblich sei für Europa die Pariser Börse, die wiederum vom Handel in Chicago beeinflusst wird. „Das ist die Leitbörse für Getreide“, sagt der Agrarökonom.

Zurück zu Heinz-Josef Scheffer nach Menden. Dass er unterm Strich einen verhältnismäßig geringen Betrag erwirtschaftet, liegt an den hohen Energiekosten. Den hohen Umsatz durch den guten Weltmarktpreis, fressen die ebenfalls steigenden Kosten wieder auf. „Der Schlüssel sind die Energiekosten, weil sie auf zwei Seiten wirken“, erklärt der Agrarökonom. Zum einen wird Mais für Biokraftstoffanlagen und Bioethanol verwendet – die Nachfrage wächst. Zum anderen ist die Produktion von Stickstoffdüngern, die Bauern beim Getreideanbau einsetzen, sehr energieintensiv. So treibt der Weltmarktpreis für Weizen und Mais gleichzeitig den Preis für Dünger nach oben. Er hat sich nahezu verdoppelt. Von 17,50 Euro pro 100 Kilogramm ist er auf 30 Euro geklettert.

Die Mais-Ernte steht für September an. Ob die Bauern auf ihre Kosten kommen, das hängt vom Weltmarkt ab. Zurzeit sieht es gut aus. Der Preis liegt bei 220 Euro in Deutschland.

 
 

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