Auto vs. Bus und Bahn: Sehr langer Atem nötig

WP-Redaktion
Der WP-Bericht „Bus und Bahn verlieren im Rennen gegen Auto“ (3. August) hat für einige Diskussionen gesorgt.

Menden. Schon in der vergangenen Woche hatte Grünen-Vorsitzende Ingrid Ketzscher betont: „Für die Menschen in Menden und die Attraktivität unserer Stadt ist die Anbindung an die Metropolen bedeutsam.“ Nun bezieht Johannes Schmoll, 1. Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Hönnetal, in einem Beitrag Stellung.

D er Vergleich zwischen ÖPNV und Auto hinsichtlich der Fahrzeiten ist zweifellos interessant, aber es ist ein Vergleich wie zwischen Äpfel und Birnen. Beide Obstsorten wachsen an Bäumen, schmecken gut und machen satt – und doch kann man sie nicht miteinander vergleichen. Und es wird immer notorische Birnen- und Apfelesser geben, die das jeweilige andere Obst nicht mögen.

So ist es auch hier. Der Vergleich ist Wasser auf die Mühlen notorischer Autonutzer, die es schon immer gewusst haben. Die Befürworter des ÖPNV fühlen sich in ihrer Kritik am derzeitigen Angebot bestätigt und schauen mit gequälter Miene auf das vermeintlich stärker geförderte Auto.

Besser als der Ruf

Wie ist denn die Situation tatsächlich? Abgesehen von dem Thema Fahrzeit (das man so auch eigentlich nicht stehen lassen kann), ist das Angebot im ÖPNV in Menden weitaus besser als sein Ruf. Auf den großen Strecken bestehen seitens der MVG verhältnismäßig dichte Fahrpläne und auch in Sachen Komfort hat sich im Busbereich einiges getan. Sicher: Die Fahrpläne in den Abendstunden könnten verbessert werden.

Und natürlich werden die ländlich gelegenen Ortsteile (z.B. Oesbern oder Asbeck) niemals akzeptabel an das Busnetz anzuschließen sein. Hier wird das Auto auf Dauer dominant bleiben, weil sich andere Angebot nicht rechnen werden.

Ebenso muss man akzeptieren, dass nicht auf jeder Linie ein Schnellbus verkehren kann und dass ein Linienbus, der möglichst viele Bürger erreichen soll, durch Umwege auch länger unterwegs ist als das Auto.

Was die Politik jedoch kurzfristig erreichen könnte, wären zusätzliche Busspuren, um den Bus gegenüber dem Auto einen Fahrzeitvorteil zu verschaffen. Aber diese Forderung würde nur dann umgesetzt, wenn einer unserer Politiker sich selbst mal dem Abenteuer einer Busfahrt von Menden nach Iserlohn aussetzen würde.

Gute Anschlüsse

Auch bahntechnisch könnten wir weitaus schlechter dastehen. Die Hönnetalbahn fährt werktags im Stundentakt und bietet in Fröndenberg gute Anschlüsse sowohl Richtung Schwerte / Hagen als auch Richtung Warburg / Kassel.

Natürlich haben auch wir eine Wunschliste – und diese ist den Mendener Grünen durchaus ähnlich. Wir haben die Strecke Menden – Hemer nie aus den Augen verloren und hoffen noch immer von einer durchgehenden Verbindung auf der Schiene nach Iserlohn irgendwann. Hier besteht leider nur geringe Hoffnung, solange Bahnbefürworter vom Bürgermeister Hemers, der es besser wissen müsste, als Bahnnostalgiker diffamiert werden.

Genau so haben wir schon vor einigen Jahren beim zuständigen Zweckverband Ruhr-Lippe angeregt, die Ausrichtung der Hönnetalbahn an Dortmund zu prüfen und haben da offene Türen eingerannt. Hier wird das auch ernsthaft geprüft.

Doch so einfach ist das nicht. Natürlich könnte man in Fröndenberg Anschlüsse an den RE 57 („Dortmund-Sauerland-Express“) irgendwie herstellen. Das würde jedoch die Anschlüsse nach Schwerte und Hagen sowie nach Warburg und Kassel kosten. Außerdem müsste der Fahrplan des RE 57 noch um einiges optimiert werden. Das setzt aber auch den Ausbau der Gleisinfrastruktur im Bereich Bigge-Olsberg voraus.

Um die bessere Alternative, eine zusätzliche durchgehende Verbindung Dortmund – Menden und vielleicht sogar – Hemer zu realisieren, müssten sogar noch mehr Hausaufgaben erledigt werden. So ist der Einfahrbereich in Dortmund Hbf. bereits jetzt so überlastet, dass weitere Züge nicht mehr unterzubringen sind. Kurz: Ohne Ausbau Dortmund Hbf. keine zusätzliche Linie. Und finanziert werden müssten diese Züge ja auch noch.

Verbesserung bis 2016/17

Fazit: Menden steht im ÖPNV nicht unbedingt gut da, aber auch nicht unbedingt schlecht. Im Busbereich sind bei entsprechendem Willen kurzfristig Verbesserungen zu erreichen. Die Situation im Bahnbereich lässt sich leider nicht so kurzfristig verbessern. Hier muss man einen langen, sehr langen Atem haben.

Vielleicht gelingt bis 2016/17 die verbesserte Anbindung Mendens an Dortmund mittels Umstieg in Fröndenberg. Eine eigene Linie Dortmund – Menden – Hemer sehen wir angesichts der langen politischen Prozesse noch lange nicht – leider!