Applaus für Autorin Bettina Landgrafe

Beeindruckt war das Publikum im TAZ von dem, was Bettina Landgrafe aus ihrem  Leben in Afrika berichtete.
Beeindruckt war das Publikum im TAZ von dem, was Bettina Landgrafe aus ihrem Leben in Afrika berichtete.
Foto: WP

Menden.. Sie ist eine „weiße Nana“, so etwas ähnliches wie eine Stammes-Chefin. Am Samstag war Bettina Landgrafe zum Talk im TAZ eingeladen. Dabei stellte sie ihr Buch über ihr Leben in Afrika vor, erzählte aber auch viel von sich und ihrer Arbeit und stellte sich den Fragen der Zuhörer.

Achim Puhl, Leiter der VHS, führte die Talkrunde. Ein Projekt in Ghana liegt Bettina Landgrafe ganz besonders am Herzen: die Befreiung der Kindersklaven vom Volta-Stausee. Dieser ist der größte künstliche Stausee der Erde. Hier reiht sich ein Fischerdorf an das nächste. Die Fischer halten sich Kinder als Sklaven, die Boote steuern und Netze auswerfen, leeren und reparieren müssen. Sklaven sind billiger als modernes Fanggerät. Die Fischer kaufen Kinder von Eltern, die ihren Nachwuchs nicht ernähren können.

„Kinder gelten in Ghana als Gottesgeschenk, je mehr desto besser“, erklärt Bettina Landgrafe und fügt hinzu: „Kinderarbeit ist in Ghana eigentlich verboten. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Außerdem herrscht am Volta-Stausee der Irrglaube, dass Kinder umso länger die Luft anhalten können, je jünger sie sind. Das führt dazu, dass viele Kinder, wenn sie nach einem verhedderten Netz tauchen müssen, einfach ertrinken. Schwimmen kann in Ghana kaum jemand.“

Dass Sklaverei noch im 21. Jahrhundert praktiziert wird, ist allen Anwesenden absolut unverständlich. Eltern sehen keinen anderen Ausweg, sie seien auf das Geld, das sie für ihre Kinder bekommen, angewiesen. Während der Erzählungen wird klar, dass ein Menschenleben in Ghana nicht viel wert ist. Das schlimmste sei aber, dass die Kinder selbst zu Sklavenhaltern heranwachsen, weil sie nichts anderes lernen können. Körperliche Gewalt sei an der Tagesordnung. Um die Kinder aus diesem Teufelskreis zu befreien, unterrichtet Bettina Landgrafes Organisation Madamfo Ghana Fischer in alternativem Fischfang. In einigen Dörfern haben die Mitarbeiter bereits Fischfarmen aufgebaut. So sind die Männer nicht mehr auf Kinder angewiesen.

„Um Kindersklaven zu befreien, braucht man Geld“, stellt Bettina Landgrafe klar. Sie will nicht, dass die Zuschauer spenden. Über Spenden freut sie sich, klar, doch das ist nicht ihre Intention des Abends. So eine engagierte Frau kann man aber nicht einfach so wieder gehen lassen. Das hat sich wohl auch der Lions Club gedacht, denn er überreicht Bettina Landgrafe einen Scheck. Fast schon mit Tränen in den Augen nimmt die gelernte Kinderkrankenschwester aus Hagen ihn entgegen.

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