Anleger fallen auf hohe Zinsversprechen herein

Am Landgericht Arnsberg ist ein Anlagebetrüger aus Menden verurteilt worden.  Foto: Mike Röser
Am Landgericht Arnsberg ist ein Anlagebetrüger aus Menden verurteilt worden. Foto: Mike Röser

Menden/Arnsberg. Für die Geschädigten ist das moralische Urteil über den Angeklagten schon lange klar. „Das ist ein Schweinhund“, sagt eines der Opfer, ein älterer Herr, der die Hauptverhandlung gegen Karsten M. (Name von der Redaktion geändert) am Montag in Arnsberg verfolgt. 50 000 Euro habe er dem 58-Jährigen anvertraut. Das Geld ist futsch. „Ich habe einen Titel über 30 000 Euro“, berichtet der Mendener vom Ausgang seiner Zivilklage. Aber er gehe nicht davon aus, die Summe zu bekommen. „So blauäugig bin ich nicht.“

Blauäugigkeit begünstigte nach Ansicht der Strafkammer allerdings den Erfolg der Betrugsmasche. „Mit Gutgläubigkeit und Gier haben es Ihnen einige Geschädigte leicht gemacht“, kommentierte Vorsitzender Richter Dr. Mehlig das Geschehen. „Es hätte klar sein müssen, dass 200-prozentige Renditen nicht zu erzielen sind.“

Karriere begann Mitte der 80er Jahre

Karsten M. begann seine Karriere Mitte der 80er Jahre in der Hönnestadt. Bis dahin ungelernter Baggerfahrer in einem Bauunternehmen, machte er sich als Finanzberater selbstständig und verkaufte fortan überwiegend Versicherungen. Er bekam den Ruf eines verlässlichen Ansprechpartners – auch in Mecklenburg akquirierte er nach der Wende einen großen Kundenstamm.

Aus dieser Position heraus erfand er 2006 eine fiktive Anlage bei einer Bank in der Schweiz. Mit einer Zinsgarantie von acht Prozent köderte er die ersten Opfer. Später stiegen seine Zinsversprechen bis auf 100 Prozent pro Jahr. Vorwiegend kleine Leute, darunter viele Stammkunden, vertrauten ihm und zahlten vier- bis fünfstellige Beträge bei ihm ein. Sie räumten dazu ihre Sparbücher leer, investierten frisch erhaltene Abfindungen oder legten in der Familie zusammen. Kritische Nachfragen? Fehlanzeige.

Neukunden mit Geld- und Sachprämien gelockt

Karsten M. stellte den Opfern einen nach Ansicht von Dr. Mehlig „dilettantischen“ selbst geschriebenen Anlagevertrag aus. In den Anfangstagen zahlte M. Teilbeträge und teilweise das Anlagekapital zurück. Das erhöhte seine Glaubwürdigkeit. Außerdem gab es Geldprämien oder Sachprämien für neu geworbene Kunden.

Abzüglich dieser Rück- und Prämienzahlungen sind bei der Staatsanwaltschaft 880 000 Euro Schaden aktenkundig. Der Verbleib des Geldes ist ungeklärt.

„Ich hatte einen finanziellen Engpass“, erklärt Karsten M. sein anfängliches Motiv. Später sei er aus der Sache nicht mehr herausgekommen. Er brauchte in seinem Schneeballsystem stetig Neukunden, um die Altfälle auszuzahlen. „Das Ganze tut mir leid“, sagt er vor Gericht. Als die Betrugsserie im Sommer 2009 aufflog, legte er zunächst ein umfassendes Geständnis ab. Dann folgte der Zusammenbruch, ein Suizidversuch scheiterte. Mittlerweile arbeitet M. als Hilfskraft an einer Waschstraße. „Mein Mandant würde gern versuchen, den Schaden wiedergutzumachen“, sagt Strafverteidiger Björn Rüschenbaum. Dass er seine Schulden zurückzahlen kann, ist aber unwahrscheinlich.

Für Staatsanwalt Thomas Schmelzer hat Karsten M. kontinuierlich eine große kriminelle Energie gezeigt, der Schaden sei hoch, er habe gewerbsmäßig gehandelt und viele Opfer geschädigt. Zu einer Bewährungsstrafe war Schmelzer deshalb nicht bereit. Die Kammer verurteilte Karsten M. am Ende der Verhandlung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

 
 

EURE FAVORITEN