Alpakas unterstützen Therapie von Kindern

Spaziergang mit Alpakas: Jutta Fromm (li., Sozialarbeiterin) mit Casanova und Maike Heidtmann (re., Ergotherapeutin) mit Faramir. Im Hintergrund Anabell Eckstein, Geschäftsführerin des Physiozentrums Menden.
Spaziergang mit Alpakas: Jutta Fromm (li., Sozialarbeiterin) mit Casanova und Maike Heidtmann (re., Ergotherapeutin) mit Faramir. Im Hintergrund Anabell Eckstein, Geschäftsführerin des Physiozentrums Menden.
Foto: WP

Menden/Voßwinkel..  Wenige Tage vor Weihnachten sind Casanova und Faramir in ihre neue Heimat umgezogen. Die beiden Alpakas stammen aus einer Zucht bei Münster. In Voßwinkel soll das schwarz-weiße Duo künftig unterstützend in der Therapie von Kindern eingesetzt werden. Das Physiozentrum Menden beschreitet damit neue Wege.

Bislang sind die sympathischen Tiere mit dem langen Hals, den großen, dunklen Augen und dem wollig-weichen Fell noch eher selten im Therapie-Bereich zu finden. Aber Physiotherapeutin Ute Hammerschmidt war auf Berichte gestoßen, die die Wirkung der Alpakas auf Kinder mit Wahrnehmungsstörungen ähnlich der einer Delphin-Therapie beschreiben. „Sie hat sich schlau gemacht, in welchem Bereich die Tiere eingesetzt werden und war schließlich sicher: ,Das wären die passenden Tiere für uns’“, blickt Anabell Eckstein, Geschäftsführerin des Physiozentrums, zurück.

Die beiden Alpakas Casanova (links) und Faramir. Foto: Thekla Hanke Es geht um Kontakt mit den Tieren

In der Therapie geht es um den Kontakt und den Umgang mit den Tieren. „Das Tier fordert nichts und es verlangt nichts“, beschreiben Sozialarbeiterin Jutta Fromm und Ergotherapeutin Maike Heidtmann diese besondere Beziehung. Über die emotionale Ebene, so sagen sie, gelange man an das Kind, um dann zu therapieren. Alpakas eigneten sich für diese Arbeit wegen ihres ruhigen Charakters sehr gut, aber auch wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens. Der Reiz sei für die Kinder groß, das flauschige Fell zu streicheln, was wiederum erfordere, behutsam auf die einfühlsamen Tiere zuzugehen. Alpakas werden deshalb insbesondere auch in der Therapie mit autistischen Kindern eingesetzt und bei Kindern, die Schwierigkeiten haben, Kontakt aufzunehmen.

Die kleinen Kamele, die ursprünglich aus Südamerika stammen, sind robuste Tiere. Über die Haltung haben sich die Therapeutinnen – zum Team gehört auch Ergo- und Reittherapeutin Diana Fuchs – vorab genauestens informiert und schulen lassen. Der vierjährige Casanova und Rudelführer Faramir (7) sind in Voßwinkel auf dem Hof Parkpferde Höllinghofen untergebracht, Kooperationspartner des Physiozentrums. Von dort aus wollen Jutta Fromm und ihre Kolleginnen mit den Kindern und den beiden Alpakas viel in den Wald gehen – und damit weg von Therapien in geschlossenen Räumen. „Alle Sinne werden dadurch angeregt“, sagt Maike Heidtmann. Und durch das Führen der Tiere übernähmen die Kinder Verantwortung.

Wissenschaftlich begleiten lassen

Erste Interessenten haben sich bereits bei Anabell Eckstein gemeldet. So soll beispielsweise bald ein tiergestütztes Waldpädagogik-Projekt beginnen. Bis am 9. Januar die erste Gruppe startet, werden Faramir und Casanova täglich auf ihre Aufgabe vorbereitet. Anabell Eckstein möchte die Arbeit mit den beiden Alpakas gerne wissenschaftlich begleiten lassen. Und wer weiß, vielleicht wird aus dem Alpaka-Duo in absehbarer Zeit sogar ein Trio. Die Therapeutinnen zumindest haben in Münster schon einen weiteren Kandidaten ins Auge gefasst. Und die Chefin könnte wohl durchaus mit sich reden lassen: „Wenn es gut läuft, dann kommt Amor noch dazu“, sagt Anabell Eckstein.

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