Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" in Menden auf der Kippe

Thomas Hagemann
Foto: privat
Die Geschenk-Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, hochbeliebt bei vielen Kindern und Eltern, könnte in Menden bald aus städtischen Kitas und Schulen verbannt werden. Das bestätigte Dieter Michel, Leiter des Fachbereichs Bildung der Stadt: Man werde den Mendener Politikern „nach dem heutigen Stand unserer Recherche“ voraussichtlich empfehlen, keine Einrichtungen mehr für die Sammlungen zur Verfügung zu stellen. Bleibe es beim Nein, würden die Einrichtungen angewiesen, die Aktion nicht mehr zu unterstützen.

Menden. Geschenke für die Schuhkarton-Aktion werden in weiten Teilen Südwestfalens gesammelt. In Wittgenstein allerdings erklärte ein Sprecher des evangelischen Kirchenkreises, manche Gemeinde würde „bewusst nicht teilnehmen“.

Anlass für die Recherche in Menden war eine Anfrage der Grünen-Ratsfrau Ingrid Ketzscher, die sich kritisch mit dem aus ihrer Sicht missionarischen und christlich-fundamentalistischen Hintergrund der Sammlung auseinandersetzte. Hinter „Weihnachten im Schuhkarton“ steht der Verein „Geschenke der Hoffnung“ in Berlin. Er nennt als größten Partner die US-Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“, dessen Präsidenten Franklin Graham islamfeindliche Äußerungen nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 vorgehalten werden.

Das Missionswerk übernimmt die Verteilung in den meist osteuropäischen Empfängerländern. Dort legt es zu den Kartons einen Comic mit einer christlichen Geschichte – was laut „Geschenke der Hoffnung“ aber auch abgelehnt werden kann. Das bestätigt auch die Mendener Organisatorin Angelika Blum. Sie war bei Verteilungen vor Ort dabei.

Die Verknüpfung von Geschenk und Mission wird indes von drei Bistümern sowie Sektenbeauftragten als problematisch bewertet. Die Texte im Comic seien allzu holzschnittartig gehalten und das schiere Verteilen von Präsenten keine nachhaltige Hilfe für Kinder.

Die Kritikerin Ingrid Ketzscher betont dagegen, dass sie Schuhkarton-Sammlungen von Kindern für Kinder toll finde. „Es gibt aber auch weniger missionarisch angehauchte Anbieter.“