4000 Kindern das Kreuz mitgegeben

Platte Heide..  28 Jahre lang war Reinhold Theune Pastor der katholischen Gemeinde St. Marien Platte Heide. Heute Abend wird er in den Ruhestand verabschiedet, oder, wie er es ausdrückt: „Ich gehe in Rente.“ Viele seiner 3600 Schäfchen wissen gar nicht mehr, wie es ohne ihn ist. Sie werden sich daran gewöhnen müssen.

Wobei: Wenn Dechant Jürgen Senkbeil ihn einsetze, werde er da sein, auch als Rentner. So ganz geht er also nicht, das wird vielen ein Trost sein. Mit 68 Jahren muss er aufhören, weil das rechte Auge nicht mehr mitmachen will: „Ich kann meinen Dienst nicht mehr so ausfüllen, wie es notwendig wäre“, sagt Theune, der ursprünglich bis zum 70. im Amt bleiben wollte.

Seine Gemeinde weiß er in guten Händen, einmal dank der Diakone Manfred Seithe und Rudi Düppe, „aber auch, weil Dechant Senkbeil betont, dass jede Gemeinde auch im Pastoralen Raum so selbstständig wie möglich bleiben soll“.

Mit dem Abitur entschied sich der gebürtige Arnsberger für das Priesteramt. „Weil ich wusste: Da kannst du immer mit den Menschen arbeiten, die dir am nächsten sind. Als junger Mann waren das die Familien, heute sind es die Senioren.“ Hinzu kam die Begeisterung für die neuen Wege, die sich mit dem 2. Vatikanischen Konzil öffneten, die er mitgehen und mitgestalten wollte. Dass er dafür im Zölibat leben musste, kommentiert er mit dem Satz: „Watt nix kost, is nix.“ Aber natürlich sei es für einen jungen Mann eine schmerzliche Entscheidung gewesen, ebenso wie der Umgang mit der Tatsache, kein Vater werden zu können.

Aufbauarbeit in Argentinien

Das allerdings stimmte nicht ganz: Die schönste Zeit seines beruflichen Weges seien acht Jahre in Argentinien gewesen, als er am Südrand von Buenos Aires eine neue Gemeinde aufbauen durfte: „Am Anfang waren es 50 Menschen, am Ende 2000.“ Für Theune ein Beleg dafür, dass die Lebendigkeit einer Gemeinde nicht von der Zahl ihrer Geistlichen abhängt. Alle dort nannten ihn Padre – Vater. „Und so meinten sie es auch.“

4000 Kinder hat er getauft, und wer ihn nach schmerzlichen Erlebnissen fragt, bekommt neben der Begleitung eines Opfers des Schützenfest-Unfalls auch zu hören, dass er jedes Kind über der Stirn bekreuzigte. „Das ist nicht nur der Segen. Das heißt auch, dass jedes Kind im Leben sein Kreuz zu tragen haben wird. Und das tut weh.“

Von Argentinien abgesehen, lagen Theunes Stationen – sechs Jahre Attendorn vorher, die Platte Heide nachher -- im Sauerland. Was er an den Menschen hier schätzt? „Du weißt, woran du bist.“ So kam er nie aus dem Sauerland heraus, „das aber freiwillig und dankbar“.

Dankbar ist er auch für die schönen Erlebnisse. Wie vor zwei Jahren, als plötzlich ein junger Mann vor der Tür des Pfarrhauses stand und ihn fragte: „Kennen Sie mich? – Nein.“ – „Aber Sie haben mich doch getauft. Und jetzt will ich heiraten.“

Wenn sich dann zwei Menschen vor ihm ewige Treue schworen, „bekam ich immer eine Gänsehaut“.

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