220 Katzen im Jahr ausgesetzt

Dem fuenf Monate alten Kater Darcy wird  in Delmenhorst ein Chip zur Identifikation eingepflanzt.  Foto: David Hecker/dapd
Dem fuenf Monate alten Kater Darcy wird in Delmenhorst ein Chip zur Identifikation eingepflanzt. Foto: David Hecker/dapd
Foto: dapd

Menden.. 400 Euro monatlich benötigt die Mendener Tierhilfe mindestens allein für die Futterkosten von Katzen, deren Besitzer die Tiere nicht mehr haben wollten. Häufig sind es auch schon mal 800 Euro.

Kordula Passlack, Vorsitzende der Tierhilfe Menden: „Vielfach geschieht es auf den letzten Drücker, dass sich Leute bei uns melden und ihre Katze abgeben wollen, weil zum Beispiel ein Umzug ansteht. Von einer Stunde auf die andere können wir natürlich keine Wunder bei Vermittlungen bewirken.“

Folge: Die Tiere werden vielfach einfach ausgesetzt. Es sind 200 bis 220 im Jahr. „Tendenz stark steigend“, so Kordula Passlack. Dunkelziffer nicht inbegriffen. Die Tierhilfe regt deshalb in einem Bürgerantrag an, mit einer Verordnung Kastration und Kennzeichnung der Katzen verpflichtend zu regeln (WP berichtete).

Bei der Mendener Tierhilfe können sich Mendener für ihre Katze oder ihren Kater einen Kastrationsschein abholen. Das ist jeweils mittwochs von 17.15 bis 18 Uhr im Vereinsheim am Steinhauser Weg 17 in Oberrödinghausen möglich (siehe Kasten).

Um der Katzenschwemme Herr zu werden, nimmt die Stadt Delmenhorst seit August 2010 Katzenhalter in die Pflicht. Per Verordnung ist die Kastration und Kennzeichnung der Tiere geregelt. Das bedeutet: Halter freilaufender Katzen müssen ihr Tier kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen lassen.

Die Gründe für die Einführung einer Verordnung sind die gleichen, die auch die Mendener Tierhilfe in ihrem Bürgerantrag anführt. Trotz erheblicher Kastrations- und Versorgungsbemühungen der Tierschutzvereine habe die Zahl verwilderter Katzen sehr stark zugenommen. Die Tiere pflanzten sich unkontrolliert fort und müssten teilweise unter erbärmlichen und tierschutzwidrigen Umständen ihr Leben fristen. Die Tierschutzvereine hätten wegen Kapazitätsauslastung bereits Aufnahmestopps verhängt.

Die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht gilt in Delmenhorst inzwischen seit eineinhalb Jahren, berichtet Timo Frers, Pressesprecher der Stadt Delmenhorst. Insbesondere die Tierschutzvereine begrüßten die Einführung der Verordnung grundsätzlich.

Wer seine freilaufende Katze nicht kastrieren lässt, muss in Delmenhorst laut Verordnung mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro rechnen. Allerdings seien Strafen bislang nicht verhängt worden, berichtet Frers. Regelmäßige Kontrollen könnten finanziell und personell nicht geleistet werden, „die Akteure setzen auf Aufklärung und Information“.

Offenbar mit Erfolg. Timo Frers: „Die Anzahl der Kastrationen ist laut Delmenhorster Tierärzten seit der Einführung gestiegen.“

 

EURE FAVORITEN