Waffelbruch und Minigolf am „Café Schlupp“

In Letmathe gab es einmal drei Kinos, eins davon war das Burgtheater. Foto: Historische Bildergalerie Letmathe-Oestrich
In Letmathe gab es einmal drei Kinos, eins davon war das Burgtheater. Foto: Historische Bildergalerie Letmathe-Oestrich
Foto: IKZ

Letmathe..  „Als ich mein Freischwimmerabzeichen im alten Letmather Freibad gemacht habe, musste ich für einen ,Mutsprung’ vom Ein-Meter-Brett springen. Bademeister Claas hat mich ins Wasser geschubst, weil ich mich selber nicht getraut habe“.

So lautet nur ein Eintrag einer Gruppe, die sich im sozialen Netzwerk „facebook“ gebildet hat. Sie verfügt derzeit über 2077 Mitglieder. Unter dem Thema „Du bist Letmather, wenn...“ notieren sie alles, was sie an Letmather erinnert, einen besonders großen Raum nehmen dabei die Erinnerungen an das Letmathe von damals ein.

Sonntags Kuchen und Minigolf im Café Schlupp

Die Lektüre der Einträge werden zu einer Zeitreise in das Letmathe zwischen 1950 bis heute, und es gibt überwiegend Amüsantes zu lesen.

Wer erinnert sich noch an die Losbude: „Hier ist der Mann mit dem Schwein, die ist der Mann mit der Sau, oingk, oingk, oingk“ auf der Kilianskirmes? „Eine absolute Kult-Bude, dort gab es für eine ,Freie Auswahl’ wenigstens keinen Ramsch“, so der Verfasser eines Eintrages.

„Ich habe mir meine ersten Zigaretten im Tabakwarengeschäft der Buse-Schwestern an der Hagener geholt, die Glimmstängel habe ich ich dann heimlich geraucht. Dort gab es auch Strangtabak für meinen Opa, der mit einer Art Guillotine von einem Block abgeschnitten wurde“.

Sonntag nachmittags gehörte ein Ausflug mit der Familie zum Pflichtprogramm. Kaffee und Kuchen gab es dann im „Café Schlupp“ an der Schwerter Straße. Das Café hatte sogar eine kleine Minigolf-Anlage im Garten.

Übrigens: Wer beim Freibad-Besuch (Eintritt: 20 Pfennig!!) nicht viel Geld übrig hatte, hielt sich ernährungstechnisch mit einer Tüte Waffelbruch über Wasser (10 Pfennig). Und mal ehrlich: Wer hat nicht beim Umkleiden in den hölzernen Umkleidekabinen nicht mal ein Blick durch die herausgepulten Astlöcher in die Nachbarkabine riskiert? Letmather ist natürlich auch, wer im Marienhospital das Licht der Welt erblickt hat, die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker im Zentral- oder Burgtheater geschaut hat. Ein heimlicher Treffpunkt der Jugend war das Parkdeck auf dem Dierkes-Kaufhaus oder der alte Spielplatz im Volksgarten, mit Rutsche und Fliegenpilz-Karussell.

Letmather ist natürlich auch, wer sein erstes Esspapier bei Oma Stracke an der Kolpingstraße gekauft hat, wessen erstes Fahrrad bei Fahrrad-Hippel durch die Eltern erstanden wurde.

Unvergessen sind auch die Arztbesuche im damaligen Letmathe: Die Verfasser erinnern an Dr. Staufenbiel, die Kinderärztin Dr. Stegemann, den Zahnarzt Theo Mülheims, an Dr. Dreischulte und für die Tierfreunde war Tierarzt Dr. Sasum der erste Ansprechpartner.

Die Erinnerungen gehen auch zurück an unvergessene Kneipen und Discos: Lummerland, die Höhle, die Bachschänke am Winghügel oder die Disco „Klamotte“.

Im Letmather Saalbau haben sich auch zahlreiche Band förmlich die Klinke in die Hand gegeben: Lindenberg war da, Zeltinger auch, NEKTAR spielte Psychodelisches und Open-Air gab es den WDR-Musik-Convoy mit Roger Chapmann und der Spier Murphy Gang auf dem Neumarkt.

Radios, Fernseher und Schallplatten wurden natürlich bei Radio Woldt gekauft, zum Probehören konnte man sich auf einen Barhocker setzen und sich rechts und links je einen mit gelbem Schaumstoff ummantelten Lautsprecher ans Ohr halten. Die Liste der Letmather Erinnerungen ließe sich noch weiter verlängern, denn fast stündlich kommen neue hinzu.

Derzeit wird sogar darüber nachgedacht, im Letmather Saalbau eine Party für alle „Du bist Letmather, wenn...“-Fans zu veranstalten. Falls sich der Plan konkretisiert und ein Datum feststeht, wird die Heimatzeitung zeitnah darüber berichten.

 
 

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