Täter suchen sich vor allem Sportvereine aus

Beim TuS 06 Dröschede fand die Abschlussveranstaltung des Pilotprojekts „Prävention gegen sexuelle Gewalt im Sport“ statt
Beim TuS 06 Dröschede fand die Abschlussveranstaltung des Pilotprojekts „Prävention gegen sexuelle Gewalt im Sport“ statt
Foto: IKZ

Dröschede..  Sportvereine üben auf Pädophile eine große Anziehungskraft aus. Sie spekulieren auf leichte Opfer - etwa bei gemeinsamen Fahrten mit Übernachtungen, beim Duschen oder Umkleiden und sonstigen Gelegenheiten. „Täter suchen sich gerade Sportvereine aus, weil sie dort eine große Auswahl an Kindern und Jugendlichen haben“, weiß Jutta Barrenbrügge, Referentin des Landessportbundes von etlichen sexuellen Übergriffen durch „Sportfreunde“.

„Es ist bedauernswert, dass so etwas passiert“, erklärt Übungsleiterin Aba Lemmer. Die 16-Jährige ist eine von 34 Teilnehmern des Pilotprojektes „Prävention gegen sexuelle Gewalt im Sport“. Sie betreut beim TuS 06 Dröschede Kinder im Vorschulalter. Am Samstag nahm sie mit anderen Übungsleitern, Fachwarten und Vorstandsmitgliedern an einer abschließenden Informationsveranstaltung teil.

„Das ist gelebter Kinderschutz. Wir vermitteln eine Kultur der Achtsamkeit. Ihr seid die Vorreiter“, erklärte Jutta Barrenbrügge den Teilnehmern des TuS 06. Der Verein engagiert sich im Rahmen des Pilotprojektes „Qualitätsbündnis“ des Landessportbundes NRW und der Landesregierung zum „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“. Er ist einer von zehn Sportvereinen, die in Westfalen teilnehmen, zehn weitere gibt es derzeit im Rheinland. Von den Ergebnissen sollen später auch Vereine im gesamten Bundesgebiet profitieren. Vereinsvorsitzender Wolfgang Schröter erarbeitete nach entsprechenden Fortbildungen einen Handlungsleitfaden zur Vorbeugung und Intervention. Demnach wissen die Mitglieder künftig, dass sie sich zunächst an einen der gesondert geschulte Kollegen wenden oder von Fachleute des Kinderschutzbundes oder verschiedener Behörden beraten lassen können. „Man sollte den Kindern glauben, was sie sagen“, rät Jutta Barrenbrügge.

In kritischen Fällen könne man verdächtige Trainer bis zur Klärung der Vorwürfe freistellen. Anzeigen bei der Polizei sollten von außen erfolgen, rät die Fachfrau des Landessportbundes. „Wenn es passiert, muss man darüber sprechen und entsprechend reagieren. Wir haben solche Fälle zum Glück noch nie gehabt“, macht Schröter deutlich, dass es dennoch wichtig sei, für diese Thematik alle Beteiligten zu sensibilisieren. Denn 350 Kinder unter 18 Jahren besuchen die verschiedenen Angebote des Vereins. „Da ist ein Täter wie im Schlaraffenland“, erläutert die Referentin ganz allgemein. „Wir können es nicht verhindern, aber wenn etwas vorkommt, wissen wir jetzt, was zu tun ist“, fasst Schröter zusammen.

Alle Übungsleiter des Vereins verfügen mittlerweile über ein erweitertes Führungszeugnis und bekennen sich mit ihrer Unterschrift zum Ehrenkodex des Landessportbundes. Jetzt muss nur noch im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 20. Februar die Satzung des Vereins geändert werden. Mit folgendem Wortlaut: „Der Verein verpflichtet sich, Maßnahmen zum Kinderschutz und zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt durchzuführen.“

„Wir sind auch mit dem Kreissportbund im Gespräch, er soll auch die anderen Vereine mit ins Boot holen“, betont Schröter. Eine Vernetzung sei auf diesem Gebiet sehr wichtig, so Jutta Barrenbrügge.

Am 20. Juni bietet der TuS Dröschede in seiner Turnhalle ein spezielles theaterpädagogisches Stück an, in dem es genau um die Missbrauchsgefahren geht. Das Theaterstück „Anne, Tore – sind wir stark!“ ist von Anja Blechte in Zusammenarbeit mit dem StadtSportBund Dortmund und der Dortmunder Sportjugend zur präventiven Arbeit bei sexualisierter Gewalt im Sport entwickelt worden.

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