Neue Impulse für die Politik

Landesminister Rainer Schmeltzer (Dritter von links) unterhielt sich mit Mitarbeitern der Diakonie-Mark-Ruhr, der Iserlohner Werkstätten und der „caput“-Redaktion über Hürden und Erfolge beim Thema Inklusion.
Landesminister Rainer Schmeltzer (Dritter von links) unterhielt sich mit Mitarbeitern der Diakonie-Mark-Ruhr, der Iserlohner Werkstätten und der „caput“-Redaktion über Hürden und Erfolge beim Thema Inklusion.
Foto: Oliver Bergmann

Genna..  Knapp vier Monate liegt der große Tag nun schon zurück. Ende Juli wurde das Projekt „Bahnsteig 42“ mit dem zweiten Hauptpreis des Inklusionspreises des Landes NRW ausgezeichnet. Rainer Schmeltzer, SPD-Landesminister für Arbeit, Integration und Soziales, gratulierte damals der heimischen Delegation. Aber getroffen hatte er die Entscheidung nicht. Das war Sache einer Jury. Am Donnerstagmorgen überzeugte sich Schmeltzer direkt vor Ort, welch starke Arbeit im Bahnhof Letmathe geleistet wird.

Rund um das herzhafte Frühstücksbüffet hatten sie es sich gemütlich gemacht, die Vertreter der Diakonie Mark-Ruhr, der Iserlohner Werkstätten, des Psychosozialen Trägervereins und der „caput“-Redaktion mit Pascal Wink an der Spitze, der dann auch vorstellen durfte, was im Bahnhof alles geboten wird und gut funktioniert. Er nannte die ständig ausverkauften Kulturveranstaltungen, das florierende Café und den wachsenden Erfolg des „caput“-Magazins. Michael Scheffler, der heimische Landtagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, setzte noch einen drauf, als er anmerkte, dass ausgehend von der Belebung des Bahnhofs, ein ganzer Stadtteil aufzublühen begann.

Schmeltzer nutzte den Besuch jedoch auch, um sich einen Gesamtüberblick darüber zu verschaffen, wie die Arbeitssituation von Menschen mit Behinderung in Iserlohn überhaupt aussieht wie deren Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt stehen. „Ich höre mich ja auch viel um“, sagte Schmeltzer, und empörte sich darüber, dass viele Betriebe wegen des vermeintlich hohen bürokratischen Aufwandes vorbehalte gegenüber der Anstellung von Behinderten hätten. „Als Hürden gelten der besondere Kündigungsschutz und der ihnen zustehende Sonderurlaub“, sagte er kopfschüttelnd.

Hesslings Anmerkung lässt Schmeltzer aufhorchen

Bei dem, was ihm Christophe Hessling, dem Werkstattleiter für ausgelagerte Arbeitsplätze der Iserlohner Werkstätten zu diesem Thema sagte, reagierte Schmeltzer erstaunt. Mit Blick auf die Rente sei eine Tätigkeit unter dem Dach der Werkstätten nämlich sinnvoller, denn: „Das Rentenniveau unserer Mitarbeiter ist an das der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gekoppelt. Sie erhalten 80 Prozent davon. In der freien Wirtschaft bekommen sie oft nur den Mindestlohn und später im Ruhestand entsprechend wenig Rente.“ In Hamburg sei dieser Missstand behoben worden. Schmeltzer versprach, dies in seinem Ministerium zu thematisieren. Hessling favorisiert deshalb den Weg, Arbeitsplätze aus der Werkstatt in die Betriebe auszulagern. Die Reaktionen, die er bekomme, seinen durchweg positiv. Das gilt auch für den Eindruck, den Schmeltzer mit nach Düsseldorf nimmt. „Ob ein Projekt funktioniert, steht und fällt mit den Menschen, die es leben. Wo das der Fall ist, funktioniert’s.“ Das war in Letmathe von Anfang an der Fall.

 
 

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