Insolvenzverfahren: 39 Kündigungen

Cornelia Merkel
Bäckermeister Bernd Weske, Geschäftsführer der „Ermert's Backhaus“ GmbH, an der Gennaer Straße 34.
Bäckermeister Bernd Weske, Geschäftsführer der „Ermert's Backhaus“ GmbH, an der Gennaer Straße 34.
Foto: Michael May/IKZ
Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit eröffnete das Amtsgericht Hagen jetzt das Insolvenzverfahren über die „Ermert’s Backhaus GmbH" mit Sitz in der Gennaer Straße 34.

Letmathe/Hagen. „Wir drehen das Rad wieder zurück“, erklärt Bäckermeister Bernd Weske. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit eröffnete das Amtsgericht Hagen jetzt das Insolvenzverfahren über die „Ermert’s Backhaus“ GmbH mit Sitz in der Gennaer Straße 34.

Da es sich um ein so genanntes Schutzschirmverfahren handelt, wurde statt eines Insolvenzverwalters ein Sachwalter bestimmt: der Rechtsanwalt Marco Kuhlmann aus Gevelsberg. „Ich habe nach wie vor das Sagen“, erläutert der 47-jährige Bäckermeister Weske, der mit verhaltendem Optimismus nach vorne blickt. „Wir haben angefangen, die Maschinen von Hagen hier her zu holen. Wir brauchen noch ein bis zwei Wochen, bis wir hier fertig sind. Mit den Lebensmittelkon­trolleuren ist alles abgestimmt.“

Zurück zu den Wurzeln: In der Gennaer Straße 34 sind Handwerker dabei, die Voraussetzungen für die Wiederkehr der Produktion des heimischen Groß-Bäckers „Ermert’s Backhaus“ zu schaffen. Die Bäckerei und Konditorei setzt sich wieder kleiner: „Wir backen wieder hier“, zeigt Bäckermeister Weske auf die alte Produktionsstätte, die seit dem Umzug nach Hagen lange leer gestanden hatte.

Produktion erst vor einem Jahr nach Hagen verlagert

Zum Jahresende 2011/2012 erst hatte „Ermerts Backhaus“ seine Produktion vom Stammsitz Letmathe nach Hagen-Haspe verlagert, wo Inhaber Bernd Weske die Bäckerei und Konditorei Emde übernommen hatte (wie berichtet). Dabei habe er sich übernommen. An der Hochofenstraße in Hagen nutzte er eine etwa 1800 Quadratmeter große Produktionsstätte, von wo aus alle 17 Filialen und 15 mit übernommenen Emde-Verkaufsstellen beliefert wurden. Die Filialen der Bäckerei Emde wurden auch nach der Übernahme weiter unter dem Namen „Bäckerei Emde“ geführt. Wie berichtet, waren zu den bisherigen 80 Mitarbeitern mit der Übernahme 60 hinzugekommen. Bis zur Übernahme in Hagen hatte die 1984 gegründete Bäckerei-Kette auf lediglich 350 Quadratmetern an der Gennaer Straße produziert.

Im Jahr 2012 beschäftigte die „Ermert’s Backhaus GmbH“ in 31 Filialen 192 Mitarbeiter. Der Bäckerbranche gehe es nicht gut, erläutert Weske gegenüber unserer Zeitung die veränderten Rahmenbedingungen: „Jede Tankstelle darf backen und Brötchen verkaufen“, spricht er von einem starken Konkurrenzkampf. „Und ich darf umgekehrt aber kein Benzin verkaufen“, setzt er achselzuckend hinzu.

Optimale Bedingungen

Die räumlichen Bedingungen in Hagen seien optimal gewesen. Aber er habe bei der Übernahme erhebliche Probleme mit der neuen Belegschaft bekommen: „Die Produktionsstätte ist ein Traum, aber wenn die Leute nicht mitziehen, wird es schwierig“, berichtet Weske von bitteren Erfahrungen, die er nach der Expansion gemacht habe. „Ich arbeite 18 Jahre in der Branche und habe bisher nie Probleme mit meinen Mitarbeitern gehabt.“ Zu dem Kaufpreis für die Übernahme habe er viel Geld benötigt, um Mitarbeiter loszuwerden, erzählt Bernd Weske, der etliche Arbeitsgerichtsprozesse geführt und verloren hat.

Wie er weiter berichtet, wurde ein Sozialplan erstellt. Von den 192 Beschäftigten erhielten an Silvester 39 Mitarbeiter die Kündigung. Geschlossen werden Filialen in Ennepetal, Witten und Hagen. Alle übrigen 20 Filialen werden weiter betrieben, erklärte Weske gegenüber unserer Zeitung.